# taz.de -- Reform der Altersvorsorge: Die Rente beginnt im Kinderzimmer
       
       > Das Bundeskabinett hat die „Frühstartrente“ beschlossen. Kinder ab 6
       > Jahren sollen monatlich 10 Euro für die private Altersvorsorge bekommen.
       
 (IMG) Bild: Früh übt sich, wer Rentner:in sein will: Kinder bekommen bald 10 Euro monatlich vom Staat
       
       Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die sogenannte [1][„Frühstartrente“]
       beschlossen. Sie soll als Startfinanzierung den Aufbau eines Kapitalstocks
       für die private Altersvorsorge fördern – und das bereits sehr früh im
       Leben. Ab dem 6. Geburtstag sollen Kinder monatlich 10 Euro vom Staat für
       ein Vorsorgedepot erhalten. Los gehen soll es mit dem Jahrgang 2020. Der
       Zuschuss soll dann bis zum 18. Lebensjahr fließen. Das Geld soll
       rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 ausgezahlt werden.
       
       Die Förderung fließt laut dem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums in
       ein Depot, das die Eltern für das Kind bei einer Bank eröffnen. Sie können
       zusätzlich eigenes Geld einzahlen. Für die Altersvorsorge stehen sogenannte
       Standarddepots zur Verfügung. Für diese gilt ein Kostendeckel: Die Gebühren
       dürfen ein Prozent der durchschnittlichen jährlichen Rendite nicht
       überschreiten.
       
       Wenn Eltern für ihr 6-jähriges Kind kein Depot einrichten, legt der Staat
       das Geld kollektiv an. Später lässt sich das Guthaben in ein individuelles
       Depot übertragen. Die Förderung geht für die Kinder auch bei Untätigkeit
       der Eltern also nicht verloren.
       
       Die staatlichen Zahlungen enden aber, wenn das Kind mit dem 18. Geburtstag
       die Volljährigkeit erlangt. Danach geht das Depot in die steuerlich
       geförderte private Altersvorsorge über, eine Weiterentwicklung der
       Riester-Rente, deren Besparung aber freiwillig ist. Das angesparte Geld ist
       frühestens ab dem 65. Geburtstag abrufbar.
       
       ## Linke warnen vor Casino-Rente
       
       „Mit der Frühstartrente geben wir jedem Kind in Deutschland ein
       Startkapital für die eigene Altersvorsorge“, erklärte Lars Klingbeil (SPD)
       am Mittwoch. Das sei ein „wichtiger Beitrag für eine bessere Altersvorsorge
       und mehr Chancengleichheit“. Wer den Kapitalmarkt schon „in jungen Jahre
       erlebt und positive Erfahrungen macht, entwickelt ein Verständnis für
       langfristiges Investieren und wird im Laufe des Lebens eher am Kapitalmarkt
       anlegen“, so Klingbeil.
       
       Die Linke hatte die Frühstartrente vor dem Kabinettsbeschluss kritisiert.
       Klingbeil wolle „Kinder an den Kapitalmarkt gewöhnen und verkauft das als
       große Rentenreform“, sagte Linken-Bundesgeschäftsführer Janis Ehling der
       Nachrichtenagentur AFP. „Kinder brauchen keine Casino-Rente, sondern die
       Gewissheit, dass sie nach einem langen Arbeitsleben einmal eine vernünftige
       gesetzliche Rente bekommen.“
       
       Die Einzahlungen in das Depot sollen steuerfrei sein, allerdings werden bei
       der späteren Auszahlung der Rente Steuern fällig.
       
       Die Frühstartrente schließt an das sogenannte Altersvorsorgereformgesetz
       an, dass zu Beginn dieses Jahres vom Bundestag beschlossen wurde und die
       sogenannte Riester-Rente weiterentwickelt. Nach diesem Gesetz fördert der
       Staat die private Altersvorsorge ab 2027 im Rahmen bestimmter Produkte.
       
       Im Unterschied zu früher dürfen dabei auch Produkte angeboten werden, die
       höhere Aktienanteile enthalten und damit auch höhere Renditechancen
       eröffnen. Damit steigt aber das Risiko, das eingezahlte Geld womöglich bei
       einer Krise am Aktienmarkt nicht mehr vollständig zu erhalten, wenn der
       Ruhestand beginnt. Renditeärmere Produkte sehen weiterhin eine Garantie des
       eingezahlten Geldes vor.
       
       ## Auch Kapitalrente soll bald kommen
       
       Eine aktuelle Studie der Universität Augsburg zur Riester-Reform kommt zu
       dem Schluss, dass die neuen kapitalmarktorientierten Altersvorsorgedepots
       die private Vorsorge zwar deutlich stärken könnten, die „Ergebnisse aber
       stark schwanken“, heißt es in einer [2][Mitteilung]. In einem Szenario
       kamen die Forscher:innen auf eine durchschnittliche reale monatliche
       private Zusatzrente von 724 Euro. In diesem Szenario erzielten aber 10
       Prozent der simulierten Fälle nur eine Rente von weniger als 237 Euro.
       
       Neben der Frühstartrente und der Reform der Riester-Rente plant die
       Bundesregierung ein drittes Projekt zur Förderung der privaten
       Altersvorsorge, die sogenannte „Kapitalrente“. Diese soll Teil der
       Rentenreform sein, für die ein Gesetzentwurf noch in diesem Jahr kommen
       soll. Mit der „Kapitalrente“ müssen die Beitragszahler:innen dann
       ebenso wie die Arbeitgeber:innen verpflichtend bis zu insgesamt 2
       Prozent des Bruttogehalts in einen Kapitalstock einzahlen. Dieses Geld soll
       am Finanzmarkt angelegt werden und das Rentenniveau sichern, das im
       Umlageverfahren wegen der Demografie an seine Grenzen stößt.
       
       Die „Kapitalrente“ orientiert sich am Beispiel von Schweden, wo die
       Bürger:innen einen Teil ihrer Pflichtbeiträge für die Altersvorsorge am
       Kapitalmarkt anlegen.
       
       12 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Pressemitteilungen/Finanzpolitik/2026/08/2026-08-12-regierungsentwurf-fruehstartrente.html
 (DIR) [2] https://www.uni-augsburg.de/de/campusleben/neuigkeiten/2026/08/11/wie-das-neue-altersvorsorgedepot-gelingen-kann/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Dribbusch
       
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