# taz.de -- Immobilien-Influencer: Mieter als Masthähnchen
       
       > Mit Wohnraum reich werden? Das versprechen Influencer in den sozialen
       > Netzwerken, die sogenannten Immo-Bros. Ihre Tipps sind alles andere als
       > harmlos.
       
 (IMG) Bild: Mein Haus, mein Auto: dicke Karre, schöne Immobilie, der Traum der Immo-Bros in der Berliner Friedrichstraße
       
       Ein junger Mann fährt im Cabrio durch die Sonne in hügeliger Landschaft und
       singt freudestrahlend den italienischen Popklassiker „Azzurro“ mit. Oben im
       Bild steht: „POV: Du hast gerade eine Runde Mieterhöhungen rausgeschickt“.
       POV steht für „Point of View“ und signalisiert, dass eine persönliche
       Perspektive folgt.
       
       @timotheuskünzel hat [1][das Video] ins Internet gestellt, es zeigt ihn
       selbst. Auf seinem Instagram-Kanal mit rund 59.300 Followern gibt er Tipps
       rund um Immobilien und Lifestyle und gehört damit zur einer noch recht
       neuen Bubble in den sozialen Netzwerken: den Immo-Bros.
       
       Immo-Bros, das sind überwiegend junge oder junggebliebene Männer, die auf
       den sozialen Netzwerken darstellen, wie sie angeblich erfolgreiche
       Geschäfte mit Wohnraum machen – von Verwaltung über Vermietung bis hin zu
       Kauf und Verkauf.
       
       Wie toll das läuft, malen die Herren in schillerndsten Farben für das
       Internet aus. @timotheuskünzel beispielsweise fokussiert sich laut eigener
       Aussage auf Kauf und Vermietung, er will 100 Häuser im Bestand haben und
       gibt alles, um seinen Instagram-Kanal nach Old Money aussehen zu lassen:
       luxuriös, aber unaufdringlich.
       
       @fabilehner hingegen ist eher der Mario Barth unter den Immo-Bros. Statt
       mit Seriosität versucht er es [2][mit Provokation]: „Ich habe 35 Millionen
       Schulden, aber lasse sie von armen Studenten zahlen, damit ich Helikopter
       fliegen kann. So geht’s. Lies die Caption!“
       
       In der Beschreibung führt er aus, dass er mit den 35 Millionen Euro
       Wohnungen gekauft und renoviert habe, um sie dann als Wohngemeinschaften an
       Studierende zu vermieten. [3][In einem anderen Beitrag schreibt er]: „POV:
       Jeder sieht das Auto. Niemand sieht die 100 Mieter, die wie Masthähnchen in
       10 Wohnungen gequetscht werden, um die Rendite zu maximieren.“
       
       Dieser Beitrag dürfte bloß Ragebait sein, also Content, der provoziert, um
       Aufmerksamkeit und Likes zu generieren. Ob bewusst provokant oder
       authentisch, spielt letztlich keine Rolle. Wie andere Immo-Bros erklärt er
       seinen fast 56.000 Instagram-Followern aggressiv und schambefreit, wie er
       sich an Einzelnen und der Gesellschaft insgesamt bereichert.
       
       Für den Masthähnchen-Beitrag erntet @fabilehner nicht mal 500 Likes und
       Kommentare. Damit ist der Beitrag ziemlich schlecht bei seinen Followern
       angekommen – vorausgesetzt, diese sind überhaupt real.
       
       Mit ihrer Bandbreite von elegant bis provokant sprechen Immo-Bros ganz
       unterschiedliche Zielgruppen an. In den Kommentaren versammeln sich
       insbesondere junge Männer. Es gibt viel Beifall für den teuer anmutenden
       Lifestyle und die vermeintlichen geschäftlichen Erfolge.
       
       Hinter den Posts der Immo-Bros verbirgt sich ein verlockendes Versprechen:
       raus aus den Geldsorgen, weg von Chef und Finanzamt. Ihre Geschichten
       versprechen Wohlstand, Freiheit und Anerkennung. Immobilien und Vermietung
       sollen die Lösung sein. Jemand wie Timotheus Künzel, der auch mal vor
       Investments ohne Eigenkapital warnt oder über die Arbeitsbelastung als
       Vermieter spricht, stellt eher eine Ausnahme dar. Vielmehr dominieren in
       der Bubble Leute, die Dinge raten, die unerfahrene Immobilienkäufer
       ruinieren können.
       
       ## Warnung der Expert:innen
       
       Ein besonders beliebter Tipp ist die Finanzierung von Immobilien ohne
       Eigenkapital. [4][Expert:innen warnen] ausdrücklich vor dem Immobilienkauf
       ohne Rücklagen, weil Reparaturen oder Mietausfälle bei diesem fragilen
       Konstrukt schnell zur Zahlungsunfähigkeit führen können.
       
       Diese Finanzierung nennen Immo-Bros gern [5][„Money Glitch“]. Sie
       suggerieren, das System auszutricksen, indem sie sich Immobilien von ihren
       Mieter:innen abbezahlen lassen, ohne selbst einen Cent in die Hand zu
       nehmen. Banken lassen sich solche Kredite – wenn sie die denn überhaupt
       vergeben – aber teuer bezahlen. Die hohen Zinsen werden dann über die
       Mieten abbezahlt. Finanzierungen ohne Eigenkapital laufen also zu Lasten
       der Mieter:innen.
       
       Damit möglichst schnell möglichst viel Geld reinkommt, bedienen sich
       Immo-Bros verschiedenster „Vermietungstrategien“: möblierte Vermietung,
       Aufteilung von Wohnungen in WGs, Kurzzeitvermietung oder auch zusätzliche
       Serviceverträge. „Die Mietpreisbremse gilt nur für Leute, die nicht wissen,
       wie man sie umgeht“, wird da auch laut ausgesprochen.
       
       Doch mit hohen Mieteinnahmen ist es nicht getan, auch bei den Steuern
       wollen Immo-Bros sparen. In dem Video [6][„Keine Steuern zahlen einfach
       erklärt“] verspricht @marcpeiss seinen 90.700 Instagram-Followern, zu
       erklären, wo sich mit Immobilien Steuern sparen lassen.
       @mr.steuer_martinrichter motiviert seine 45.200 Follower auf Instagram mit
       Titeln wie „[7][Der Staat nimmt dich aus?] Dreh den Spieß einfach um“ oder
       „[8][Einfach keine Steuern zahlen]“.
       
       Nicht alle Immo-Bros belassen es bei fragwürdigen Tipps. @immo.tommy machte
       2024 Schlagzeilen. Er hatte laut [9][Spiegel Immobilienkäufe beworben], von
       denen sich die Kund:innen getäuscht sahen. Ermittlungen wurden aufgenommen.
       Mit 1,1 Million Followern auf Tiktok und über 800.000 auf Instagram ist er
       der größte Immo-Bro Deutschlands. Für einen besseren Schutz vor
       gefährlichen Tipps [10][will die Finanzaufsicht Bafin] Influencer nun
       genauer in den Blick nehmen und die Aufklärungsarbeit verstärken.
       
       Die Sprüche vieler Immo-Bros klingen nicht gerade nach
       Gemeinwohlorientierung, ihre Geschäftsidee – Mieter:innen auspressen,
       Steuern nicht zahlen – unterscheidet sich im Wesentlichen aber kaum vom
       Gebaren größerer Wohnungsunternehmen: Ob es nun die Firma Heimstaden ist,
       die versucht hatte, [11][die Mietpreisbremse zu umgehen], und erst
       angesichts hunderter Streitfälle einknickte.
       
       Oder die Vonovia, die ihre Einnahmen 2025 durch Zehntausende
       [12][fragwürdige Mieterhöhungen] steigern wollte und die bei der Übernahme
       der Deutsche Wohnen ein Steuerschlupfloch genutzt hat und so die Zahlung
       von schätzungsweise [13][einer Milliarde Euro Grunderwerbsteuer] umgehen
       konnte.
       
       ## Rechtsextreme Narrative
       
       Die großen Wohnungsunternehmen machen seit Jahren vor, wie sich möglichst
       viel Geld aus Wohnraum herausholen lässt – auf Kosten der einzelnen
       Mieter:innen und der Allgemeinheit. Diese Entwicklung treiben die Immo-Bros
       weiter voran.
       
       Auch, indem sie ihre Tipps und Tricks bei Coachings, Seminaren, Festivals
       und Konferenzen versuchen, an den Mann zu bringen. Wie erfolgreich das ist,
       bleibt fraglich. Die Cashflow Conference 2026 musste [14][Insolvenz
       anmelden], nachdem sich dort 2025 noch die Crème de la Crème der Bubble
       getroffen hatte.
       
       Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich der eine oder andere Immo-Bro
       erfolgreicher präsentiert, als er tatsächlich ist. In der aktuellen
       Aufmerksamkeitsökonomie gehört Klappern zum Handwerk, mindestens für
       Coaches und Influencer. In diesem Kontext wirken auch steile politische
       Thesen der Immo-Bros folgerichtig, schließlich klicken die in den sozialen
       Netzwerken.
       
       Besonders auf die Spitze treibt das unter anderem
       @alex_duesseldorf_fischer. Er schimpft auf „[15][Klima-Fanatismus,
       Gendersprache und moralische Überlegenheit]“ und behauptet, dass
       Minderheiten verantwortlich für Insolvenzen, Entlassungen und steigende
       Lebenshaltungskosten wären. Ähnlich der in Dubai lebende @daniel.garofoli,
       der angesichts der Kritik am Sondervermögen [16][nicht weniger fordert
       als]: „Wir müssten eigentlich mit wehenden Fahnen und Fackeln vor dem
       Bundesreichstag stehen, weil das ist Wahlbetrug auf allerhöchstem Niveau.“
       
       Vor allem aber reproduzieren die Immo-Bros fleißig das, was die etablierte
       Immobilienlobby seit Jahren predigt: Mit Wohnraum muss sich Geld verdienen
       lassen, Investoreninteresse schafft Wohnraum, staatliche Regulation schadet
       dem Markt, die Nachfrage treibt die Preise, Neubau kann die Wohnkrise
       beenden.
       
       Das sind die üblichen Erzählungen der Immobilienbranche, die sich als
       Glaubenssätze in den Köpfen der Menschen festsetzen, je öfter sie
       wiederholt werden. Diese Arbeit muss die Immobilienlobby nicht mehr allein
       machen, seitdem die Immo-Bros da sind.
       
       Dabei dürfte es gestandenen Immobilienlobbyist:innen sicherlich manchmal
       kalt den Rücken hinunterlaufen, wenn sie das karikaturenhafte Auftreten der
       Immo-Bros verfolgen. Martialische Musik, schnelle Autos, teure Hotels und
       dicke Uhren – diese Darstellung der eigenen Person als erfolgreicher
       Businessman kann befremdlich wirken.
       
       Doch letztlich sind die Immo-Bros damit nur die Personifikation einer
       Vermietungskultur, die die großen Unternehmen vormachen. Nicht nur der
       Wohnungsmarkt in Deutschland steckt in einer Krise, auch die
       Vermietungskultur tut es. Und das eine ist ohne das andere nicht denkbar.
       
       Lara Schulschenk ist Publizistin und Content Creatorin; außerdem ist sie
       tätig beim Mieterverein zu Hamburg.
       
       18 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.instagram.com/reel/DZAPRsRN1IW/
 (DIR) [2] https://www.instagram.com/p/DbD56I8ska6/
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/p/DbV7qUdMMR8/
 (DIR) [4] https://www.vzhh.de/presse/immobilien-ohne-eigenkapital-falsche-versprechen-auf-instagram-co
 (DIR) [5] https://www.instagram.com/reels/DM3FfxpsLjf/
 (DIR) [6] https://www.instagram.com/reel/DbVUpm-s66y/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA%3D%3D
 (DIR) [7] https://www.instagram.com/reel/DazbPqNBHsQ/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA%3D%3D
 (DIR) [8] https://www.instagram.com/p/DS62XbujQdR/
 (DIR) [9] https://www.spiegel.de/wirtschaft/immo-tommy-netzwerk-um-den-immobilien-influencer-stuerzt-kaeufer-ins-unglueck-a-f8b64d46-7dc3-48e1-ba28-bb0534de51d8
 (DIR) [10] https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/finanzaufsicht-bafin-schaut-genauer-auf-finfluencer-in-sozialen-medien/100243641.html
 (DIR) [11] https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/11/berlin-heimstaden-wohnungen-neuvermietung-modernisierung-mietpreisbremse-klagen.html
 (DIR) [12] /Mietenprotest-zeigt-Wirkung/!6135139
 (DIR) [13] https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-07/vonovia-deutsch-wohnen-uebernahme-berlin-grunderwerbssteuer-steuerhinterziehung
 (DIR) [14] https://info.cashflow-conference.de/
 (DIR) [15] https://www.tiktok.com/@alex_duesseldorf_fischer/video/7369638193261514017?_r=1&_t=ZG-98PbOij4rAm
 (DIR) [16] https://www.instagram.com/reel/DWg0Jg2jRuR/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA==
       
       ## AUTOREN
       
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