# taz.de -- Migration in Deutschland: Zahl der Asylanträge sinkt massiv
> Immer weniger Menschen beantragen in Deutschland Asyl. Die Gründe hierfür
> sind komplexer, als Bundesinnenminister Alexander Dobrindt glauben machen
> will.
(IMG) Bild: Geflüchtete, die auf Kreta ankommen, bekommen generell kein Asyl mehr in Griechenland, temporäre Asylunterkunft bei Chania
Die Zahl neuer Asylanträge fällt immer weiter. Im Juli beantragten nur rund
4.300 Geflüchtete Schutz in Deutschland, knapp halb so viele wie im Juli
2025 und ein Rückgang von über 75 Prozent gegenüber Juli 2024.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verkauft das als [1][Erfolg
seiner Abschottungspolitik], etwa durch die Zurückweisung Schutzsuchender
an den Grenzen. Doch ganz so einfach ist es nicht.
Grundsätzlich gehen die Migrationszahlen EU-weit zurück. Laut der
EU-Grenzschutzagentur Frontex sank die Zahl der Neuankünfte im ersten
Quartal 2026 um rund 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Der wichtigste Grund dafür ist weiterhin die Lage in Syrien. Seitdem
Rebellen Ende 2024 [2][den Langzeittyrannen Baschar al-Assad stürzten], hat
sich die Sicherheitslage und die humanitäre Situation im Land verbessert.
Kämpfe zwischen verschiedenen Gruppierungen, ethnische und religiöse Gewalt
gegen Zivilist*innen und die israelische Besatzung eines Teils
Südsyriens halten zwar an, insgesamt ist die Lage aber deutlich ruhiger als
noch vor zwei Jahren. Auch deshalb fliehen aktuell kaum noch Syrer*innen
außer Landes.
Aus Staaten, die auf dem Weg in die EU liegen, bewegen sich syrische
Geflüchtete derzeit vor allem in Richtung ihres Herkunftslandes zurück. Das
trifft vor allem auf die Türkei zu, in der über das letzte Jahrzehnt
Millionen Geflüchtete Schutz gefunden hatten. Jetzt gehen Hunderttausende
zurück nach Syrien, die sich unter anderen Umständen womöglich nach Europa
aufgemacht hätten.
## Verschärfter Umgang an den EU-Außengrenzen
Ebenfalls eine Rolle spielen dürfte der nochmals verschärfte Umgang mit
Geflüchteten an den EU-Außengrenzen. Griechenland beispielsweise
[3][gewährt Geflüchteten, die auf Kreta ankommen, inzwischen generell kein
Asyl mehr]. Stattdessen werden die Ankommenden bis zu ihrer Abschiebung
inhaftiert. Dadurch sinkt auch die Zahl der Geflüchteten, die die
Möglichkeit haben, innerhalb der EU weiterzureisen.
Der Gesamtrückgang erklärt einen Großteil des Rückgangs in Deutschland –
allerdings nicht allein. Denn die Zahl der Asylanträge sinkt hier noch
schneller als in anderen EU-Ländern. Nachdem Deutschland jahrelang das Land
mit den meisten Asylanträgen war, wurde es im laufenden Jahr von
Frankreich, Spanien und Italien überholt. Hier kann man tatsächlich davon
ausgehen, dass die verstärkten Grenzkontrollen, die Zurückweisungen und die
verschärften Lebensbedingungen eine Rolle spielen.
Genauso wichtig dürfte aber sein, dass sich die Herkunft der Geflüchteten
geändert hat, die derzeit noch in die EU kommen. Syrer*innen bevorzugten
meistens Deutschland als Ziel innerhalb der EU, weil die syrische Community
hier schon groß ist. Geflüchtete aus Venezuela zieht es dagegen oft nach
Spanien, allein schon wegen der Sprache.
Wenn nun – wie in den letzten Jahren geschehen – die Zahl einreisender
Syrer*innen massiv sinkt, gleichzeitig aber mehr Venezolaner*innen
kommen, dann bedeutet das einen Rückgang der Asylanträge in Deutschland
über den EU-weiten Trend hinaus. In Spanien sinken die Asylzahlen dagegen
deutlich langsamer als im EU-Schnitt.
5 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Illegale-Abweisungen-von-Asylsuchenden/!6176856
(DIR) [2] /Nach-dem-Sturz-Assads/!6195691
(DIR) [3] /Griechenland-will-Asylrecht-fuer-Gefluechtete-abschaffen/!6100322
## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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