# taz.de -- Deutschland in der Krise: Alles nur Panikmache?
> Insbesondere Lobbyisten reden die Konjunkturlage derzeit schlecht. Doch
> nun gibt es Zahlen, denen zufolge es dieses Jahr bergauf geht.
(IMG) Bild: Boomender Export: Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro konnten deutsche Firmen im Juni 2026 ins Ausland verkaufen
Ist die [1][Wirtschaftslage] doch nicht so schlimm? Ist alles nur
Panikmache? Immerhin lief das Exportgeschäft zuletzt wieder auf Hochtouren.
Waren im Wert von 139,3 Milliarden Euro konnten deutsche Firmen im Juni ins
Ausland verticken, wie das Statistische Bundesamt am Freitag vermeldete.
Das ist im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Plus von 6,6 Prozent – und vor
allem ein neuer Rekord.
Der Grund für den Export-Aufschwung: Deutschland verkaufte in der ersten
Jahreshälfte besonders viel an seine Nachbarn innerhalb der EU. Gegenüber
dem Vorjahreszeitraum stiegen die Ausfuhren nach Frankreich, Österreich &
Co um 7,5 Prozent. Größter Einzelabnehmer von Waren made in Germany bleiben
aber die USA. Allein im Juni wurden dahin Waren im Wert von 12,1 Milliarden
Euro verschifft. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist das ein Minus von
lediglich 1,2 Prozent.
Solche Zahlen passen nicht so recht in das Bild, das derzeit von der
deutschen Wirtschaft gezeichnet wird. Von einem China-Schock 2.0 ist die
Rede, hohe Energie- und Arbeitskosten würden angeblich zur
Deindustrialisierung führen, Trumps Zölle und der Irankrieg der Industrie
den Rest geben.
„Dieses Jahrzehnt ist von Rezession und Stagnation geprägt. Das letzte
große Geschäftsjahr der deutschen Wirtschaft war 2019, seitdem verwalten
wir den Rückstand“, warnte vor einigen Tagen noch Arbeitgeberpräsident
Rainer Dulger. Wenn das so bleibe, seien die zwanziger Jahre für dieses
Land ein verlorenes Jahrzehnt. Deutschland brauche einen massiven Umbau.
## Mehr Aufträge für die Industrie
Doch nicht nur bei den Exportzahlen scheint es wieder bergauf zu gehen. Vor
allem verzeichnen die Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe wieder mehr
Aufträge. Das bedeutet, dass sie ihre Produktion ankurbeln. Die Industrie
verbuchte im Juni 3,1 Prozent mehr Aufträge als im Mai.
„Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich ungeachtet der
außenwirtschaftlichen Belastungen im vergangenen Quartal als recht
widerstandsfähig erwiesen“, heißt es zudem in einer Mitteilung des
Bundeswirtschaftsministeriums vom Freitag. Neben der Erholung im Baugewerbe
könne auch eine relative Verbesserung der Wettbewerbsposition bei den
energieintensiven Industrien in Deutschland im Vergleich zu den asiatischen
Konkurrenten eine Rolle gespielt haben.
Letztere seien aufgrund ihrer höheren Abhängigkeit von Energielieferungen
aus dem Nahen Osten stärker von Preiserhöhungen und Versorgungsengpässen
betroffen gewesen, so das Ministerium. „Die Umlenkung der Nachfrage auf
europäische und auch deutsche Lieferanten zeigt sich auch in dem Anstieg
der Auslandsumsätze der deutschen energieintensiven Industrien in den
vergangenen Monaten.“
Demnach stellten Industrie, Bau und Energieversorger zusammen im Juni 0,2
Prozent mehr her als im Vormonat. Besonders beachtlich dabei: Gerade die
[2][von Hiobsbotschaften geplagte Automobilindustrie] weitete im Juni ihre
Produktion aus. Sie wies ein Plus von 3,6 Prozent auf.
Beim Industrieverband BDI sieht man dennoch schwarz. Der Verband geht
derzeit von einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 0,6 Prozent aus.
Und das ist dem mächtigen Lobbyverein offenbar nicht genug. „Wir müssen auf
einen kräftigen und langfristigen Wachstumspfad kommen. Das erreichen wir
nur durch Strukturreformen, die die Wettbewerbsnachteile des Standorts
konsequent abbauen“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführerin Tanja Gönner.
## DGB macht mobil
So trommeln Lobbyverbände wie BDI und BDA seit Monaten für Maßnahmen wie
die Abschaffung des 8-Stunden-Tages oder das Aus der [3][Rente mit 63]. Das
sind Maßnahmen, die sich die Bundesregierung auf die Agenda gesetzt hat und
gegen die die Gewerkschaften bereits mobilisieren. Für den 26. September
rufen sie zu einem bundesweiten Aktionstag auf, um „ein deutliches Zeichen
für einen starken Sozialstaat, sichere Arbeitsplätze, gute
Arbeitsbedingungen und den Schutz von Arbeitnehmerrechten“ zu setzen, wie
der Deutsche Gewerkschaftsbund schreibt.
7 Aug 2026
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(DIR) Simon Poelchau
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