# taz.de -- Machtkampf in Serbien: Vučić kündigt vorgezogene Parlamentswahl für Oktober an
       
       > Nach rund anderthalb Jahren Protesten steht der serbische Präsident so
       > unter Druck, dass er neu wählen lässt. Er könnte dennoch an der Macht
       > bleiben.
       
 (IMG) Bild: Vučić während einer Kundgebung seiner Regierungspartei: Ursprünglich sollte im Dezember 2027 gewählt werden
       
       rtr | Nach den ‌regierungskritischen Protesten steht Serbien ‌vor
       vorgezogenen Neuwahlen im Oktober. Präsident Aleksandar Vučić nannte am
       Donnerstagabend in einer Ansprache im Fernsehen den 18. oder den 25.
       Oktober als Termin. Der Populist [1][hatte am 27. Juni nach rund anderthalb
       Jahren regierungskritischer Proteste erklärt, er werde innerhalb von
       einigen Wochen zurücktreten, um den Weg für vorgezogene Parlaments- und
       Präsidentschaftswahlen freizumachen]. Nun nannte er erstmals mögliche
       Termine. Wann ‌er sein Amt niederlegen will, um die Neuwahl des Präsidenten
       auszulösen, ließ er am Donnerstag aber weiter offen. Vučić ist seit zwölf
       Jahren als Präsident oder Ministerpräsident an der Macht. Serbien ist
       EU-Beitrittskandidat, hält jedoch auch [2][enge Beziehungen zu Russland]
       und China.
       
       Vučić sagte am Donnerstag, das genaue Datum für die Parlamentswahl werde in
       den kommenden Tagen bekanntgegeben. Ursprünglich war die Wahl für Dezember
       2027 angesetzt. Analysten zufolge könnte Vučić bei einem Wahlsieg seiner
       Partei das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen. Damit würde sich ein
       langjähriger Trend fortsetzen, wonach ‌die Macht in Serbien immer bei Vučić
       liegt – unabhängig von seinem offiziellen Titel.
       
       Vor einem [3][Beitritt zur Europäischen Union] muss Serbien nach Angaben
       aus Brüssel seine Rechtsstaatlichkeit verbessern, wozu auch die
       ⁠Bedingungen für freie und faire Wahlen gehören. Zudem müssten Korruption
       und organisierte Kriminalität bekämpft sowie die Außenpolitik an die der
       Staatengemeinschaft angepasst werden.
       
       ## Von Studenten angeführte Demonstrationen
       
       Die Opposition wirft Vučić und seinen Verbündeten Gewalt gegen politische
       Gegner, ‌grassierende Korruption, Verbindungen zur ‌organisierten
       Kriminalität und Unterdrückung der Medienfreiheit vor. Vučić und seine
       ⁠Anhänger weisen das zurück.
       
       Auslöser für die Proteste im Land war der Einsturz eines Vordachs an einem
       Bahnhof in der nordserbischen ‌Stadt Novi Sad im November 2024, bei dem ‌16
       Menschen starben. In der Folge gab es immer wieder vorrangig von Studenten
       angeführte Demonstrationen, die sich unter anderem gegen Korruption
       richteten.
       
       21 Aug 2026
       
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