# taz.de -- Stromversorgung unter Druck: Ungarn stoppt Atomkraftwerk
> Die Donau führt so wenig Wasser wie nie: Ungarn schaltet erstmals sein
> Atomkraftwerk komplett ab. Was das für Stromverbraucher jetzt bedeutet.
(IMG) Bild: Die Donau führt stellenweise nur ein Drittel seines üblichen Wassers
dpa | Wegen des historisch niedrigen Wasserstands an der Donau schaltet
Ungarn sein Atomkraftwerk Paks vollständig ab. Wie Ministerpräsident Péter
Magyar bei Facebook mitteilte, sollte der letzte Reaktorblock in der Nacht
zum Sonntag heruntergefahren werden, sodass das Kraftwerk [1][erstmals in
den 44 Jahren seiner Existenz] komplett abgeschaltet sein wird.
Das AKW Paks mit seinen vier Reaktorblöcken liegt etwa 100 Kilometer
südlich der Hauptstadt Budapest und bezieht sein Kühlwasser aus der Donau.
Der Fluss hat an seinem Unterlauf stellenweise nur ein Drittel des
durchschnittlich im Juli gemessenen Wasserstands. Der Klimawandel macht
derartiges Niedrigwasser wahrscheinlicher: Hohe Temperaturen begünstigen
die Verdunstung, außerdem können Perioden ohne Niederschlag länger werden.
Zudem verfügte Magyar per Verordnung, dass die Stromversorgung für
Großverbraucher in der Industrie eingestellt werden könne, falls diese „die
von ihnen erwartete Verringerung des Verbrauchs nicht umsetzen“, schrieb
der Regierungschef. Spätestens ab Montag könne es zu Engpässen bei der
Stromversorgung kommen, hatte Magyar [2][bereits am Donnerstag
angekündigt].
## Krise könnte noch Wochen dauern, sagte Magyar
Dann würden 2.000 Megawatt aus ungarischer Produktion ausfallen, während
zugleich wegen der steigenden Hitze der Stromverbrauch der Privathaushalte
und der öffentlichen Dienstleister steigen werde. Die Krisensituation könne
wegen des erwarteten heißen Sommers noch Wochen andauern, sagte Magyar.
Mehrere Industrieunternehmen, darunter die Autobauer Mercedes und Suzuki,
kündigten an, in ihren Produktionsstätten in Ungarn Strom zu sparen.
Mercedes hat ohnehin in seinem Werk in Kecskemet ab nächster Woche eine
dreiwöchige Produktionspause geplant.
Die Bevölkerung in Ungarn ist weiterhin aufgerufen, während der
Spitzenverbrauchszeit zwischen 17 und 22 Uhr nicht zusätzlich Strom zu
verbrauchen – etwa durch das Aufladen von Elektroautos und den Betrieb von
Klimaanlagen. An einem durchschnittlichen Sommerabend würden 6.000 Megawatt
Strom verbraucht, aufgrund der Hitze steige dieser Wert um 20 Prozent,
erläuterte Magyar. Man setze nun die Stromreserven des Landes ein und
kümmere sich um Importe.
2 Aug 2026
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