# taz.de -- Aktion vor der Landtagswahl in MV: Mit Schokolade, Vanille und bunten Streuseln
       
       > Im Softeisbus touren Wibke Seifarth und ihre Mitstreiterinnen vor der
       > Landtagswahl durch Vorpommern. Sie wollen Begegnungsräume schaffen.
       
 (IMG) Bild: Wibke Seifarth im Eisbus Gabi
       
       In Sarow und Demmin, in Pasewalk und Papendorf schmeckt Demokratie diesen
       Sommer nach Vanille. Oder Schokolade. Eiskaffee gibt’s auch. Und bunte
       Streusel. Das alles kommt aus einem blauen Bus, von dessen Dach – natürlich
       nur gemalt – Eis herunterschmilzt.
       
       Softeis, genauer gesagt. Der [1][Eisbus Gabi] tourt diesen Sommer durch
       Vorpommern, und wenn es mit der Finanzierung klappt, auch noch über den
       Sommer hinaus. Das Eis gibt’s auf Spendenbasis, man zahlt, was man kann.
       Ums Geldverdienen geht es Gabi nämlich gar nicht. „Wir wollen gute Laune
       verbreiten“, sagt Wibke Seifarth, eine der Betreiberinnen. „Es geht darum,
       Begegnungsräume zu schaffen und ins Gespräch zu kommen.“ Deshalb auch das
       Motto: „Eis to meet you“. Das Eis ist nur Mittel zum Zweck – und genau das
       richtige für die heißen Sommertage.
       
       Dass Gabi gerade jetzt durch die kleinen Ortschaften tourt, vor der
       [2][Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern] am 20. September, ist kein
       Zufall. Die Idee kam von Julia Sachs aus dem [3][Netzwerk „Zusammen
       bewegen“,] einem „Bündnis für ein solidarisches und gerechtes
       Mecklenburg-Vorpommern“, wie es auf dessen Webseite heißt. Seifarth, die
       Sachs aus anderen Zusammenhängen kennt, steuerte die Eismaschine bei. Dann
       kamen weitere Frauen aus Vorpommern hinzu.
       
       Seifarth kennt sich aus damit, Begegnungsräume zu schaffen. Sie ist
       freiberufliche Pädagogin und Moderatorin für Jugendbeteiligung, lebt in
       Gatschow und betreibt dort den Verein „Landkombinat“ mit einer offenen
       Werkstatt, einem Reparaturcafé und regelmäßigen Bildungsangeboten. Im
       Telefonat mit der taz erzählt sie, wie sie mal mit einem Sofa durch Demmin
       reiste, an Orte, an denen sich Jugendliche aufhielten, um mit ihnen ins
       Gespräch zu kommen und deren Ideen sichtbar zu machen: Was geht ihnen durch
       den Kopf, welche Aktivitäten und Einrichtungen wünschen sie sich?
       
       ## Mit Klön-Schnack-Tischdecken ins Gespräch kommen
       
       So ähnlich funktioniert auch Gabi. Auf den Tischen liegen
       „Klön-Schnack-Tischdecken“, auf denen Fragen stehen. „Was bewegt dich?“,
       zum Beispiel. Es gehe darum, dass sich Menschen austauschen, sich gesehen
       und gehört fühlen und anfangen, sich Gedanken über ihre Wünsche und Ideen
       zu machen. Und: Gerade für Jugendliche sei es wichtig, auf Menschen mit
       anderen Ideen zu stoßen, die Weltoffenheit verkörpern und neue Horizonte
       eröffnen, sagt Seifarth.
       
       Zwei bis drei Einsätze pro Woche hat Gabi. Bevor es in einen neuen Ort
       geht, kontaktieren die Macherinnen lokale Vereine, Engagierte und
       Politiker*innen. So wie Anfang Juli. Da fuhr Seifarth mit Gabi nach Sarow.
       Vorher rief sie den Bürgermeister an. Thomas Wellenbeck war ganz angetan
       von der Idee, machte Werbung für die Aktion und kam dann auch selbst zum
       Eisessen. Nicht alle Bürgermeister*innen seien so aufgeschlossen,
       erzählt Seifarth. Manche antworteten auf Anfragen gar nicht oder lehnten
       ihre Beteiligung ab.
       
       Das Eismobil kommt gut an, sagt Seifarth. Das freut sie, aber es sei auch
       Ausdruck eines Symptoms: „Ich denke, wir kitten etwas, das in den
       vergangenen Jahren vernachlässigt wurde.“ Alltagsorte, an denen man sich
       begegne, seien immer mehr verschwunden. Das liege auch an mangelnder
       politischer Unterstützung. Um diese sogenannten [4][Dritten Orte] zurück in
       die kleinen Orte in Vorpommern zu holen, brauche es mehr als einen
       Softeis-Nachmittag. „Da braucht es eine größere Strategie.“
       
       Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellen
       wir Engagierte aus der Zivilgesellschaft vor. Alle Texte finden Sie
       [5][hier].
       
       11 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johanna Treblin
       
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