# taz.de -- Legal-Tech-Unternehmen in der Kritik: Conny und der Mietenkampf
> Das Unternehmen Conny verspricht Kund*innen, die Mietpreisbremse
> rechtlich durchzusetzen. Aber lohnt sich das für Mieter*innen? Es gibt
> Zweifel.
(IMG) Bild: Demo gegen zu hohe Mieten, Berlin 2024
Ist deine Miete nun offiziell Wucher? Mach den Conny-Check!“, lockt die
Werbung auf Instagram. Als Legal-Tech-Unternehmen ist Conny dafür bekannt,
für Kund*innen die Mietpreisbremse rechtlich durchzusetzen. Im Schnitt
werde man 400 Euro sparen, so das Versprechen der Werbung. Ein attraktives
Angebot, bedenkt man, [1][dass die Mieten immer höher und der Wohnraum
immer knapper werden]. Allerdings zweifelt eine Person aus dem ehemaligen
Team der Conny-Rechtsanwaltsgesellschaft die Transparenz und Absichten des
Unternehmens an und auch die Erfahrungsberichte sind durchwachsen.
„Ich bin immer skeptisch, wenn ich Werbung auf Instagram sehe“, sagt
Nasthasia Bornstädt gegenüber der taz. Sie wohnt im Berliner Stadtteil
Lichtenberg. „Aber als ich bei Conny alles durchgelesen habe, hatte ich ein
gutes Gefühl.“ Sie gab ihre Daten beim Rechner auf der Website ein, der
Nutzer*innen innerhalb weniger Minuten das Sparpotenzial ausspuckt. „Mir
wurde ausgerechnet, dass ich zwischen 200 und 400 Euro sparen könnte.“
Im Juni veröffentlichte der Berliner Mieterverein eine [2][Auswertung] von
330 neuen Mietverträgen: 95 Prozent wurden als zu hoch eingestuft. Der
[3][Mietspiegel] dient dabei als Anhaltspunkt. Und mit der Mietpreisbremse
wurde 2015 ein entsprechendes Tool eingeführt, das bei der Regulierung
helfen soll. Vermieter*innen dürfen dadurch höchstens zehn Prozent mehr
als die ortsübliche Vergleichsmiete verlangen.
„Aber bei einem Verstoß gibt es keine Bestrafung“, erklärt die Person, die
mehrere Jahre als Anwält*in für Conny gearbeitet hat und in diesem Text
anonym bleiben möchte. Und: Mieter*innen müssen selbst aktiv werden, um
gegen die überteuerten Preise vorzugehen.
## Es kann ernst werden
Hier kommt Conny ins Spiel: Das Unternehmen verspricht, für Kund*innen
das Recht auf eine niedrige und faire Miete durchzusetzen und im
Zweifelsfall einzuklagen. Laut eigenen Angaben hat Conny rund 10.000
Mietpreisbremsen-Fälle erfolgreich abgeschlossen, während 1.000 weitere
gerade bearbeitet werden. Dabei wird oft die Erfolgsgeschichte des
Unternehmens hervorgehoben, ganz nach dem Motto: „Vermieter wissen: Wenn
Conny kommt, wird es ernst.“
Aber auch bei denen, die Connys Dienstleistungen in Anspruch nehmen, kann
es ernst werden. Das zeigt der Fall von Paul Witte*, der gegenüber der taz
erzählt: „Es gab nie den einen Moment, in dem ich mich aktiv für Conny
entschieden habe. Ich habe immer wieder Werbung auf Instagram gesehen und
wollte nur mal schauen, wie viel ich sparen könnte.“ Dabei habe er aus
Versehen einen Vertrag mit dem Inkasso-Unternehmen abgeschlossen.
Der Mietpreisrechner habe kalkuliert, dass Witte 120 Euro sparen könnte.
Eigentlich ein guter Anreiz, aber er habe das erst mal nicht weiter
verfolgt. Dann kamen E-Mails und Anrufe, Conny wollte ihn beraten. „Ich
dachte mir, so eine Beratung schadet nicht“, sagt Witte, „Aber das hatte
ein bisschen den Eindruck von einem Callcenter. Die Person hat sehr
generische Fragen gestellt.“
Im Anschluss habe er vermehrt Post bekommen, wobei er etwa dazu
aufgefordert worden sei, Fotos vom Haus und der Wohnung zu schicken. Ein
gängiges Vorgehen, um festzustellen, ob eine Mietminderung möglich ist.
Allerdings habe Witte zu diesem Zeitpunkt noch nicht bemerkt, dass er
bereits einen Vertrag mit dem Legal-Tech-Unternehmen abgeschlossen hatte.
„Ich wurde erst aufmerksam, als ich einen Brief von Conny bekam, in dem sie
Schadensersatz in Höhe von 3.000 Euro forderten, weil ich meiner
Mitwirkungspflicht nicht nachkam“, erzählt Witte. „Das hat mich geschockt,
weil ich noch gar nichts unterschrieben hatte.“ Dann habe er alle
Unterlagen nachgereicht, er wollte keinen Stress.
## Ein simples „Okay“ reicht
„Das Ziel war nicht, Geld vom Kunden einzuklagen, sondern ihn zur
vertragsgemäßen Kooperation zu bewegen“, antwortete Conny auf allgemeine
Nachfrage der taz. „Inzwischen haben wir die Praxis geändert: Wir fordern
keinen Schadensersatz mehr, sondern nehmen den Kunden in diesen besonderen
Fällen auf Mitwirkung in Anspruch.“ Der Geschäftsführer Daniel Halmer
erklärt, dass jeder Vertragsschluss mittels individueller Kommunikation
geschehe.
Der Ablauf sehe so aus: Nach der Online-Registrierung versuche Conny jeden
Interessenten telefonisch zu erreichen. Anschließend werde eine
Angebots-E-Mail versendet, darin seien die AGBs sowie die
Erfolgsvereinbarung angehängt. Und sobald Kund*innen mit „Okay“ auf die
E-Mail antworteten, komme der Vertrag zustande. Im Nachhinein räumt Witte
ein, dass er vermutlich unaufmerksam gewesen sei und mit dem simplen „Okay“
auf die E-Mail geantwortet haben könnte. Er habe sich gedacht, solange er
nichts unterschrieben habe, sei noch nichts fix.
„Die aktuelle Form des Vertragsschlusses ist mindestens intransparent“,
kritisiert die Person aus dem ehemaligen Anwaltsteam der
Rechtsanwaltsgesellschaft, „Mieter*innen treten derzeit zahlreiche
Ansprüche ab, ohne dies überhaupt zu erkennen und ohne zu wissen, was mit
diesen Ansprüchen in der Zukunft passiert. Conny sollte vor Vertragsschluss
offen über die Vergütungsvereinbarung aufklären und auch das eigene
prozessuale Vorgehen erläutern, um Transparenz zu schaffen, wie 'teuer’ ein
Verfahren werden kann.“
Das sei mal anders gewesen: Conny hat Anfang 2025 von einem Onlineformular
mit Bestellbutton auf die individuelle Kommunikation per E-Mail umgestellt.
Zuvor war die anteilige Provision von Conny auf eine feste Anzahl an
Monaten festgelegt. Mittlerweile treten Mieter*innen die komplette
überzahlte Miete und gegebenenfalls einen Teil der Kaution an Conny ab.
## Es geht auch mit KI
Paul Witte wohnte bereits seit einem Jahr in seiner Neuköllner Wohnung, als
er den Vertrag mit Conny abschloss. Das Verfahren dauerte ein weiteres
Jahr. Die Miete, die er im gesamten Zeitraum zu viel gezahlt hatte, wird
nun als Provision an Conny gehen. „Ich würde das nicht nochmal machen und
auch nicht weiterempfehlen“, so Witte. Das nächste Mal würde er direkt zu
einem Mieterverein gehen, sich beraten lassen und die Rüge an den Vermieter
selbst schreiben. Ganz ohne Conny.
Conny wirbt zwar damit, dass man nicht extra an sie zahlen müsse, aber die
Krux ist: Mieter*innen zahlen Conny in Form der Provision. Die
überzahlte Miete, die bei einer erfolgreichen Mietminderung an Mietende
zurückgezahlt werden würde, wird komplett an Conny abgetreten. Würden sich
Mieter*innen hingegen kostenlose Rechtsberatung holen, würden sie die
Rückzahlung selbst bekommen. Nur falls sie vor Gericht verlieren, müssten
sie die Prozesskosten tragen. Auch die Anwält*in empfiehlt: „Ein
Rügeschreiben kann man mithilfe von KI erstellen und erst mal nicht viel
falsch machen, außer den Vermieter in der Hinsicht zu nerven, dass man
Recht geltend macht.“ Wenn der Fall komplexer sei, könne man sich immer
noch rechtliche Beratung suchen.
Bornstädt hingegen sagt, sie sei mit der Dienstleistung von Conny zufrieden
und habe gewusst, auf was sie sich einlasse. Ihr Prozess habe knapp zehn
Monate gedauert, Anfang Juli kam die freudige Nachricht: 130 Euro weniger
Miete.
„Im Idealfall braucht es Dienstleister wie Conny nicht“, so der*die
ehemalige Anwält*in, „Solange aber die Politik es nicht hinbekommt, die
Mietpreisbremse 'scharf’ zu machen, ist es verständlich, dass Leute darauf
zurückgreifen.“ Dabei sollten aber nicht die wirtschaftlichen Interessen
des Unternehmens im Mittelpunkt stehen, sondern die der Mieter*innen.
*Der Name wurde geändert, ist der Redaktion aber bekannt.
19 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mietenscan-des-Berliner-Senats/!6198572
(DIR) [2] https://www.berliner-mieterverein.de/aktuelles/newsletter/aktion-mietpreisueberpruefung-drei-von-vier-mieterhoehungen-fehlerhaft.htm
(DIR) [3] https://mietspiegel.berlin.de/
## AUTOREN
(DIR) Selina Hellfritsch
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