# taz.de -- Geflüchtete in Mecklenburg-Vorpommmern: „Den Menschen zeigen, dass sie nicht allein sind“
> Zainab Delijam besucht Unterkünfte für Geflüchtete in
> Mecklenburg-Vorpommern und kämpft für Frauenrechte in Afghanistan.
(IMG) Bild: Zainab Delijam hat sich der Karawane „We'llcome united“ angeschlossen
„Als ich ankam, habe ich immer alle Leute angelacht auf der Straße“,
erzählt Zainab Delijam von ihrer Ankunft in Torgelow: „Mein Lächeln wurde
jedoch nie erwidert, und so hörte ich nach kurzer Zeit wieder damit auf.“
Die Kleinstadt im Landkreis Vorpommern-Greifswald, der sie und ihre Familie
nach ihrer Flucht zugewiesen wurden, sei schön, aber viele der Menschen
würden große Unzufriedenheit ausstrahlen.
Die für Geflüchtete zuständige Frau im Rathaus Torgelow habe von ihr
erwartet, Deutsch zu sprechen, berichtet die 26-Jährige. Ansonsten solle
sie sich doch selbst um eine Dolmetscher*in kümmern. Erst einen Tag
zuvor war sie aus Kabul kommend am Hamburger Flughafen gelandet.
Heute, drei Jahre später, begleitet die junge Frau die Karawane von
[1][We’llcome United, einem Bündnis von Migrant*innen, Geflüchteten und
Unterstützer*innen,] und zwar als Dolmetscherin für die Sprachen Deutsch,
Englisch und Persisch. Sie wohnt immer noch in Torgelow und will Soziale
Arbeit studieren, um anderen die Teilhabe zu erleichtern. Dass sie es so
weit geschafft hat, verdankt sie nicht den deutschen Behörden, sondern in
erster Linie Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Ihre
afghanischen Nachbar*innen seien die Einzigen gewesen, die ihre Familie
nach der Ankunft unterstützt hätten. „Weil es ihnen genauso ging, als sie
kamen“, erklärt Delijam.
Drei Wochen vor der Landtagswahl tourte die Initiative [2][We’llcome]
United eine Woche lang durch Mecklenburg-Vorpommern und besuchte
Unterkünfte für Geflüchtete. „Es geht darum, den Menschen zu zeigen, dass
sie nicht allein sind, dass es Menschen gibt, die sie unterstützen und vor
allem, dass sie selbst aktiv werden können“, erklärt Delijam. Die meisten
Geflüchteten – sie selbst eingeschlossen – würden ohne solche Angebote kaum
mitbekommen, wie viele Menschen sich in Deutschland für die Rechte von
Geflüchteten einsetzen. Für sie selbst sei es das erste Mal in drei Jahren
gewesen, dass sie gleich mehreren Deutschen begegnet sei, die
Migrant*innen gegenüber freundlich auftreten.
## Angst wegen deutscher Abschiebepolitik
Auch wenn sie gehofft hatte, in Deutschland deutlich besser behandelt zu
werden, sind ihr Rassismus und Diskriminierung nicht fremd. Delijam gehört
zur Volksgruppe der [3][Hasara], einer schiitischen Minderheit, die in
Afghanistan seit Jahrhunderten Verfolgung erlebt – in den vergangenen
Jahrzehnten maßgeblich durch die Taliban.
Rassismus bis hin zur Angst um das eigene Leben habe schon früh ihren
Alltag geprägt, denn im Fokus der Terroristen stünden junge Menschen. „Wenn
ich mein Haus verlassen habe, um zur Schule zu gehen, wusste ich nicht, ob
ich wieder zurückkehren würde“, berichtet sie. Erst im August gab es einen
[4][Anschlag auf eine Schule in Kabul] und [5][Pro Asyl] berichtet von
massiven Menschenrechtsverletzungen unter der Herrschaft der Taliban.
Heute in Deutschland zu sein und solche Nachrichten zu lesen, hinterlässt
sie mit gemischten Gefühlen. Sie spüre Scham, weil sie hier verhältnismäßig
sicher sei, während andere in Afghanistan unter dem Taliban-Regime leiden.
Sie spüre Angst, weil Deutschland vermehrt nach Afghanistan abschiebt und
mittlerweile [6][Taliban in Berlin in der Botschaft willkommen heißt].
Was sie jedoch auch spüre, sei Stolz darüber, Hasara zu sein. Im Gespräch
betont Delijam die besondere Resilienz und Kraft der Volksgruppe. Trotz
Verfolgung und struktureller Diskriminierung würde sie sich für
Menschenrechte und Freiheit einsetzen. Delijam selbst beteiligte sich an
der online-Kampagne #StopHazaraGenocide und kämpft für eine Anerkennung des
Leids der Hasara in Afghanistan. Sie tritt damit in die Fußstapfen ihrer
Mutter, die in Afghanistan die [7][Empowered Women Organization] gründete,
eine Organisation für weibliche Selbstbestimmung.
Es fällt ihr schwer zu sagen, was ihr angesichts des Rechtsrucks in
Deutschland und des islamistischen Regimes in Afghanistan Hoffnung gebe. Am
Ende seien es die guten Menschen, die sie kennenlernen durfte bei der
Karawane und in der Nachbarschaft. Menschen, die sich in Deutschland dem
Rechtsruck widersetzen und in Afghanistan für Frauenrechte kämpfen und
gegen alle Widrigkeiten zusammenstehen.
18 Sep 2026
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(DIR) [5] https://www.proasyl.de/wp-content/uploads/PolicyPaper_Afghanistan_final.pdf
(DIR) [6] /Zugestaendnisse-an-Taliban/!6189670
(DIR) [7] https://m.facebook.com/ewo2014/
## AUTOREN
(DIR) Timo Krügener
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