# taz.de -- Frankreich lernt aus Waldbränden: Die Botschaft der „Megafeuer“
       
       > Ganze Landstriche könnten durch die „Megafeuer“ in Frankreich unbewohnbar
       > werden. Da helfen keine Pflaster, sondern nur eine neue Art von
       > Solidarität.
       
 (IMG) Bild: Ein paar Löschflugzeuge mehr werden nicht helfen, Brandbekämpfung in Frankreich am 27. Juli
       
       Wenn die Brände gelöscht und die Rauchwolken mit dem Wind verzogen sind,
       bleiben im französischen Südwesten neben den Ruinen, den dezimierten und
       verkohlten Wäldern auch [1][die Schrecken über eine Katastrophe der neuen
       Art]. Es bleibt auch die Angst, dass der nächste Brand noch schlimmer wird.
       Dass er, befeuert durch die Klimakatastrophe, noch weiter eskaliert.
       
       Fatalismus macht sich breit: Das Klima ist schuld, und die Behörden und
       Regierenden waschen sich – geduldet durch einen guten Teil der Bevölkerung
       – die Hände in Unschuld. Ohnmächtig vertrösten sie die Bürger mit dem
       Versprechen, ein paar zusätzliche Löschflugzeuge zu kaufen. Aber sobald es
       wieder kälter wird, kommen die wenigen guten Vorsätze aufs Altpapier. Und
       die Rechte, die in Frankreich nach der Macht greift, will das Rad sogar
       ganz zurückdrehen.
       
       Es gibt keinen Anlass, vor den [2][neuen Aufgaben zu resignieren, die mit
       klimabedingten Katastrophen] einhergehen. Die Umweltpolitik muss sich
       ändern. Auch braucht es eine Zukunftsvision, die solidarisches
       Zusammenleben weiter ermöglicht. Wie passen wir uns an die neuen Umstände
       an? Wie schaffen wir trotz der erschwerten Bedingungen soziale
       Fortschritte?
       
       Bei den katastrophalen „Hundstagen“ im Jahr 2003, die rund 15.000
       Menschenleben forderten, habe man in Frankreich begriffen, dass „man an der
       Hitze sterben kann“, schreibt die Philosophin Cynthia Fleury [3][in einem
       gemeinsamen Beitrag in Le Monde mit dem Bürgermeister eines von der
       Feuerbrunst betroffenen Dorfs in der Gironde]. Die Lektion des Sommers 2026
       aber sei eine andere: „Nicht nur Individuen sind bedroht, sondern
       Territorien und ganze Landstriche“. Die „Megafeuer“ würfen nun die Frage
       nach der „Bewohnbarkeit“ und der menschlichen Umgestaltung der Natur auf.
       
       ## Katastrophale Monokulturen
       
       Eine verheerende Rolle spielen Monokulturen einer bestimmten – und
       angeblich sehr wirtschaftlichen – Kiefernart. Was in der Gironde im
       Département Landes großflächig verbrennt, ist kein Naturwald. Der Wald ist
       von Menschen gemacht. Und der Anbau nach forstwirtschaftlichen Kriterien
       [4][befeuert die Brandkatastrophe].
       
       Reicht es, vermehrt andere Baumarten anzupflanzen als die im französischen
       Südwesten seit Jahrzehnten bevorzugten Kiefern, wie dies Präsident Emmanuel
       Macron bei seinem Besuch in der Gironde empfahl? Dieses provisorische
       Pflaster wäre das absolute Minimum.
       
       Die bereits jetzt extremen Auswirkungen des Klimawandels zwingen uns,
       längerfristiger zu planen. Es reicht nicht mehr, bloß nach dem
       unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen zu handeln. Nicht der Profit einiger
       Unternehmen, sondern das gemeinsame Interesse und die Solidarität, wie sie
       die Brandopfer in ihren Notsituationen erfahren durften, müssen in den
       Vordergrund rücken. Es klingt so simpel –und dennoch weiterhin wie eine
       Utopie.
       
       30 Jul 2026
       
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