# taz.de -- Kampfsport in Halle: „Geil, dass ich heute da war“
       
       > Constantin Seitz ist Trainer für Muay Thai beim Kampfsportkollektiv
       > Redore. Vereine sind bedeutende Anlaufstellen für Jugendliche in
       > Ungewissheit.
       
 (IMG) Bild: Zuhause gefunden: Constantin Seitz trainiert Muay Thai im Kampfsportkollektiv Redore
       
       „Bock auf Sport und kein Bock auf Diskriminierung.“ Für Constantin Seitz
       ist das die wichtigste Gemeinsamkeit beim Kampfsport. Das
       Kampfsportkollektiv Redore in Halle ist deshalb wie ein Zuhause für ihn
       geworden. Seit sieben Jahren ist er dort Mitglied, Kampfsport macht der
       33-Jährige sogar schon seit seiner Jugend. Mit Jiu-Jitsu und Boxen hat er
       angefangen, später wechselte er zu Kickboxen und Muay Thai, besser bekannt
       als „Thaiboxen“.
       
       Inzwischen ist Seitz auch Trainer für Muay Thai, ein Hauptfokus im Programm
       von Redore. „Geil, dass ich heute da war“ – das sollen seine
       Teilnehmer*innen, die meisten von ihnen Studierende oder Berufstätige
       zwischen 20 und 35 Jahre, am Ende der Trainingseinheit denken. Auch das
       Angebot für Jugendliche wird derzeit ausgebaut, dafür verteilt das
       Kampfsportgym Gutscheine in Schulen und Jugendzentrum.
       
       ## Jugendliche wachsen in eine Ungewissheit herein
       
       Es sei eine schwierige Zeit für Jugendliche, sagt Seitz. „Jugendliche
       wachsen jetzt in so eine Ungewissheit rein.“ Zusammengepfercht während der
       Coronalockdowns, steigende Mietpreise, hohe Ansprüche aus der
       Boomer-Generation, jetzt kommt der Wehrdienst und es ist Krieg in Europa.
       „Wenn ich als Jugendliche*r hier lebe, denke ich doch: Was soll die
       Scheiße?“, sagt Seitz.
       
       In so einer schwierigen Situation könne man an die falschen Leute geraten.
       „Gerade, wenn der Rechtsruck am Start ist. Dass man da auf korrekte Leute
       trifft, ist viel wert“, findet Constantin Seitz, der eigentlich anders
       heißt, aber aus Sorge vor rechten Anfeindungen seinen Namen lieber nicht in
       der Zeitung lesen will. Dass es auch anders geht, weiß Seitz aus erster
       Hand. In früheren Vereinen hat er viel Diskriminierung miterlebt. Auch beim
       letzten Verein war es „alles so 'ne rassistische Scheiße“, die jemand
       äußerte. Zu dieser Zeit wurde Redore gegründet, wo er schließlich auf
       „korrekte Leute“ getroffen ist.
       
       Zu dem Verein kämen nicht nur die, „die unbedingt Weltmeister im Boxen
       werden wollen“, sagt Seitz. Es spräche sich rum, dass es da einen Verein
       gebe, „der ist auch cool mit non-binären und trans Leuten. Geh' da doch mal
       hin.“ So kämen Leute mit unterschiedlichen Zielen zusammen. Der Sport sei
       dann eine Sache, die sie eint.
       
       ## Offene Angebote statt gegen etwas zu sein
       
       „Ich sehe uns nicht als explizit linkes Kampfsportgym.“ In Halle gäbe es
       zwar durchaus Verbindung zu gleichgesinnten Sportvereinen. Die Vernetzung
       mit anderen Vereinen passiere aber eher bundesweit. Und das gar nicht so
       sehr, weil man eine „Bubble“ (eine Blase) teile oder „gegen“ irgendjemanden
       sei, sagt Seitz. Sondern schlichtweg, weil sich die Angebote ähnelten.
       
       So treffe man andere Vereine auf Sportveranstaltungen, wo etwa auch „mixed
       gender fights“ angeboten werden. „Das ist schon eher unüblich, dass Männer
       gegen cis Frauen oder trans Personen kämpfen. Dann sehen wir da schon immer
       die gleichen Leute.“ Die ähnliche Gesinnung entstehe also nicht darüber,
       „gegen rechts“ zu sein, sondern andersrum darüber, für bestimmte Angebote
       offen zu sein. Der kleinste gemeinsame Nenner sei, keine Diskriminierung im
       eigenen Verein zu erleben. Das sei in Ostdeutschland keine
       Selbstverständlichkeit.
       
       ## Sport eint
       
       Und doch gebe es im Moment auch Unterschiede zu sonst. „Unbehagen ist bei
       allen da vor dieser Wahl“, meint Seitz. Er habe das Gefühl, rechte Akteure
       könnten sich immer mehr zeigen, auch in Halle. „Ich bin froh, dass unser
       Verein nicht finanziell auf öffentliche Mittel angewiesen ist.“ Manche
       Hallenser Vereine und Initiativen nennt die AfD in ihrem Wahlprogramm sogar
       namentlich – und [1][will deren Förderungen streichen, falls sie nach
       September in Sachsen-Anhalt regieren sollte.]
       
       Auch, weil Sport- und Jugendeinrichtungen etwas gegen demokratiegefährdende
       Parteien wie die AfD bewegen könnten, glaubt Seitz: „Vereine aktivieren
       Leute, sich einzubringen.“ Dafür lobt er auch sein Kampfsportgym: „Wenn du
       dich engagieren möchtest, musst du dich nicht in einer Hierarchie
       hochkämpfen. Wir sind happy über alle Leute, die den Austausch suchen.“
       
       11 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /AfD-Sachsen-Anhalt-gegen-Rundfunk/!6159687
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Adam Schwedhelm
       
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