# taz.de -- Zu Besuch beim Putin-Freund Vučić: Die Opferung Kosovos
> Selenskyj besucht erstmals seinen serbischen – und russlandnahen –
> Amtskollegen in Belgrad. Das zeigt: Die Gemengelage im Ukrainekrieg
> verändert sich.
(IMG) Bild: Selenskyj bei seinem allerersten Besuch in Serbien bei Vučić am 8. August
Am Samstag tat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj etwas zum
allerersten Mal: Er besuchte [1][seinen serbischen Amtskollegen Aleksandar
Vučić] in Belgrad – einen Putin-Freund. Serbien hat sich den westlichen
Sanktionen gegen Russland nicht angeschlossen und behielt trotz des
Angriffskriegs auf die Ukraine seine guten Beziehungen zu Moskau bei.
[2][Das Westbalkanland] ist zudem erklärter Gegner der Nato und stattdessen
Beobachter im von Russland geführten Verteidigungsbündnis OVKS.
Doch angesichts der [3][anhaltenden russischen Angriffe] bemüht sich
Selenskyj um weitere Unterstützung. Vučić versucht wiederum, seine
Beziehungen mit der EU zu verbessern, da er innenpolitisch unter Druck
steht und sein Verbündeter auf EU-Ebene, der frühere ungarische Premier
Viktor Orbán, weg vom Fenster ist.
Das Ergebnis des Treffens: Bis Ende des Jahres soll ein Freihandelsabkommen
finalisiert werden, bei der Ernährungs- und Energiesicherheit möchte man
zusammenarbeiten, ebenso bei der EU-Integration. Eine militärische
Kooperation sei hingegen kein Thema, stellte Vučić klar. Auch für ihn ist
das Vorgehen heikel: Serbien ist abhängig vom russischen Gas.
## Ein Verbündeter in der Kosovo-Frage
Ein großes Opfer bedeutet das Treffen hingegen für Kosovo, das stets seine
Solidarität mit der überfallenen Ukraine bekundet hatte. Belgrad akzeptiert
die Unabhängigkeit der Kosovaren nicht. Zwar hat Serbien dabei fünf
EU-Länder auf seiner Seite, die EU-Kommission stellt hingegen klar, dass
die Normalisierung der Beziehungen zu Kosovo eine Bedingung für eine
serbische EU-Mitgliedschaft ist.
Auch die Ukraine sieht Kosovo als Teil Serbiens und bekräftigte dies bei
dem Treffen indirekt. Im Gegenzug erkenne Serbien an, dass die von Russland
besetzten Gebiete zur Ukraine gehören. Damit wird die Ukraine für Serbien
ein fester und wichtiger Verbündeter in der Kosovo-Frage, was wiederum
Belgrad mehr Verhandlungsmacht gegenüber Brüssel im Beitrittsprozess geben
könnte – zulasten Pristinas und der kosovarischen Unabhängigkeit.
9 Aug 2026
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(DIR) Eva Fischer
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