# taz.de -- Atommüllschiff in Brunsbüttel angekommen: Deutschland bekommt seinen Schrott zurück
> Ein Atommüllschiff aus England hat in der Nacht in Brunsbüttel angelegt.
> In Brokdorf soll der Atomschrott nun jahrzehntelang zwischenlagern.
(IMG) Bild: Nicht das erste Mal an einem deutschen Hafen: Die „Pacific Grebe“ hat bereits mehrfach, hier 2025 in Nordenham, Castoren geliefert
Sechs Tage nach dem Start im britischen Hafen Barrow-in-Furness in
Nordwestengland hat ein Atommülltransportschiff mit sieben Castorbehältern
an Bord am frühen Dienstagmorgen Deutschland erreicht. Die „Pacific Grebe“
habe gegen vier Uhr den Elbehafen im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel
erreicht, berichteten Antiatominitiativen, die die Fahrt via Internet und
durch eigene Beobachter:innen von Beginn an verfolgten. Die Polizei
hatte seit der Nacht mit mehreren Einsatzfahrzeugen die Zufahrten zum Hafen
abgesperrt.
In Brunsbüttel werden die jeweils mehr als 100 Tonnen schweren Castoren mit
einem Kran auf Speziallastwagen umgeladen. Das Bündnis „Castor stoppen“
rechnete damit, dass sich der Atommüllkonvoi in der Nacht zu Mittwoch unter
starkem Geleitschutz der Polizei auf den Weg zum Zwischenlager auf dem
Gelände des 15 Kilometer entfernten AKWs Brokdorf macht. Nach einem
Probelauf mit einem leeren Behälter war bis Dienstagmittag allerdings erst
ein Castor auf einen Tieflader gehievt worden – dies sprach für einen
späteren Beginn des Straßentransports.
In den jetzt in Brunsbüttel angelandeten Behältern befinden sich in Glas
eingeschmolzene Atomabfälle, die in der britischen
Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield bei der Verarbeitung verbrauchter
AKW-Brennelemente aus deutschen Reaktoren entstanden sind. Der Atommüll
kommt aufgrund geltender Verträge mit Großbritannien zurück nach
Deutschland. Bis 2005 wurden Brennelemente aus deutschen AKW zur
Wiederaufarbeitung nach Großbritannien und Frankreich transportiert.
Lange Zeit war Gorleben als Ort für die Zwischenlagerung dieser zurück
genommenen Abfälle vorgesehen gewesen. Nach dem Atomausstieg und dem
Neustart der Endlagersuche hatten sich Bund und Länder aber darauf
verständigt, die Abfälle aus den Plutoniumfabriken in Frankreich und
Großbritannien nicht länger nach Gorleben zu transportieren, sondern auf
mehrere Zwischenlager an den deutschen AKW-Standorten zu verteilen. Die
aktuelle Fuhre nach Brokdorf ist der letzte dieser sogenannten
Rücktransporte.
## Atomkraftgegner:innen warnen vor Zwischenlager
Die 7 Castoren sollen nun so lange in Brokdorf bleiben, bis –
voraussichtlich erst im nächsten Jahrhundert – ein Endlager für
hochradioaktive Abfälle zur Verfügung steht. Dabei wurden die 16
oberirdischen Zwischenlager in Deutschland, also [1][auch das in Brokdorf,]
zunächst nur für eine Betriebsdauer von 40 Jahren konzipiert und genehmigt.
Betreiber des Brokdorfer Zwischenlagers ist die bundeseigene Gesellschaft
für Zwischenlagerung (BGZ). Es verfügt über 100 Stellplätze für Behälter.
Derzeit lagern dort 76 Castoren mit Brennelementen aus dem AKW Brokdorf.
Mit der Aufnahme der 7 Behälter aus England endet der Einlagerungsbetrieb
an diesem Standort.
Atomkraftgegner:innen halten es zwar für richtig, dass der in
Deutschland produzierte Atommüll von Deutschland zurückgenommen werden
muss. Sie kritisieren aber die aus ihrer Sicht unsinnige und überflüssige
Zwischenlagerung in Brokdorf. Schon heute sei klar, [2][dass der Atommüll
dort nicht bleiben könne,] sagt etwa Helge Bauer von der
Antiatomorganisation „ausgestrahlt“: „Das Hin- und Herverschieben von
Castoren bringt uns einer sicheren Lagerung nicht näher, im Gegenteil:
Jeder Castortransport birgt enorme Risiken.“ Atommüll, so Bauer, sollte
deshalb nur ein einziges Mal transportiert werden – und zwar in ein
Endlager.
Die deutschen Zwischenlager böten keinen ausreichenden Schutz für
hochradioaktive Abfälle. Sie seien schon bei ihrer Errichtung den
sicherheitstechnischen Herausforderungen nicht gewachsen gewesen und
[3][erst recht nicht gegen aktuelle Bedrohungen gesichert.] Weder ein
Castortransport noch ein Atommülllager könne einem Drohnenangriff
standhalten, das zeigten auch zwei aktuelle von „ausgestrahlt“ beauftragte
Sicherheitsstudien.
Kerstin Rudek vom Bündnis Castor stoppen! wertet auch die strikte
Geheimhaltung der aktuellen Atommüllfuhre als „ein Eingeständnis, dass die
Transporte gefährlich und ein potenzielles terroristisches Ziel sind“. Der
„bittere Beigeschmack“: Der Transport erfolge damit ohne die Möglichkeit
eines vorbeugenden Katastrophenschutzes oder einer transparenten Kontrolle
seitens der Zivilgesellschaft. Für den späten Dienstagnachmittag um 17.30
Uhr riefen Antiatominitiativen zu einer Kundgebung am AKW Brokdorf auf.
16 Jun 2026
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