# taz.de -- Waldbrände in Griechenland: Feuerinferno auf Kreta
       
       > Eigentlich ist auf Kreta gerade Hochsaison für Touristen. Doch stürmische
       > Winde fegen über Kreta hinweg und schüren tobende Feuerfronten weiter.
       
 (IMG) Bild: Waldband bei Preveli im Süden Kretas am 30. Juli
       
       Besonders betroffen ist Kretas Südwesten: Nach Angaben des Nationalen
       Observatoriums von Athen sei die in ganz Griechenland stärkste Windböe am
       Freitagmorgen mit 108 Kilometern pro Stunde im Kleinort Mariou in der
       Region Rethymnon gemessen worden. Mariou liegt in einer Höhe von 220 Metern
       über dem Meeresspiegel.
       
       Im touristischen Küstenort Plakias in der Region Rethymnon, der am
       Libyschen Meer liegt, erreichten die Windböen am Freitagmorgen eine
       Geschwindigkeit von 101 Kilometern pro Stunde. Etwas weiter westlich im
       südkretischen Küstenort Palaiochora in der Region Chania erreichte der Wind
       eine Geschwindigkeit von 85 Kilometern pro Stunde.
       
       Das weiterhin auf Kreta wütende Großfeuer war am Mittwoch nahe des
       Bergortes Kria Vrisi ausgebrochen. Rasch breitete sich die Feuersbrunst auf
       einer Front von rund 15 Kilometern aus. Zwei Feuerwehrleute starben in den
       Flammen. Urlauber mussten evakuiert werden oder flohen vor dem Feuer. Mehr
       als 80 vom Großfeuer eingeschlossene Touristen wurden am Donnerstag vom
       Palmenstrand Preveli evakuiert.
       
       ## Brände nicht nur auf Kreta
       
       Auch an anderen Orten in Griechenland brennt es. Auf der Kykladeninsel
       Paros, einem der hellenischen Tourismushotspots, löste mutmaßlich ein Brand
       auf einer Mülldeponie in dieser Woche ein großes Feuer aus. Mehrere
       Ortschaften auf Paros mussten evakuiert werden. Immer wieder flammen dort
       Glutnester auf. Am Freitagmorgen [1][brach ein Waldbrand am Ort Fichti in
       der Region Argolida im Osten der Halbinsel Peloponnes aus]. [2][]
       
       Die Gefahr des Ausbruchs neuer Waldbrände und der raschen Ausbreitung von
       bereits wütenden Bränden bleibe „sehr hoch“, wie die griechischen Behörden
       am Freitag eindringlich warnten. Ferner stellt das erneute Auflodern von
       Bränden die Einsatzkräfte vor gewaltige Herausforderungen. Bereits
       eingedämmte Glutnester flammen durch Wind und Hitze unkontrolliert abermals
       auf. „[3][Die Lage ist weiter außer Kontrolle“, sagt der Bürgermeister des
       südkretischen Küstenortes Aghia Galini, Jannis Tatarakis].
       
       Die orkanartigen Winde schaffen äußerst schwierige Bedingungen für die nach
       dem tagelangen Kampf gegen die Waldbrände völlig erschöpften
       Feuerwehrkräfte. Sie erschweren die Arbeit der Einsatzkräfte am Boden und
       insbesondere aus der Luft. Kritiker erheben gegen die Regierung in Athen
       unter dem konservativen Premier Kyriakos Mitsotakis diesbezüglich derweil
       schwere Vorwürfe. Die Regierung Mitsotakis setze seit ihrem Amtsbeginn im
       Juli 2019 in der hierzulande offiziellen Waldbrandsaison vom 1. Mai bis zum
       31. Oktober auf die Brandbekämpfung vor allem aus der Luft, legen sie den
       Finger in die Wunde.
       
       ## Starke Winde erschweren Einsatz von Löschflugzeugen
       
       Zwar verfüge Griechenland über mittlerweile 85 staatliche Löschflugzeuge
       und Hubschrauber. Sie wurden teuer angeschafft, Betrieb und Wartung
       verschlingen zudem Unsummen von Geldern. Obendrein suchen über 100 mit
       Wärmebildkameras ausgestattete Drohnen aus der Luft nach Brandherden. Erst
       kürzlich entsendete Hellas sogar 4 eigene Satelliten mit Wärmebildkameras
       in das Weltall, um Brandherde zu orten.
       
       Bei starken Winden wie jetzt gilt jedoch: alles für die Katz. Die
       Löschflugzeuge können bei Tagesanbruch wegen der Starkwinde gar nicht erst
       starten, in der Nacht müssen sie ohnehin am Boden verharren. Am Boden
       operieren indes notgedrungen aus anderen Regionen entsandte Feuerwehrleute
       mit oftmals fehlenden Ortskenntnissen und nicht mehr wie früher die extrem
       ortskundigen lokalen Forstämter, [4][die überdies unter massiver
       Unterfinanzierung und eklatantem Personalmangel leiden].
       
       ## Mehr als 4.000 Quadratkilometer in fünf Jahren abgebrannt
       
       Die Folgen sind fatal: 2021 brannten 85 Großbrände ganze 130.744 Hektar
       nieder, wie das [5][Europäische Waldbrandinformationssystem (Effis)]
       erfasste. Es folgten 22.480 Hektar im Jahr 2022, 174.773 Hektar im Jahr
       2023, 41.948 Hektar im Jahr 2024 sowie 47.819 Hektar im Jahr 2025. Unter
       dem Strich belief sich die zwischen 2021 und 2025 in Hellas verbrannte
       Fläche auf enorme 417.764 Hektar.
       
       Das entspricht 4.177 Quadratkilometern oder der Gesamtfläche der drei
       Bundesländer Saarland, Berlin und Hamburg. Die Effis-Datenbank zählt nur
       Waldbrände mit einer Fläche von mindestens 30 Hektar. Unzählige kleinere
       Waldbrände bleiben unberücksichtigt. Im laufenden Jahr wurden laut Effis
       bisher 9.820 Hektar durch 21 größere Brände zerstört. Dabei beginnt der
       August, [6][der gefährlichste Monat der hiesigen Waldbrandsaison, erst am
       Samstag].
       
       31 Jul 2026
       
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