# taz.de -- AfD, BSW und die Wahlen im Osten: Die Linke als Stabilitätsanker
> Höcke lockt Wagenknecht zur Zusammenarbeit in Thüringen und treibt damit
> einen Keil in das BSW. Die CDU täte gut daran, sich um die Linke zu
> bemühen.
(IMG) Bild: Ein Anker in der Not, ein Fels in der Brandung, ein Bollwerk gegen Rechts: die Linke im Osten
Da hat Thüringens AfD-Chef Björn Höcke einen Punkt: Wenn Sahra Wagenknecht
und ihre Partei dazu bereit sind, in Sachsen-Anhalt mit der AfD
zusammenzuarbeiten – warum dann nicht auch in Thüringen? Deshalb macht er
ihr ein vergiftetes Angebot: Wagenknecht könne in Thüringen sogar
Ministerpräsidentin werden, wenn sie es wolle, denn rein rechnerisch haben
AfD und BSW dort zusammen im Landtag eine Mehrheit.
Höcke weiß natürlich, dass Thüringens [1][BSW-Landeschefin Katja Wolf], die
dem BSW einst beigetreten ist, um die Regierungsbeteiligung der
Rechtsextremen zu verhindern, dazu nicht bereit ist. Aber mit seinem
Vorstoß treibt Höcke einen Keil in die Partei, deren Spitze die Brandmauer
zur AfD offen ablehnt. Wagenknecht hat Höckes Idee zwar prompt
zurückgewiesen.
Zugleich aber macht sie keinen Hehl daraus, dass sie die Koalition ihrer
Partei in Thüringen mit SPD und CDU ablehnt und [2][Ministerpräsident Mario
Voigt] (CDU) gern stürzen würde, wenn sie könnte. Nur hat sie ihren
Thüringer Landesverband nicht im Griff, was sie unumwunden zugibt. Nicht
auszuschließen ist aber, dass sich einige BSW-Abgeordnete in Thüringen nun
von ihrer Landeschefin abwenden und die bundesweit einmalige
„Brombeer-Koalition“ aus CDU, BSW und SPD zerbröselt.
Voigt ist ohnehin unter Druck und seine Regierung hat im Landtag schon
jetzt keine Mehrheit. Er kann sich bei der Linken bedanken, dass sie seiner
Regierung, wenn es drauf ankommt, zur nötigen Mehrheit verhilft – so, wie
es die Linke auch in Sachsen macht, wo CDU-Ministerpräsident Michael
Kretschmer ebenfalls keine Mehrheit im Landtag hat. Auch in Sachsen-Anhalt
dürfte die CDU nach der Wahl auf die Linke angewiesen sein.
Die Linke ist im Osten Deutschlands ein Stabilitätsanker. Sie hat auch
keine Alternative zu dieser Rolle, will sie eine Regierungsbeteiligung der
AfD verhindern. Dass dieses Ziel Vorrang hat, darüber herrscht in der
Linken breiter Konsens. Die CDU sollte sich dafür aber allmählich
erkenntlich zeigen und ihr [3][Linken-Bashing] einstellen. Denn
selbstverständlich ist das Entgegenkommen der Linken nicht. Es sollte
seinen Preis haben.
13 Aug 2026
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(DIR) Daniel Bax
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