# taz.de -- Soziale Ungleichheit: Klingbeil plant keine Klima-Reichensteuer
       
       > Das SPD-geführte Finanzministerium prüft nicht, ob man Superreiche für
       > ihre Klimabilanz gesondert zur Kasse bitten sollte. Gefragt hatten die
       > Grünen.
       
 (IMG) Bild: Lars Klingbeil kommt zur Kabinettssitzung, bei der die Regierung über den Entwurf für den Bundeshaushalt 2027 berät
       
       Die Bundesregierung erwägt nicht, Superreiche für ihre großen Klimaschäden
       besonders zur Verantwortung zu ziehen. Das geht aus der Antwort des
       Bundesfinanzministeriums von Lars Klingbeil (SPD) auf eine Frage der
       Bundestagsabgeordneten Lisa Badum (Grüne) hervor, die klimapolitische
       Sprecherin ihrer Fraktion ist. Das Schreiben liegt der taz vor.
       
       Badum hatte gefragt, ob die Bundesregierung geprüft habe, ob
       Multimillionäre, die „[1][aufgrund ihres Lebensstils und ihrer
       Vermögenswerte überproportional große Verantwortung an der Klimakrise
       tragen], einen entsprechenden finanziellen Beitrag zum Klimaschutz leisten
       sollten“.
       
       Die Antwort von Michael Schrodi (SPD), parlamentarischer Staatssekretär im
       Finanzministerium, fällt kurz und knapp aus: „Die Bundesregierung hat keine
       Prüfung im Sinne der Fragestellung durchgeführt.“ Bereits jetzt würden
       diejenigen, die stärker zum Klimawandel beitragen, „durch die in der Regel
       verursachergerechte Ausgestaltung klimabezogener Steuern und Abgaben“ einen
       größeren Anteil der damit verbundenen Kosten tragen.
       
       Gemeint sind wohl die CO₂-Preise, die im Falle von Stromerzeugung und
       Industrie die EU erhebt, im Falle von Mobilität und Heizen Deutschland
       selbst. Unternehmen geben diese Kosten in der Regel an die
       Verbraucher*innen weiter. Wer also zum Beispiel mit einem schweren Auto
       mehr Benzin verbraucht oder fürs Beheizen einer großen Villa mehr Gas nutzt
       als die Durchschnittsperson, zahlt entsprechend auch einen höheren
       CO₂-Preis.
       
       ## Klimageld für alle, bezahlt von Milliardär*innen
       
       Für das Kerosin, mit dem Privatjets fliegen, fällt aber beispielsweise
       weder in Europa noch in Deutschland ein CO₂-Preis an. Und: In die schlechte
       Klimabilanz der Superreichen spielt nicht nur ihr eigener Konsum hinein,
       sondern auch die „Arbeit des Gelds“, wenn es in fossile Geschäftsfelder
       investiert ist.
       
       [2][Laut der Entwicklungsorganisation Oxfam hatte das reichste Prozent der
       Weltbevölkerung rechnerisch bereits ab dem 11. Januar alle Treibhausgase
       ausgestoßen, die ihm für das gesamte Jahr 2026 zusteht] – also die Menge
       CO₂, die pro Kopf jährlich emittiert werden darf, um die Erderwärmung im
       langfristigen Durchschnitt auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen.
       
       Badum wünscht sich deshalb eine Milliardärssteuer – und würde die Einnahmen
       [3][in ein Klimageld] fließen lassen. So eine regelmäßige Zahlung vom Staat
       an alle Bürger*innen, um Menschen bei finanziellen Belastungen durch
       Klimapolitik zu entlasten, ist schon lange im Gespräch. Klassischerweise
       ist die Idee, dass die staatlichen Einnahmen aus den CO₂-Preisen dafür
       genutzt werden.
       
       Das könnte für ein wenig Umverteilung von oben nach unten führen: Alle
       bekämen dieselbe Summe – aber wer vorher besonders viel fossile Energie
       verbraucht hat, hätte viel mehr CO₂-Preis gezahlt als Klimageld bekommen.
       Andersherum könnten besonders klimafreundliche Menschen darüber sogar Geld
       verdienen. Statistisch gesehen gehören reiche Menschen eher zu der ersten
       und arme Menschen zu der zweiten Gruppe. Einen großen CO₂-Fußabdruck muss
       man sich schließlich erst mal leisten können.
       
       Was der Staat über die CO₂-Preise einnimmt, landet derzeit im Klima- und
       Transformationsfonds des Bunds. Aus dem sollen Klimaschutzprojekte
       finanziert werden – das Geld ist also schon verbucht. Für ein zusätzliches
       Klimageld müsste es also neue Einnahmequellen geben – etwa die von Badum
       und auch Umweltverbänden wie Greenpeace vorgeschlagene Milliardärssteuer.
       
       19 Aug 2026
       
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