# taz.de -- Gewinneinbruch und Stellenabbau bei BMW: Perfide Strategie gegen Wirtschaftsdemokratie
       
       > BMW will Tausende Stellen abbauen. Für das Unternehmen muss das nicht
       > schlimm sein, doch es ist ein Angriff auf die Mitbestimmung der
       > Beschäftigten.
       
 (IMG) Bild: Will weltweit 8.000 Arbeitsplätze abbauen: Milan Nedeljković, Vorstandschef von BMW
       
       Die Inszenierung war ganz klassisch. Am Mittwoch teilt der Autobauer BMW
       mit, dass er weltweit 8.000 Stellen streichen will. Am Tag darauf verkündet
       er, [1][dass Umsatz und Gewinne wegbrächen], ergo sei klar, dass es gute
       Gründe für den Abbau gebe.
       
       Na toll, jetzt auch noch BMW, mag da manche:r denken. Hilfe, jetzt ist
       aber wirklich Krise! Dass ausgerechnet Arbeitsplätze in der Entwicklung
       wegfallen sollen, klingt dazu noch wie der Beweis, dass [2][die deutsche
       Autoindustrie auch die Transformation aufgibt].
       
       Aber stimmt das für BMW? Oder geht Vorstandschef Milan Nedeljković nur
       einen anderen Weg? Zunächst: Der Premiumhersteller verdient zwar aktuell
       rund ein Drittel weniger als vor einem Jahr – aber das sind nur
       Quartalszahlen, ist wenig aussagekräftig. Zugleich hat BMW erst kürzlich
       die Dividendenrendite angehoben, was vor allem für die Eigentümerfamilien
       Quandt/Klatten mehr als nur einen hübschen Zugewinn bedeutet. Geld ist also
       offenbar genug da.
       
       Deshalb lohnt ein genauerer Blick: Interessant ist, dass Nedeljković keine
       Werksschließungen angedroht hat, denn dort gilt die längst mit der IG
       Metall ausgehandelte Beschäftigungsgarantie. Und offenbar will BMW auch
       weiter produzieren.
       
       ## Was bedeutet das für Beschäftigte?
       
       Jetzt wird es spannend: Denn dann wird das Unternehmen auch weiterhin
       Forschung und Entwicklung brauchen – wo nun Tausende Stellen eingespart
       werden sollen. Aber das muss kein Widerspruch sein. Denn die Kompetenz
       lässt sich auch einkaufen.
       
       Um den Standort herum entstehen schon jetzt immer mehr agile, oft sogar
       stärker auf die Transformation der Mobilität fokussierte Unternehmen. Wenn
       große Autobauer auf diese zugreifen, kann das für einen schnelleren,
       ökologisch zukunftsträchtigen Umbau sogar hilfreich sein.
       
       Aber was bedeutet es für die Beschäftigten? Hier liegt der Knackpunkt. Denn
       es sieht so aus, als verfolge Nedeljković langfristig das Ziel, mit dem
       Umbau Mitbestimmung und damit Wirtschaftsdemokratie zu schwächen. Denn bei
       den kleinen Zukunftsfirmen gibt es haufenweise Betriebe mit null Anbindung
       an die Gewerkschaft, ohne Betriebsrat.
       
       Und die IG Metall wäre gar nicht unschuldig, wenn es BMW gelänge, so
       Arbeiter:innenmitbestimmung zu umgehen. Die Gewerkschaft hat
       nämlich ihre Organisierungsstrategie gerade erst neu strukturiert und setzt
       vor allem auf Abwehrkampf in den großen Betrieben. Die ungemein aufwendige
       Erschließung von neuen Branchen, Unternehmen und Zielgruppen hat die
       Gewerkschaft heruntergefahren. Das könnte BMW jetzt ausnutzen.
       
       Liebe IG Metall, man kann Fehler machen – aber man darf sich auch wieder
       besinnen.
       
       31 Jul 2026
       
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