# taz.de -- Überraschende Studie zu Waldbränden: Schnelle Feuer verkohlen mehr
       
       > Der Klimawandel beschleunigt die Ausbreitung von Waldbränden. Eine Studie
       > zeigt nun: Je schneller die Feuer sich ausbreiten, desto mehr Schaden
       > richten sie an.
       
 (IMG) Bild: Geht das nicht ein bisschen schneller? Leverkusener Einsatzkräfte beim Waldbrand im Hürtgenwald (15.8.2026)
       
       taz/dpa Sich schnell ausbreitende Feuer vernichten größere Flächen – und
       richten nachhaltigere Schäden an. Das ist das zentrale Ergebnis einer
       Untersuchung von Waldbränden in Nordamerika, die ein
       [1][Forscher:innenteam von der Western Colorado University in Gunnison
       (Colorado) im Fachjournal „Science Advances“ veröffentlicht haben].
       
       So nehmen mit einer sich erhöhenden Ausbreitungsgeschwindigkeit auch die
       Intensität der Feuer, der Anteil der stark verbrannten Fläche sowie die
       Entfernung zwischen überlebenden Samenbäumen zu. Der Klimawandel erhöhe die
       Brennbarkeit von Wäldern, die Länge der Waldbrand-Saison und die
       Wahrscheinlichkeit von Extremwetter-Ereignissen weiter – allesamt
       [2][Faktoren für sich schnell ausbreitende Brände].
       
       Die Ausbreitung von Waldbränden untersuchten die Forscher:innen anhand
       von Satellitenaufnahmen von 3.499 größeren Waldbränden in Kanada und in den
       westlichen USA, einschließlich Alaskas, im Zeitraum von 2012 bis 2023. Die
       Feuer entwickelten sich sehr unterschiedlich: So reichte die Fläche, die
       bei einem einzelnen Brand an einem Tag verbrannte, von 25 bis 141.257
       Hektar.
       
       Die Ausbreitung lag bei 131 bis 61.878 Metern Luftlinie. Die zehn
       Ereignisse mit der schnellsten täglichen Brandausbreitung, bei denen
       jeweils eine Strecke von mehr als 32 Kilometern innerhalb von 24 Stunden
       zurückgelegt wurde, verbrannten zusammen 547.000 Hektar Nadelwald.
       
       Die schnellsten Brände in Wäldern breiten sich bei großer Trockenheit und
       starkem Wind über Baumkronen aus. „Da Kronenfeuer die Baumkronen
       vernichten, sind sie für die Bäume in den meisten [3][nordamerikanischen
       Nadelwäldern] im Allgemeinen tödlich und können nach dem Brand Landschaften
       mit großen, stark verbrannten Flächen hinterlassen“, schreibt das Team um
       Jonathan Coop.
       
       ## Starke Auswirkung auf Ökosysteme
       
       Mit der Ausbreitungsgeschwindigkeit steigt neben der Intensität des Feuers
       auch der Anteil der stark verbrannten Fläche, in der so gut wie keine Bäume
       überleben, wie die Forscher mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit
       feststellten. Da auf diesen Flächen auch die Samen der Bäume verbrannt
       sind, erhöht sich auch die Entfernung zum nächsten samentragenden Baum.
       
       Durch die Vernichtung der Samen können sich auf lange Sicht auch die
       Ökosysteme stärker verändern. Denn es gibt Baumarten, die besser als andere
       an die Situation nach einem Waldbrand angepasst sind. So lösen Brände, die
       nicht ganze Bäume vernichten, etwa bei der Unterart Latifolia der
       Küstenkiefer (Pinus contorta) und bei der Schwarzfichte (Picea mariana) die
       Verbreitung von Samen aus. Auch Laubbäume wie Gambel-Eiche (Quercus
       gambelii) oder die Amerikanische Zittelpappel (Populus tremuloides), die
       Samen über einen großen Bereich streuen kann, können zu den Gewinnern nach
       Waldbränden gehören.
       
       ## Bedeutung auch für Brände in Europa
       
       Die [4][Regeneration der Ökosysteme] wird durch die schweren Brände stärker
       behindert, was auch [5][künftige Brände verstärken kann]. Laut Coop lässt
       sich auch in Europa beobachten, „dass das Brennen von Nadelwäldern
       [6][unter zunehmend warmen und trockenen Bedingungen zu explosiven
       Waldbränden führen kann] – also zu solchen, die sich sowohl schnell
       ausbreiten als auch eine hohe Brandintensität aufweisen“. Die Erkenntnisse
       unterstreichen laut Studie den Bedarf „die nach Bränden entstandenen
       Landschaften so zu gestalten, dass die Funktionen des Waldökosystems
       erhalten bleiben sowie die sozioökologische Anpassung zu fördern“,
       schreiben die Wissenschaftler.
       
       Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
       schließt ähnliche Effekte, wie sie in der Studie gefunden wurden, für
       große, zusammenhängende Waldgebiete in Europa nicht aus. „Der Unterschied
       in Europa liegt in der besseren Zugänglichkeit der Standorte“, sagt die
       Forscherin. „Hier könnten [7][Maßnahmen zur unterstützenden
       Wiederaufforstung] – etwa durch Pflanzungen oder das Abwerfen von
       Samenbomben aus der Luft – hilfreicher sein“, sagt die Potsdamer
       Forscherin. (taz, dpa)
       
       16 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.aeg5802#sec-3
 (DIR) [2] /Studie-zu-Feuern-in-der-Klimakrise/!6104458
 (DIR) [3] /Folge-von-Feuerkatastrophen/!6059820
 (DIR) [4] /Regeneration-nach-Waldbraenden/!6182265
 (DIR) [5] /Folge-von-Feuerkatastrophen/!6059820
 (DIR) [6] /Studie-zu-Feuern-in-der-Klimakrise/!6104458
 (DIR) [7] /Regeneration-nach-Waldbraenden/!6182265
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Feuer
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Dürre
 (DIR) Trockenheit
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Waldbrände
 (DIR) Waldbrände
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Friedrich Merz zu Besuch im Hürtgenwald: Nach dem Feuer kommt Merz
       
       Beim Besuch im Hürtgenwald wird Bundeskanzler Friedrich Merz mit Buhrufen
       empfangen. Er verteidigt sein spätes Kommen und spricht über den
       Klimawandel.
       
 (DIR) Feuer im Hürtgenwald: „600 Meter nichts als Flammen“
       
       Der größte Waldbrand in Nordrhein-Westfalen ist offiziell vorbei. Die
       Feuerwehr findet bis zum Schluss Glutnester unter einzelnen Bäumen.
       Anwohnende sind geschockt.
       
 (DIR) Waldbrand im Hohen Venn: 300 Meter vor der Grenze
       
       Leichter Regen, feuchte Luft, kein Wind: Das Feuer im Hohen Venn rückt
       nicht mehr näher auf die deutsche Grenze zu, die Lage hat sich
       stabilisiert.
       
 (DIR) Forstwissenschaftler über Brände: „Der Mythos vom Brandstifter hält sich hartnäckig“
       
       Die Waldbrandsaison beginnt immer früher, die Feuer werden extremer.
       Feuerökologe Alexander Held erklärt, warum Deutschland jetzt umdenken muss.
       
 (DIR) Regeneration nach Waldbränden: Das grüne Schimmern in der Schwärze
       
       2023 tobte in Nordgriechenland der größte Waldbrand in der Geschichte der
       EU. Der Dadia-Nationalpark zeigt, warum Megafeuer nicht gelöscht, sondern
       verhindert werden müssen.
       
 (DIR) Folge von Feuerkatastrophen: Brände begünstigen den Ausbruch künftiger Feuer
       
       Nach einem Waldbrand steigt die Bodentemperatur für Jahrzehnte, zeigt eine
       Studie. Das macht die Bäume anfällig für neue Flammen.