# taz.de -- Nazi-Verbrechen an Sinti und Roma: Zentralratsvorsitzender warnt vor neuer Gewalt
> Droht die Geschichte sich zu wiederholen? Zum europäischen Gedenktag für
> die ermordeten Sinti und Roma warnt der Zentralratsvorsitzende Romani
> Rose vor neuer Gewalt.
(IMG) Bild: Gedenkstein auf dem Mahnmal zur Verfolgung und Ermordung von Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten
kna/epd | Anlässlich des Europäischen Holocaust-Gedenktags für Sinti und
Roma hat der Antiziganismus-Beauftragte der Bundesregierung, Michael Brand
(CDU), an die rund 500.000 Opfer des nationalsozialistischen Genozids
erinnert. „Es waren Menschen, die ihr eigenes Leben, Familie, Freunde,
Hoffnungen und Träume hatten – und die Opfer eines barbarischen Regimes
wurden“, erklärte Brand am Sonntag. Bei einer Gedenkveranstaltung in der
KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau im polnischen Oświęcim rief er dazu auf,
das Gedenken wachzuhalten und Antiziganismus entschieden entgegenzutreten.
Der Gedenktag erinnert jährlich am 2. August an die Opfer des sogenannten
[1][Porajmos], des Völkermords an den europäischen Sinti und Roma in der
Zeit des Nationalsozialismus. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944
ermordete die SS im sogenannten Zigeunerfamilienlager des [2][KZ
Auschwitz-Birkenau] die insgesamt 4.300 dort verbliebenen Sinti und Roma in
Gaskammern, darunter zahlreiche Frauen, Kinder und Ältere. Zwischen 1933
und 1945 wurden insgesamt bis zu 500.000 Sinti und Roma [3][von den
Nationalsozialisten ermordet].
Mit Blick auf die schwindende Zahl der Überlebenden nach über 80 Jahren
werde die Verantwortung für das Gedenken umso größter, betonte Brand: „Es
liegt jetzt an uns allen, die Erinnerung wachzuhalten, die Geschichte
weiterzutragen“, so der CDU-Politiker. Der Holocaust und Terror des
Nazi-Terrors habe gezeigt, „wohin es führen kann, wenn Menschen brutal
verfolgt und zu einer Bedrohung stilisiert werden“. Gemeinsam müsse jeder
Form von [4][Antiziganismus, Rassismus und Menschenverachtung] entschieden
bekämpft werden.
## Romani Rose: „Nichts aus der Geschichte gelernt“
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates der Deutschen Sinti und Roma,
warnte bei der Gedenkveranstaltung vor wachsender Bedrohung und Gewalt:
„Mit Schrecken sieht unsere Minderheit das Erstarken eines wiedererwachten
und gewaltbereiten Antiziganismus in Deutschland, aber auch in anderen
Ländern Europas“ sagte er mit Bezug auf aktuelle Angaben der
[5][unabhängigen Melde- und Informationsstelle Antiziganismus].
Diese Entwicklung vollziehe sich nicht „im luftleeren Raum“, so Rose
weiter. „In ganz Europa erleben wir [6][Wahlerfolge rechtsextremer und
nationalistischer Parteien, die Hass und Hetze wieder salonfähig machen].“
Auch der deutsche Staat würde sich daran beteiligen. So dürften in
Niedersachsen die Polizeibehörden in ihren Kriminalberichten mutmaßliche
Täter einer ethnischen Zugehörigkeit zuordnen. „Ich erwarte, dass der
deutsche Rechtsstaat diese skandalöse Praxis – 82 Jahre nach Auschwitz –
beendet“, betonte Rose.
„Wenn ich heute in die Welt blicke, fehlen mir die Worte, um meine
Verzweiflung darüber zum Ausdruck zu bringen, dass wir Menschen nichts aus
der Geschichte gelernt haben“, erklärte Rose. „Denn auch heute wird wieder
gegen das Völkerrecht verstoßen: in der Ukraine, im Nahen Osten und an
vielen anderen Orten dieser Welt.“
Der Zentralratsvorsitzende appellierte an die Mitgliedstaaten der EU, zur
Prävention mittels Bildung und Aufklärung beizutragen. So müsse in den
Schulbüchern der Heimatländer der Minderheit auch auf deren Beiträge zu
Kunst, Musik und Kultur hingewiesen werden.
2 Aug 2026
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