# taz.de -- Millionäre in Berlin: Law and Order gilt nicht für Einkommensmillionäre
> Berlin soll den Gürtel enger schnallen. Dabei könnten eingetriebene
> Mehrsteuern von Einkommensmillionären die Haushaltslage entspannen.
(IMG) Bild: Berlin gehen Millionen durch die Lappen: Die Steuerabgaben von Einkommensmillionären werden nicht regelmäßig überprüft
Kein Gratis-Schulessen, kein Gratis-Schülerticket, keine Gratis-Mentalität:
Das sind die Pläne des Finanzsenators und Bürgermeisterkandidat Stefan
Evers für Berlin. Sparen müsse man, auf Berlin kämen finanziell schwierige
Zeiten zu, sagte er dem [1][rbb] am Montag. Jeder Euro wird benötigt. Warum
prüft der Staat dann nicht genauer die Steuerabgaben der
Einkommensmillionäre? Würden die Finanzämter flächendeckend nachprüfen,
könnten Mehreinnahmen in Millionenhöhe eingetrieben werden. Doch diese
sogenannten Außenprüfungen werden in Berlin nur sehr spärlich durchgeführt.
Der Abgeordnete Sebastian Schlüsselburg ist Haushaltsexperte der SPD und
fragt regelmäßig die Steuerrückstände von Steuerprüfungen ab. Aus seiner
schriftlichen Anfrage vom 27. Juli geht hervor, dass im ersten Halbjahr
2026 in Berlin bei 927 Steuerpflichtigen mit bedeutenden Einkünften, also
Einkommensmillionären, nur 24 Außenprüfungen abgeschlossen wurden. Bei drei
Fällen stellten die Prüfer fest, dass insgesamt ein Steuerbetrag von
387.000 Euro fehlte.
Neu ist diese Erkenntnis nicht: In Berlin betrugen die durchschnittlichen
Mehreinnahmen durch Nachforderungen im Zeitraum 2006 bis 2016 rund 88.940
Euro pro Fall. Bisher entscheidet ein risikoorientiertes
Fallauswahlverfahren die Außenprüfungen. Ein angestrebter, festgelegter
Prüfungsrhythmus stelle aber „kein Generalverdacht, sondern eine Frage der
Steuergerechtigkeit“ dar, sagt Schlüsselburg.
## Wiederholungsprüfungen sind notwendig
Schlüsselburg kann die Weigerung, in regelmäßigen Intervallen
Außenprüfungen durchzuführen, nicht verstehen. Die Zahlen sprächen für
sich. „Es zeigt sehr deutlich, dass regelmäßige Wiederholungsprüfungen
alles andere als überflüssig sind“, sagte er der taz. Die SPD-Fraktion
hatte im März einen Antragsentwurf beschlossen, um mit regelmäßigen
Außenprüfungen die Steuergerechtigkeit zu stärken. Diesen hatte die CDU
abgelehnt.
Der Entwurf bezieht sich auf „beständige Kritik des Bundesrechnungshofes an
einer zu laxen Prüfungspraxis bei Millioneneinkünften“ sowie auf ein
Gutachten der wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags. Demnach
können Steuergesetze verfassungswidrig werden, wenn ihre praktische
Durchsetzbarkeit durch systemische Vollzugsdefizite beeinträchtigt wird.
Die SPD sieht darin eine Notwendigkeit für ein Mindestintervall der
Außenprüfungen. Dieses könnten die verfassungsrechtliche gebotene
Gleichmäßigkeit der Besteuerung sichern.
Besonders um Gerechtigkeit geht es Schlüsselburg: „Für Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer wird die Lohnsteuer Monat für Monat automatisch vom Gehalt
abgezogen. Wer dagegen sehr hohe und häufig komplex zusammengesetzte
Einkünfte erzielt, sollte ebenfalls damit rechnen müssen, in angemessenen
Abständen vom Finanzamt geprüft zu werden“.
„Steuergerechtigkeit darf nicht vom jeweiligen Personalstand oder von
Zufallsselektionen abhängen“, heißt es im Antragsentwurf der SPD. Der
[2][Morgenpost] gegenüber sagte Schlüsselburg, er fordere von Evers eine
„Finanzverwaltung, die personell in die Lage versetzt wird, das geltende
Steuerrecht konsequent durchzusetzen“. Von 703 Stellen bei den
Betriebsprüfern der Finanzämter waren Mitte 2026 zwar 675 besetzt,
berichtete die Morgenpost. Das seien jedoch weniger als noch 12 Monate
zuvor.
20 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/08/berlin-finanzen-aemter-verwaltung-steuer-rueckstaende.html
(DIR) [2] https://www.morgenpost.de/berlin/article412864989/wo-steuerpruefungen-fuer-berlins-haushalt-am-meisten-geld-einbringen.html
## AUTOREN
(DIR) Ann Toma-Toader
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