# taz.de -- Prora auf Rügen: Ein Staffellauf für Demokratie und Vielfalt
       
       > Katja Lucke ist Historikerin und leitet das Dokumentationszentrum Prora
       > auf Rügen. Vor den Landtagswahlen ruft sie zu einer sportlichen Demo auf.
       
 (IMG) Bild: Katja Lucke, Leiterin des Dokumentationszentrums Prora
       
       In Badehose und Flipflops, mit Handtuch, Sonnenschirm und Schwimmreifen
       schlappen die Menschen durch den baufälligen Durchgang Richtung Strand. Er
       wird durch Stahlträger gestützt, die Fensterscheiben über dem Durchgang
       sind teils zerbrochen. Rechts daneben sieht das gleiche Gebäude ganz anders
       aus. Hier ist es strahlend weiß gestrichen, die Fenster vergrößert.
       Dahinter verbergen sich sanierte Loft-Ferienwohnungen. Willkommen in Prora.
       
       Katja Luckes Arbeitsplatz liegt in einem Seitenflügel, niedriger als der
       Gebäudestrang, der sich 4,5 Kilometer am Meer entlangzieht. Nicht so
       verfallen wie der Teil über dem Durchgang, nicht so strahlend weiß wie die
       neuen Ferienwohnungen. Lucke leitet das Dokumentationszentrum Prora, das
       seit 26 Jahren über die von den Nazis für 20.000 Menschen geplante aber nie
       fertig gestellte Ferienanlage im Ostseebad Binz auf Rügen informiert.
       Daneben gibt es wechselnde Ausstellungen, aktuell etwa „Die Nazis waren ja
       nicht einfach weg“ über den Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe
       nach 1945, [1][die vorher bereits in der Topographie des Terrors in Berlin
       zu sehen war].
       
       Prora hat eine bewegende Geschichte: Ab 1940 wurden hier Polizeibataillone
       ausgebildet, nach dem Krieg nutzte die Sowjetarmee einen Teil der Gebäude,
       schließlich die Nationale Volksarmee der DDR. 1994 wurde der Komplex unter
       Denkmalschutz gestellt, später Gebäudeteile [2][an Investoren verkauft]. Im
       nördlichen Teil ist eine Jugendherberge untergebracht.
       
       Lucke arbeitet seit 2012 im Dokumentationszentrum, seit 2015 ist sie dessen
       Chefin. Sie selbst nennt sich so nicht. „Wir machen das alles im Team“,
       sagt sie der taz am Telefon, aber dass es eben Zuständigkeiten brauche. Die
       Historikerin ist für den wissenschaftlichen Bereich des
       Dokumentationszentrums zuständig, verantwortet vor allem das
       Bildungsprogramm und die Veranstaltungen. Vorher war sie für verschiedene
       historische Einrichtungen tätig, meist zur NS-Geschichte: darunter die
       Topographie des Terrors und das Museum Karlshorst in Berlin, die
       Erinnerungsstätte Yad Vashem in Jerusalem.
       
       ## „AfD gefährdet auch historische Bildung“
       
       Der Sommer, wenn die Feriengäste nach Rügen kommen, ist auch für Lucke und
       ihr Team Hochsaison. [3][In den kommenden beiden Wochen] gibt es eine
       Lesung im Rahmen der aktuellen Ausstellung über im NS-Jargon sogenannte
       „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“, ein Theaterstück über die Geschichte des
       „KdF-Seebades“, und der taz-Autor Andreas Speit stellt [4][sein Buch
       „Autoritäre Rebellion“] vor.
       
       Aktuell gebe es eine große Nachfrage von Schulen zum Thema
       Rechtsextremismus, erzählt Lucke. Kein Wunder: Am 20. September ist
       Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, und [5][die AfD liegt in Umfragen
       mit 36 Prozent] auf dem ersten Platz. Lucke macht das Sorgen. „Wer hätte
       gedacht, dass wir noch mal die Demokratie und kulturelle Vielfalt
       verteidigen müssen.“ Auch aus diesem Grund: „Wenn die AfD die meisten
       Stimmen holt, dann sind potenziell auch die Landeszentrale für politische
       Bildung und historische Bildungsstätten gefährdet.“
       
       Um Haltung zu zeigen, hat sich Lucke daher etwas Ungewöhnliches ausgedacht:
       Am 5. September lädt das Dokumentationszentrum zum „Staffellauf für
       Demokratie, Menschenrechte und Vielfalt“ ein. Sie laufe selbst gerne, sagt
       Lucke, überhaupt seien viele aus dem Team nicht nur eine „engagierte
       Truppe“, sondern auch sportbegeistert. Allerdings gehe es bei dem Lauf
       nicht um Schnelligkeit. „Wir wollen ein kleines, buntes Zeichen vor den
       Wahlen setzen.“ Der Fahrradverleih vor Ort habe schon Interesse bekundet,
       teilzunehmen, ebenso lokale Restaurantbesitzer, und auch Teams aus den
       nahen Schulen und der Jugendherberge hätten sich angemeldet.
       
       Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stellen
       wir Engagierte aus der Zivilgesellschaft vor. Alle Texte finden Sie
       [6][hier].
       
       17 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Kolumne-Unter-Leuten/!5535230
 (DIR) [3] https://www.proradok.de/veranstaltungen/
 (DIR) [4] https://www.youtube.com/watch?v=GS4taKU7WGY
 (DIR) [5] /AfD-Umfragehoch-vor-den-Ostwahlen/!6203186
 (DIR) [6] /Richtig-gute-Leute/!t6196070
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johanna Treblin
       
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