# taz.de -- Urteil gegen junge Nazigruppe: Vom braunen Kinderzimmer in den Knast
> Ein Gericht hat Mitglieder der „Letzten Verteidigungswelle“ zu teilweise
> hohen Haftstrafen verurteilt. Die Jugendlichen planten und verübten
> Anschläge auf Geflüchtete und politische Gegner.
(IMG) Bild: Die Angeklagten der rechtsextremen Letzte Verteidigungswelle beim Prozess vor dem Hamburger Oberlandesgericht
Das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg hat am Mittwoch die acht
Angeklagten der rechtsextremen Terrorgruppe Letzte Verteidigungswelle zu
Jugendstrafen zwischen eineinhalb und fünf Jahren verurteilt. Das Gericht
sprach die zur Tatzeit zwischen 14 und 21 Jahre alten Angeklagten unter
anderem wegen Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer
terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes sowie weiterer Straftaten
wie schwerer Brandstiftung und gefährlicher Körperverletzung schuldig. Die
Strafe für den jüngsten Angeklagten wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die
Bezeichnung „braune Kinderzimmer“ sei „durchaus passend gewählt“, sagte der
Vorsitzende Richter. Mit ihren Taten hätten die Angeklagten „Chaos
herbeiführen“ wollen.
Die Bundesanwaltschaft [1][hatte Ende November 2025 Anklage vor dem
Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg erhoben]. Sie warf allen
Angeklagten die Mitgliedschaft beziehungsweise Unterstützung einer
terroristischen Vereinigung vor. Vier von ihnen wurden zudem wegen
versuchten Mordes angeklagt, den übrigen wurde Beihilfe hierzu vorgeworfen.
Das Gericht folgte den Vorwürfen der Anklage im Wesentlichen.
Aus der Gruppe heraus planten und verübten die Angeklagten potenziell
tödliche Anschläge auf Flüchtlinge und politisch Andersdenkende. Einige von
ihnen verübten im Oktober 2024 einen nächtlichen Brandanschlag auf ein
bewohntes Kulturzentrum in Altdöbern und im Januar 2025 eine
Pyrotechnikattacke auf eine Flüchtlingsunterkunft in Schmölln, Thüringen.
Dass beim Anschlag auf das Zentrum niemand verletzt oder getötet wurde, war
wohl reiner Zufall. Die Staatsanwaltschaft warf den Angeklagten außerdem
sogenanntes Pädo-Hunting vor – die Jagd auf Menschen, die sie für Pädophile
hielten.
Die Letzte Verteidigungswelle hatte in mehreren Bundesländern Anhänger. Der
Prozess fand in Hamburg statt, weil der Staatsschutzsenat dort auch für
Verfahren aus Mecklenburg-Vorpommern zuständig ist. Zwei der
Hauptbeschuldigten, Jason R. und Benjamin H., 19 und 16 Jahre alt, stammen
aus diesem Bundesland. Wegen des Alters der Angeklagten lief das Verfahren
unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch die Plädoyers von Anklage und
Verteidigung fanden ohne Publikum und Presse statt. Erst am Mittwoch, nach
28 Verhandlungstagen, durften Journalist:innen und Zuschauer:innen
zur Urteilsverkündung in den Saal.
## SS-Totenkopf als Logo
Schon seit 2022 kannten sich einzelne Mitglieder der Gruppe. Nach den
Ermittlungen gründeten Jason R. und Benjamin H. aber erst im April 2024 die
Letzte Verteidigungswelle. Ihr Motto: „Wir sind die Welle, die den Dreck
aus unserem Land spült.“ Als Logo wählten sie den Totenkopf der Waffen-SS
mit ihrem Kürzel. Die beiden verwalteten verschiedene Whatsappgruppen und
entschieden, wer sich anschließen durfte. Die Ermittler fanden über 70
Chatgruppen mit Verbindungen zum Netzwerk. Rund 200 Personen sollen
beteiligt gewesen sein.
Ein schriftliches Bekenntnis zur rechtsextremen Gesinnung reichte jedoch
nicht, um zum Kern der Gruppe zu gehören. Die selbsternannten „Kämpfer für
Nation und Nationalismus“ mussten auch Straftaten nachweisen.
Videoaufnahmen der Aktionen dienten als Beweis. Über einen Generalchat und
regionale Gruppen blieb die Terrorgruppe vernetzt.
Die Letzte Verteidigungswelle verbreitete zudem eine besonders radikale
Verschwörungstheorie der Szene: den „großen Austausch“. Diese Theorie
behauptet, dass „fremde Einwanderer“ gezielt die angeblich „eigene
Bevölkerung“ ersetzen sollen. Diese Erzählung wird unter anderem von der
Identitären Bewegung verbreitet. Auch einzelne Politiker innerhalb der AfD
haben entsprechende Narrative verwendet.
Am 12. Februar 2025 durchsuchten Ermittler erstmals eine Wohnung in Meißen
und fanden zwei Kugelbomben. Im Mai folgten weitere Razzien in Brandenburg,
Hessen, Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Im April vergangenen
Jahres [2][berichtete die taz] als eine der ersten über die Letzte
Verteidigungswelle. Der Brandanschlag in Altdöbern löste verstärkte
Ermittlungen aus. [3][Der Saal des Kulturzentrums Kultberg mitsamt
Biergarten brannte am 23. Oktober 2024 komplett aus]. Die Ermittler
vermuteten zunächst einen technischen Defekt. Im Zuge der weiteren
Ermittlungen stießen sie jedoch auf Videos und Chatnachrichten, die den
Verdacht auf einen gezielten Brandanschlag erhärteten. Zwei damals
15-jährige Mitglieder der Letzten Verteidigungswelle sollen sich vor den
Flammen gefilmt haben. Nach den Ermittlungen hielten sie den Kultberg für
ein linkes Zentrum.
5 Aug 2026
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