# taz.de -- KI-Firmen vernichten Bücher: Alexandria lässt grüßen
       
       > KI-Unternehmen kaufen angeblich massig antike Bücher auf, um sie zu
       > scannen und anschließend zu schreddern. Kann das stimmen?
       
 (IMG) Bild: Antiquarische Bücher unterschiedlicher Güte
       
       Kommt die KI ins Antiquariat und sagt „Guten Tag, ich würde mal gerne Ihre
       Bücher schreddern“. Was ist passiert? Ist es der durch die Klimakatastrophe
       heiß gelaufene [1][Weimertar] unseres verehrten Staatsministers für Kultur
       und Medien, der meint, sich in einer linken Buchhandlung zu befinden? Oder
       hat Denis Scheck auf Massenbetrieb umgestellt?
       
       Aber warum dann in einem Antiquariat? Das setzt ja schon vom Namen her auf
       ältere Bestände. Während es beim Bücherschreck Scheck doch stets um
       „Druckfrisches“ geht. So heißt schließlich auch seine ARD-Sendung, in der
       seiner Meinung nach Unzumutbares im Schredder landet.
       
       Jedenfalls regt sich mannigfaltige Empörung in der Kulturwelt ob einer
       Nachricht: Um ihre Modelle mit Material zu füttern, würden KI-Firmen alte
       Bücher, angeblich sogar antike Werke, en masse aufkaufen, einscannen und
       sie dann entsorgen.
       
       Nun ist das mit den Büchern der Antike, die auch eher mal Papyrusrollen
       waren, so eine Sache. Denn die meisten von ihnen wurden schon in der Antike
       höchstselbst wirkmächtig zerschreddert. Die legendäre Bibliothek von
       Alexandria lässt grüßen.
       
       Scannen legal, herunterladen illegal 
       
       Das waren vermutlich eher mal Caracalla, [2][Aurelian] oder [3][Diokletian]
       und nicht etwa Elon Musk, Samt Altman et al. Die historische Analogie passt
       aber, schließlich hatten die Cäsaren beim Imperium Romanum das Sagen – und
       dieses Gebilde stand den heutigen Big-Tech-Plattformen in Sachen Monopol,
       Macht und Megalomanie in nichts nach.
       
       Nun hat zumindest Elon Musk den Überblick über sein krudes Wirken in allen
       Imperien von der Erde bis zum Mars schon derart verloren, dass er auf X
       fromm verspricht, keine antiken Bücher zu zerstören. Das tut er ja bereits
       mit unserer Demokratie, den guten Sitten im Netz und dem gesunden
       Menschenverstand.
       
       Was wirklich los ist, lässt sich in wenigen nüchternen Sätzen
       zusammenfassen: KI-Firmen kaufen tatsächlich in großen Mengen ältere
       Bücher, um damit ihre LLMs zu trainieren. Dabei handelt es sich aber nicht
       um „antike“ oder sonstige altehrwürdige Druckwerke, sondern um Altbestände
       mit ISBN-Nummer. Diese International Standard Book Nummer gibt es erst seit
       1972, und die fraglichen Bestände sind wohl auch aus antiquarischer Sicht
       eher der Kategorie Ladenhüter zuzuordnen.
       
       Nach der Entscheidung eines US-Gerichts zu Urheberrechtsverletzungen durch
       KI-Trainings dürfen die KI-Firmen Bücher nicht mehr einfach herunterladen
       und zu Trainingszwecken nutzen. Das Einscannen gedruckter Bücher stellt
       aber nach der seltsamen Gerichtslogik keinen Bruch des Urheberrechts dar.
       Jedenfalls dann, wenn die fraglichen Werke vorher legal gekauft wurden und
       nach dem Einscannen zerstört werden.
       
       Nun ließe sich hinter der Nummer, diese neuen Intelligenzbestien jetzt
       ausgerechnet mit Ladenhütern zu füttern, ja fast schon ein subversiver Akt
       vermuten. Doch leider funktioniert KI anders und rein mathematisch. „Ja,
       leider. So wird der Bias verstärkt und es ist und bleibt eine KI der alten
       weißen Männer“, sagt die Mitbewohnerin.
       
       Aber immerhin lässt sich Trost darin finden, dass auch die großen
       Plattformen wie das Römische Reich nie für die Ewigkeit waren. Auch sie
       wurden im Laufe der Zeit mit schönster Regelmäßigkeit zuverlässig
       geschreddert.
       
       4 Aug 2026
       
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 (DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Aurelian
 (DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Diokletian
       
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