# taz.de -- Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: CDU und Linkspartei müssen draußen bleiben
       
       > Erst ein-, dann ausgeladen: RTL/ntv will eine TV-Debatte zur Landtagswahl
       > ohne CDU und Linke durchführen. Die sehen hinter der Ausladung die SPD am
       > Werk.
       
 (IMG) Bild: „Inakzeptabler Vorgang“: CDU-Landeschef und -Spitzenkandidat Daniel Peters
       
       Es kommt selten vor, dass CDU und Linkspartei in Mecklenburg-Vorpommern
       einer Meinung sind. Aber manche Ereignisse schweißen zusammen. So spricht
       Daniel Peters, der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in sechs
       Wochen, von einem „inakzeptablen Vorgang“. Und Linken-Landeschef Hennis
       Herbst stimmt ausnahmsweise zu: „Da werde ich grundsätzlich. Das geht gar
       nicht.“
       
       Der Vorgang, der so gar nicht geht, ist in erster Linie ein recht
       unfreundlicher Akt: Beide Parteien wurden von der Sendergruppe RTL/ntv und
       dem kooperierenden Radiokanal Ostseewelle Anfang Juni zu einer
       Fernsehdebatte im Vorfeld der Wahl am 20. September erst schriftlich
       eingeladen – und nun, zwei Monate später, ebenfalls schriftlich wieder
       ausgeladen. Ohne Begründung.
       
       Wie RTL/ntv auf taz-Nachfrage bestätigt, wird es im September jetzt nur
       noch ein Duell zwischen SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und
       AfD-Herausforderer Leif-Erik Holm geben, den Kandidat:innen der beiden
       in Umfragen führenden Parteien also. Daniel Peters von der oppositionellen
       CDU und Simone Oldenburg, die Spitzenkandidatin der in Schwerin seit fünf
       Jahren mit der SPD regierenden Linken, müssen draußen bleiben.
       
       So weit, so unerfreulich für die Ausgeladenen. Wäre da nicht zusätzlich ein
       schwerer Vorwurf. Das unmittelbare Umfeld von Schwesig soll demnach in
       ihrem Auftrag nachdrücklich bei RTL/ntv und Ostseewelle interveniert haben,
       um eine Viererrunde zu verhindern. Schwesig, so die kolportierte Drohung,
       trete im Duell gegen AfD-Mann Holm an – oder gar nicht. Wenn die Sender die
       Regierungschefin mit dabei haben wollten, dann nur ohne „die Zwerge“ von
       Linkspartei und CDU.
       
       ## Schwesigs Strategie: Ich oder die AfD
       
       Exakt so sei es ihnen von bei den Sendern mit dem Vorgang betrauten
       Personen zugetragen worden, sagen Daniel Peters von der CDU und Hennis
       Herbst von der Linken unabhängig voneinander. Schriftlich belegen können
       sie ihren Vorwurf nicht. Aber er passt ins Bild.
       
       Regierungschefin Schwesig [1][setzt seit Langem auf einen
       Zuspitzungswahlkampf mit der extremen Rechten]: Ich oder die AfD,
       Stabilität oder Niedergang, die Demokratie, das bin ich, Manuela Schwesig.
       Gut möglich, dass ihre Strategie am 20. September aufgeht. Gut möglich aber
       auch, dass dabei die potenziellen Koalitionspartner der SPD unter die Räder
       kommen.
       
       Nicht zuletzt für die oppositionelle CDU droht es ungemütlich zu werden.
       Die Konservativen – viele Jahre Regierungspartei in Mecklenburg-Vorpommern
       – sind in der letzten Umfrage auf 9 Prozent abgerutscht. Spitzenkandidat
       Peters macht die öffentliche Zuspitzung auf einen Zweikampf SPD gegen AfD
       [2][dafür mindestens mitverantwortlich].
       
       Der Ministerpräsidentin gehe es mit ihrer Strategie allein um den
       Machterhalt, ohne Rücksicht auf Verluste und mögliche Kollateralschäden.
       „Manuela Schwesig will nicht die Demokratie retten, Manuela Schwesig will
       Manuela Schwesig retten“, sagt Peters zur taz. Dabei biete die
       Regierungschefin „der AfD ganz bewusst großen medialen Raum“. Mehr noch:
       „Sie stärkt damit die AfD.“
       
       Hennis Herbst von Schwesigs linkem Koalitionspartner formuliert es
       diplomatischer: „Indem man dafür sorgt, dass Linke und CDU ausgeladen
       werden, gibt man letztlich nur der AfD mehr Sendezeit.“ Das mag im
       Interesse der Zuspitzung sein. „Der demokratischen Auseinandersetzung
       bringt das aber nichts“, so Herbst zur taz.
       
       ## RTL/ntv spricht von redaktioneller Abwägung
       
       Die beiden Parteien sollen sich mal etwas locker machen, heißt es sinngemäß
       von Lilly Blaudszun, der Leiterin der SPD-Wahlkampf-Kommunikation von
       Manuela Schwesig. „Jeder Sender entscheidet über sein Format selbst.“ Und
       Schwesig habe bei RTL/ntv und Ostseewelle nun mal „für ein Kandidatenduell
       zugesagt“, teilt Blaudszun knapp mit.
       
       Auch RTL/ntv verweist auf die redaktionelle Unabhängigkeit. Die
       Sendergruppe habe zunächst lediglich „unterschiedliche Konstellationen
       geprüft“, darunter „eine größere Runde“ mit den Spitzen von SPD, AfD, CDU
       und Linken. Dann habe man sich „nach weiterer redaktioneller Abwägung“ aber
       entschieden, das Format als Duell Schwesig gegen Holm umzusetzen – und zwar
       aus eigenen Stücken.
       
       „Versuche, inhaltlich Einfluss zu nehmen, gab es weder von der
       Landesregierung noch von der SPD“, weist eine Sprecherin den Vorwurf von
       CDU und Linken zurück. Und weiter: „Ausschlaggebend für die Zuspitzung auf
       ein Duell waren die aktuellen Umfragewerte sowie die bundesweite
       Ausrichtung der Berichterstattung von RTL und ntv.“
       
       Auch für Sachsen-Anhalt, wo bereits am 6. September ein neuer Landtag
       gewählt wird, hat RTL/ntv übrigens [3][eine 90-minütige „Wahlarena“
       angekündigt]. Umfragewerte scheinen hier eher zweitrangig zu sein. Vier
       Tage vor der Wahl werden sich live bei ntv nicht nur CDU-Ministerpräsident
       Sven Schulze und der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund „zum
       entscheidenden Schlagabtausch“ live begegnen. Auch die „Zwerge“ von SPD,
       Linken, Grünen, FDP, und BSW dürfen fleißig mitdiskutieren.
       
       10 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /SPD-in-Mecklenburg-Vorpommern/!6186915
 (DIR) [2] /CDU-Chef-Daniel-Peters-Die-Linkspartei-ist-ein-Fall-fuer-den-Verfassungsschutz/!6180502
 (DIR) [3] https://media.rtl.com/meldung/Mit-Spitzentalk-und-Wahlsondersendung-RTL-und-ntv-informieren-umfassend-zur-Landtagswahl-in-Sachsen-Anhalt/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rainer Rutz
       
       ## TAGS
       
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