# taz.de -- Niedrigwasser in deutschen Flüssen: BUND kritisiert Aussetzung von Lkw-Fahrverbot
> Schiffstransport dürfe nicht wegen Niedrigwasser durch mehr Lkw-Fahrten
> ersetzt werden, warnt die Umweltorganisation. Die Industrie begrüßt
> dagegen die Lockerung.
(IMG) Bild: Deutlich ist der Rückgang des Wasserstandes am Ufer des Flusses Oder zu sehen
afp | Die Aussetzung des Fahrverbots für Lastwagen an Sonn- und Feiertagen
in ersten Bundesländern hat für gemischte Reaktionen gesorgt. Die
Umweltorganisation BUND kritisierte die Maßnahme am Samstag scharf: Es sei
keine Lösung, wegen des [1][Niedrigwassers in Flüssen] „den
Schiffstransport jetzt durch Hunderte oder Tausende Lkw-Fahrten zu
ersetzen“, sagte Verbandschef Olaf Bandt der Rheinischen Post. Begrüßt
wurde der Schritt dagegen vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hatte am Donnerstag eine
Aussetzung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots ins Spiel gebracht, um
während des Niedrigwassers wichtige Güter zeitweilig vermehrt über die
Straße transportieren zu können. Erste Bundesländer setzten diesen Plan am
Freitag in die Tat um: Im Saarland und in Rheinland-Pfalz gilt die Ausnahme
ab sofort und bis spätestens Ende September, [2][in Niedersachsen bis Ende
August].
Die Aufhebung des Fahrverbots werde „Menschen und Klima“ belasten,
kritisierte BUND-Chef Bandt. „Die Regierung hat nicht verstanden, dass
niedrige Flusspegel ein Symptom der Klimakrise sind. Mit der Ausbaggerung
von Flussbetten oder mehr auf den Autobahnen lässt sich das Problem nicht
lösen.“ Wichtig seien vielmehr intakte Flusslandschaften für den
Wasserrückhalt in der Landschaft, was Niedrigwasser abmildern würde.
„Die Binnenschifffahrt muss an die Flüsse angepasst werden – nicht
umgekehrt“, sagte Bandt. Statt jetzt Lastwagen auch an Sonn- und Feiertagen
fahren zu lassen, müsse dafür gesorgt werden, „dass die
Schieneninfrastruktur zukünftig in der Lage ist, Engpässe der
Binnenschifffahrt besser aufzufangen“.
## Linke für Schiene
Kritik kommt auch von der Linken. Parteichef Luigi Pantisano sprach von
„Schnellschüssen“ – diese „wälzen das Problem auf die Lkw-Fahrer ab, die
ein Recht auf Ruhezeiten haben“. Pantisano sagte der Nachrichtenagentur
AFP: „Wir müssen die Binnenschiffer unterstützen und Güter kurzfristig auf
die Schiene bringen, statt mit mehr Lkw noch mehr Staus, Lärm und Schmutz
zu produzieren. So bekämpft die Bundesregierung Feuer mit Benzin.“
Der Linken-Chef verwies auf seinen Fünf-Punkte-Plan gegen [3][Wassermangel
in deutschen Flüssen]. Darin wird unter anderem die Errichtung von
Schwammlandschaften in Einzugsgebieten von Flüssen und ein
Privatisierungsverbot für Wasserbetriebe gefordert.
Verkehrsminister Bilger verteidigte hingegen die Lockerung des Fahrverbots.
Unternehmen bräuchten „jetzt diese Flexibilität“, sagte er im
Deutschlandfunk. Es gehe darum, zusätzliche Möglichkeiten zu schaffen. Der
CDU-Politiker nannte die Aussetzung aber nur einen Teil eines ganzen
Maßnahmenbündels, mit dem auf das Niedrigwasser reagiert werden soll. So
sollen vermeidbare Baustellen wegfallen, die Bahn zusätzliche Kapazitäten
für den Güterverkehr bereitstellen und die Sanierung einer Schleuse
aufgeschoben werden.
## BDI lobt Bundesregierung
Begrüßt wurde das Vorgehen vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI).
„Die Bundesregierung beweist in der aktuellen Extremsituation
Handlungsfähigkeit“, sagte Vize-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch der
Rheinischen Post. „Die Verlagerung von Gütern auf Schiene und Straße
während des Niedrigwassers kann die Auswirkungen abmildern und
Wertschöpfungsketten stabilisieren.“
Dies werde aber „die fehlenden Transportkapazitäten auf den Wasserstraßen
nicht vollständig auffangen“, warnte Lösch. Entscheidend bleibe die
Modernisierung der Infrastruktur. Dafür brauche es unter anderem höhere
Investitionen in klimaresiliente Verkehrsinfrastrukturen sowie schnellere
Planungs- und Genehmigungsverfahren.
Auf geteilte Reaktionen stieß die Lockerung des Fahrverbots bei den Grünen.
„Lkw nun noch mehr auf die Straßen zu schicken, ist falsch“, sagte die
Grünen-Klimapolitikerin Lisa Badum dem Tagesspiegel. Die Lösung bestehe
darin, die Klimakrise das ganze Jahr ernst zu nehmen. „Wir brauchen intakte
Flüsse als Priorität und eine hitzefeste Bahn.“
## Gemischte Gefühle bei Grünen
Der stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Andreas
Audretsch, hält die Lockerung hingegen für nachvollziehbar. „Dass solche
Maßnahmen notwendig sind, um Versorgungsengpässe zu vermeiden, zeigt, der
Schaden der Klimakrise für die Wirtschaft ist schon jetzt enorm“, sagte
Audretsch dem Tagesspiegel.
Die derzeit rekordträchtig niedrigen Pegelstände deutscher Flüsse stellen
die Binnenschifffahrt vor große Probleme, da die Schiffe deutlich weniger
Ladung transportieren können. Das erhöht die Transportkosten und belastet
vor allem Industriebranchen, die auf Massenguttransporte angewiesen sind.
8 Aug 2026
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