# taz.de -- „Music, Film, Fashion“ von Charli XCX: Alles ist vergänglich bis zur letzten Zigarette
> Auf „Music, Film, Fashion“ wird Charli XCX selbstreferenziell rockistisch
> und knüpft musikalisch doch immer wieder an ihr Vorgängeralbum an. Was
> bleibt, ist Ratlosigkeit.
(IMG) Bild: Charli XCX, hier mal nicht auf einer Party
Zwei Jahre nach dem enorm erfolgreichen Werk [1][„Brat Summer“]
veröffentlicht die britische Popkünstlerin Charli XCX ihr neues Album
„Music, Film, Fashion“. Das Cover präsentiert schwarz-weiße
Ernsthaftigkeit: Drei männliche Ikonen, John Cale (Musik), Martin Scorsese
(Film) und Marc Jacobs (Fashion) blicken ausdruckslos in die Kamera. Von
der Künstlerin selbst ist nichts zu sehen, ganz anders als noch vor wenigen
Monaten: Nach dem Welterfolg von „Brat“, einer eigenen Mockumentary und
einer auch in der Regenbogenpresse nonstop ausgewalzten Partyhochzeit mit
dem Künstlerkollegen George Daniel (von der Band 1975), flimmerte der
Superstar pausenlos über Bildschirme und durch Timelines.
Nicht alles war dabei geglückt: Obwohl [2][ihre Mockumentary „The Moment“
im Rahmen der Berlinale 2026] zu sehen war, gab es für die Afterparty
heftige Kritik. Videos in den sozialen Medien zeigten Charli XCX im
Berliner Club Studio1111 nämlich zusammen mit der Russin Anastasia
Shevtsova, auch bekannt unter dem Namen „Petlt“. Der DJ werden enge
Verbindungen zum Kreml nachgesagt. Sowohl Charli XCX als auch Shevtsova
distanzieren sich im Nachhinein von den Vorwürfen. Ein schaler Beigeschmack
jedoch bleibt.
Passenderweise beginnt „Music, Film, Fashion“ mit einer Anspielung auf
Charli XCXs Image als oberflächliches Partygirl. „The Dancefloor is dead“
kündigt die 34-Jährige im Auftaktsong „Rock Music“ vollmundig an. Eine
Anspielung auf den Hype um ihr knallgrünes Popalbum „Brat“, das Exzess und
Konsum exzessiv in den Songs abfeierte. „Music, Film, Fashion“ kommt nun
erwachsener und rockistischer daher. Ein Soundtrack für alles, was nach der
durchzechten Partynacht kommt, vom Heimweg, über die zerzausten Haare und
das verschmierte Make-up bis zur letzten Zigarette.
## Armer Grunge
Auch wenn Charli XCX in Interviews betont, dass ihre Musik explizit kein
Rock sei, sondern einfach nur neue Songs, ziehen sich die grungy
Gitarrensounds wie in „Rock Music“ und „Card declined“ deutlich durch die
Hälfte der Songs. Beim Rest bleibt sich die 34-Jährige treu, setzt erneut
auf starke Verfremdung ihrer Stimme durch Autotune, Songtexte über
Identitätssuche und die Vergänglichkeit des Lebens. Wie gut sie ernstere
Themen mit eingängigen Melodien vermarktet, zeigte bereits der Tiktok-Hit
„Apple“, in dem sie die Beziehung zu ihren Eltern verarbeitet.
Klar, das neue Album wird kaum [3][an den Hype um „Brat“] herankommen,
dessen charakteristischer Sound 2024 bald synonym für ein bestimmtes
Lebensgefühl ihrer jungen Fans wahrgenommen wurde. Doch der Wille zum
Experiment ist hörbar. „SS26“ erinnert an aktuell erfolgreiche Bands wie
The Beaches und Wolf Alice und Indiepop von anderen coolen, lässigen
Künstlerinnen. „Yeah, we're walkin' on a runway that goes straight to
hell./Nothing's gonna save us, not music, fashion or film“, singt Charli
XCX und erklärt damit ihren Albumtitel.
Doch nach den ersten, sehr eingängigen Songs verliert sich der Sound leider
im erwartbaren elektronischem Soundgewand, das an „Brat“ erinnert, ohne
etwas fundamental Neues hinzuzufügen. Etwa „2007“, dessen Songtext
repetitiv über das Popstardasein in den Nullerjahren fantasiert.
Überraschend klingt dagegen der Song „Camera“, in dem Charli XCX über ihr
zwiespältiges Verhältnis zur Öffentlichkeit Auskunft gibt. Das
gitarrengetriebene Arrangement erinnert wiederum an Indiebands wie Bloc
Party und Vampire Weekend, die in den frühen Nullerjahren ihre kreativste
Zeit hatten.
## Cronenberg spricht
Und kurz bevor man ein wenig ratlos das sehr selbstreferenzielle Album zu
Ende gehört hat, kommt man zum Titelstück als zentrales Element zurück: „No
One Lasts Forever“ bringt die Electropop-Vergänglichkeit auch textlich auf
den Punkt. Der Monolog, den der kanadische Filmemacher David Cronenberg
einspricht, über die Sterblichkeit großer Künstler*innen („They are
dead, they are gone, no one lasts forever“) schließt den Kreis und nimmt
Bezug auf Charli XCXs eigenen Hype und den der Ikonen, die sich auf ihrem
Frontcover präsentieren.
Auch, wenn alles am Ende vergänglich ist und sich niemand an die drei
Männer oder die Künstlerin erinnern wird, bleibt die Frage, warum sich das
selbstbestimmte Partygirl, sich abgrenzend vom alten Ich, am Ende doch nur
wieder mit alten weißen Künstlern beschäftigen will.
6 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Anastasia Zejneli
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