# taz.de -- Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: Vom Ich zum Wir
> Kirche, Kneipe und Konsum-Markt sind in vielen Orten verschwunden. Antje
> Kesten will mit einem Ersatz neue Begegnungen schaffen: ihrer
> Wunschmaschine.
(IMG) Bild: Plakatkampagne aber in schön und selbstgemacht von der Wunsch-Visualisierungs-Maschine 26
Aus dem über zwei Meter hohen Holzkasten ragen Kabel. Ein Rohr ist daran
angebracht, ein Tisch, ein paar Haken. Antje Kesten und Anett Simon haben
zusammen mit weiteren Aktiven aus der Region eine
Wunsch-Visualisierungs-Maschine gebaut und touren mit ihr von
Supermarktparkplatz zu Wochenmarkt, von Festival zu Flohmarkt zu
Bushaltestelle. Quer durch Mecklenburg-Vorpommern. Es ist ihr Beitrag zur
[1][Landtagswahl am 20. September].
Die Maschine funktioniert eigentlich ganz einfach: Man gibt einen Wunsch
hinein, die Maschine „beleuchtet“ ihn gemeinsam mit dem oder der
Wünscher*in und am Ende wird der überarbeitete Wunsch auf Papier
ausgegeben, sodass die Person ihn mit nach Hause nehmen kann. Zusätzlich
laden Kesten und Simon dazu ein, die Wünsche bei Workshops gemeinsam auf
Plakate zu drucken und am Ort der Wunschabgabe aufzuhängen.
Antje Kesten ist studierte Landschaftsarchitektin. Mit ihrem Ehemann führt
sie die [2][Scheune Krebsow] mit einem kleinen Dorfladen, einem Café und
offenen Werkstätten. Es gibt Ausstellungen, Tanz und Kino. Zur Scheune
gehört auch das Atelier zwo.7, das Kesten mit Anett Simon betreibt. Kinder
und Erwachsene können sich in der Keramikwerkstatt des Ateliers
ausprobieren, man kann malen, drucken, zeichnen, buchbinden.
Kesten und Simon wollen damit nicht nur Kreativität fördern, sondern
gleichfalls soziale Kompetenz und Miteinander. Um auch Menschen an anderen
Orten in Mecklenburg-Vorpommern zu erreichen, die nicht nach Krebsow
kommen, haben sie sich die Wunsch-Visualisierungs-Maschine ausgedacht. „Wir
wollen gerade in diesen Tagen Menschen mit Humor, aber auch Ernsthaftigkeit
zusammenbringen, mit sich selbst und anderen in Kontakt bringen“, sagt
Kesten der taz am Telefon. Der erste Schritt sei dabei „wertfreies
Zuhören“.
Kinder, erzählt Kesten, wünschen sich oft Konkretes wie eine Katze oder
einen Fußball. Mittels der Maschine – und im Dialog mit den Wünschenden –
arbeiten Kesten und Simon dann heraus, was dahinter steckt. Eine Katze?
Vielleicht der Wunsch nach Nähe, Zuneigung, Geborgenheit. Fußball?
Vielleicht gemeinsame Begeisterung. Indem die Macherinnen die Menschen
erzählen lassen, unterstützen sie sie, sich selbst zu erforschen.
„Ganz unterschiedliche Menschen – das ist der Clou – haben ganz ähnliche
Wünsche“, sagt Kesten. Zum Beispiel Sicherheit. Oder Gesundheit. Oder
Frieden. „Oft fangen sie bei sich selbst an und landen dann auf der
gesellschaftlichen Ebene.“
Kesten und Simon wollen keine schnellen Lösungen anbieten, sondern erst
einmal ganz vorne anfangen: Orte schaffen, an denen Menschen zusammenkommen
und darüber nachdenken, was sie sich eigentlich wünschen. „Die drei Ks:
[3][Konsum, Kirche, Kneipe] gibt es in den meisten Dörfern nicht mehr.“ An
diesen Orten kamen früher ganz automatisch unterschiedliche Menschen
zusammen und ins Gespräch. Doch nach und nach wurden immer mehr dieser
Räume geschlossen. „Deshalb redet man nicht mehr miteinander“, sagt Kesten.
Und das entfremdet.
Die Wunsch-Visualisierungs-Maschine soll damit brechen. Auf humorvolle Art.
Sie hat vier Abteilungen: Wunschannahme, Wunschbeleuchtung,
Visualisierungsunterstützung und Wunschausgabe. „Man kann das gar nicht
richtig ernst nehmen“, sagt Kesten. Humor als Brücke – und dann kommt doch
etwas Ernstes heraus.
Auch wenn Kesten und Simon keine Lösungen anbieten: Gemeinsam mit den
Menschen vor Ort überlegen sie, wie ihre Wünsche vielleicht verwirklicht
werden können. Ein Beispiel: „Das Bedürfnis nach Sicherheit kann man über
das Miteinander herstellen“, sagt Kesten. „In einem Dorf muss man doch
zusammenhalten.“ Wenn sie helfen könnten, diesen Gedanken wieder zu
stärken, wäre das ein gutes Ergebnis ihrer Arbeit.
20 Sep 2026
## LINKS
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(DIR) [2] https://scheune27krebsow.de/
(DIR) [3] /Gaststaettensterben-auf-dem-Land/!6033035
## AUTOREN
(DIR) Johanna Treblin
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