# taz.de -- Rechtsextreme Politik in Israel: Krokodile in den Staatsdienst
> Sicherheitsminister Ben Gvir hat eine neue radikale Idee: Die Reptilien
> sollen – wie im mittlerweile geschlossenen US-Gefängnis „Alligator
> Alcatraz“ – Gefangene bewachen.
(IMG) Bild: Ist sich für keine noch so radikale Idee zu schade: der Rechtsextreme Itamar Ben-Gvir
Panzerreptilien im Dienst des Staates: Israels Sicherheitsminister Itamar
Ben-Gvir will bald Krokodile einsetzen, rund um israelische Gefängnisse,
die palästinensische Insassen beherbergen. So sollen eventuelle
Fluchtgedanken im Keim erstickt werden.
Das klingt wie ein schlechter Witz. Und könnte indes bald Realität werden.
Denn die Ministerin für Umweltschutz Idit Silman hat gerade den Status von
Nilkrokodilen in „gezüchtete Wildtiere“ geändert und so den rechtlichen Weg
für die Umsetzung des Vorschlags ein Stück weiter geebnet.
Laut Ben-Gvir könnte dies die Kosten senken und die Sicherheit stärken. Das
Vorhaben wirft jedoch ethische und rechtliche Fragen. Zum einen haben
Krokodilfarmen in Israel in der Vergangenheit immer wieder Probleme
verursacht – vor allem durch entlaufene Tiere, die eine Bedrohung für die
Einwohner:innen darstellten. Zum anderen kritisierten laut israelischen
Medienberichten Beamt:innen der Parkbehörde, Krokodile seien
„schutzbedürftige Tiere und nicht Tiere, die uns beschützen sollten“.
Unter dem ethischen Gesichtspunkt erheben Kritiker:innen den Vorwurf,
der Plan sei diskriminierend, denn er betrifft lediglich Haftanstalten mit
palästinensischen Sicherheitsgefangenen – also denjenigen, die unter
Terrorismusverdacht stehen. Auch die Tatsache, dass eventuelle Fliehende
lebendig verspeist werden könnten, wirft Fragen nach Menschenrechten und
Foltern auf. Naji Abbas von [1][Physicians for Human Rights Israel] nannte
die Idee „entsetzlich“. Sie zeige aber, dass eines der Ziele von
Haftanstalten in Israel sei, Palästinenser:innen zu foltern und zu
misshandeln.
## Ben-Gvir soll an Marsch von Siedler:innen nach Gaza teilnehmen
Nicht zuletzt ist fraglich, ob die Notwendigkeit einer solchen Abwehr
wirklich gegeben ist, da in den letzten fünf Jahren keine Berichte über
ausgebüxte Gefangene bekannt sind. Eine entsprechende Anfrage der taz an
die israelischen Behörden blieb unbeantwortet.
Bereits vor einigen Monaten haben Vertreter des israelischen
Gefängnisdienstes eine Farm in Nordisrael besucht, die Krokodile züchtet.
Ein Bild zeigt sie beim Schlendern in den Gehegen, neben den robusten
Tieren. Das berüchtigte Ketziot-Gefängnis soll das Projekt testen. [2][Das
Modell richtet sich nach dem US-amerikanischen US-Gefängnis „Alligator
Alcatraz“ in Florida] – das allerdings ein Jahr nach seiner Eröffnung
[3][wieder geschlossen wurde].
Am Donnerstag postete der rechtsradikale Sicherheitsminister ein Bild von
sich selbst und einem Krokodil an der Leine, mit der Aufschrift: „Denkst du
über einen Ausbruch nach, verfluchter Terrorist? Überleg’s dir noch mal“.
Es ist nicht das erste Mal, dass Ben-Gvir in seinem Amt für Kontroverse
sorgt. Im Mai hatte die harsche Behandlung von Flotilla-Aktivist:innen
massive internationale Kritik verursacht. Und am Sonntag soll der Minister
laut Medienberichten an einem [4][Marsch von Siedler:innen] teilnehmen,
die für eine [5][Rückkehr nach Gaza] plädieren. Das Militär hat das dortige
Gebiet jedoch zur Sperrzone erklärt.
Das Krokodil-Projekt muss indes noch mehrere legale Hürden überwinden, ehe
tatsächlich in Gräben neben israelischen Haftanstalten Reptilien schwimmen
könnten.
19 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /NGO-Chef-ueber-den-Krieg-in-Gaza/!5978209
(DIR) [2] /Trump-will-in-Florida-ein-Abschiebegefaengnis-umgeben-von-Alligatoren-bauen/!6094691
(DIR) [3] https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/alligator-alcatraz-abschiebezentrum-usa-100.html
(DIR) [4] /Siedlergewalt-im-Westjordanland/!6182064
(DIR) [5] /Die-Hamas-ist-wieder-Ordnungsmacht-in-Gaza/!6188162
## AUTOREN
(DIR) Serena Bilanceri
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