# taz.de -- Onlinetools für politische Bildung: Klicken, bis die Wahl kommt
       
       > Der Wahl-O-Mat zur Berlin-Wahl ist am Montag online gegangen – nur leider
       > ohne Übersetzung. Besser macht es der „Party Check“ der Uni Potsdam.
       
 (IMG) Bild: Fast alle 100 Prozent: Kristin Brinker (AfD), Lukas Krieger (CDU), Steffen Krach (SPD), Werner Graf (Grüne) und Elif Eralp (Linke)
       
       Welche Partei würde [1][Steffen Krach] wählen? Die Antwort des Wahl-O-Maten
       ist eindeutig. „98,9 Prozent SPD“, verkündet der Spitzenkandidat der
       Sozialdemokraten freudig und schiebt erklärend hinterher: „Man muss ja
       nicht immer hundert Prozent mit seiner Partei einer Meinung sein.“
       
       Zum offiziellen Start des Wahl-O-Maten am Montag hatte die Landeszentrale
       für politische Bildung sämtliche Spitzenkandidaten eingeladen, um das Tool
       zu testen. Bis auf Stefan Evers, der sich durch Berlins CDU-Generalsekretär
       Lukas Krieger vertreten ließ, sind alle der Einladung gefolgt.
       
       Der Wahl-O-Mat ist als niedrigschwellige Entscheidungshilfe für Landtags-
       und Bundestagswahlen fest etabliert. Die [2][anstehende Wahl zum Berliner
       Abgeordnetenhaus am 20. September] ist da keine Ausnahme. Nutzer:innen
       können ihre Zustimmung zu 38 Thesen aus verschiedenen Themenbereichen
       angeben. Am Ende errechnet die Anwendung, mit welcher Partei sie am meisten
       übereinstimmen.
       
       „Es ist ein sehr massentaugliches Tool“, sagt Projektleiterin Melike Cina.
       Bei der Berlin-Wahl 2021 habe es über eine Million Nutzungsanfragen
       gegeben. Das Erfolgsrezept des Wahl-O-Maten sei, die Wahlprogramme der
       Parteien auf ihre Unterschiede zu reduzieren und die Positionen spielerisch
       zu vermitteln. „Ganz einfach gesagt: Er macht Spaß“, sagt Cina. Das wisse
       man aus Evaluationen des Tools.
       
       Entstanden sind die Thesen in einem dreitägigen Workshop mit 20 Berliner
       Jugendlichen aus allen Stadtteilen. Unterstützt wurden sie von
       Expert:innen und der Uni Düsseldorf. Ausschlaggebend für das Ergebnis
       sind die Stellungnahmen der einzelnen Parteien. Neben den Antwortoptionen
       „Stimme zu / Neutral / Stimme nicht zu“ konnten die Parteien zu jeder Frage
       einen kleinen Erklärungstext mitschicken.
       
       ## Nicht alle Themen abgedeckt
       
       Die Erfahrung, dass bei aller Niedrigschwelligkeit auch etwas Komplexität
       verloren geht, musste auch der Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf machen.
       „Die Frage nach der Grundwasserversorgung Berlins ist gar nicht
       vorgekommen, das finde ich ein bisschen schade.“ Wegen des Endes des
       Braunkohletagebaus in der Lausitz müsse sich Berlin in den kommenden fünf
       Jahren dringend Gedanken machen, wie ausreichend Grundwasser gewonnen
       werden kann. Ein Problem, das im Wahlkampf bislang kaum Thema sei.
       
       Auch eine weitere Schwachstelle des Wahl-O-Maten wurde dieses Jahr nicht
       behoben: Eine englische oder türkische Übersetzung fehlt, ebenso eine
       Version in leichter Sprache. „Wenn die Thesen übersetzt werden, verändert
       sich auch ihre Konnotation“, erklärt Cina. Dadurch würde sich auch das
       Antwortverhalten der Nutzer:innen verändern. Auch könnten die
       Erklärtexte der Parteien nicht einfach ohne Genehmigung der Parteien
       übersetzt werden. Zeit für eine weitere Rückkopplungsrunde gebe es nicht.
       
       Allerdings gibt es mittlerweile eine ganze Reihe ergänzender Angebote, die
       unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte setzen oder andere methodische
       Herangehensweisen verfolgen. Der schon [3][vor einigen Wochen online
       gegangene „Sozial-O-Mat“] der Diakonie fokussiert sich auf soziale
       Fragestellungen. Und der [4][„Real-O-Mat“] des Vereins [5][Frag den Staat]
       nutzt statt der Selbsteinschätzung das Abstimmungsverhalten der Parteien
       als Grundlage für die Antworten.
       
       ## Wahl-O-Mat für Erststimme
       
       [6][Den „Party-Check“], ein Projekt der Uni Potsdam, gibt es auch auf
       Englisch und Türkisch. Hier basieren die Antworten ebenfalls nicht auf den
       Selbstangaben der Parteien, sondern auf der Einschätzung von
       Politikwissenschaftler:innen.
       
       Der [7][„Kandidierendencheck“] des Portals Abgeordnetenwatch wiederum will
       ein Wahl-O-Mat für die Erststimme sein. Nach Angabe der Postleitzahl lassen
       sich hier die Positionen der Direktkandidaten unter die Lupe nehmen. Doch
       der Verein klagt unter mangelnder Mitwirkung: Nur 70 Prozent der
       Kandidierenden hätten bisher Stellung bezogen, teilt Abgeordnetenwatch am
       Montag mit. Besonders faul sei die CDU: Nur 45 Prozent der Direktkandidaten
       hätten sich bislang positioniert.
       
       24 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [6] https://tool.party-check.org/index.php/berlin?lang=en
 (DIR) [7] https://www.kandidierendencheck.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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