# taz.de -- Christopher Street Day in Berlin: Islamverbände verurteilen Anschlag
       
       > Deutsche Islamverbände äußern über den Anschlag auf den CSD in Berlin ihr
       > Entsetzen. Hass und Gewalt könnten nicht durch Religion gerechtfertigt
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Rosen an einem Zaun in der Nähe des Tatorts in Berlin
       
       Nach dem mutmaßlich[1][ islamistischen Anschlag auf den Christopher Street
       Day in Berlin] haben verschiedene Islamverbände sich entsetzt geäußert und
       die Tat verurteilt. „Wo Menschen aufgrund ihrer Identität oder ihrer
       Lebensweise zur Zielscheibe von Gewalt werden, werden die Grundwerte
       unseres Zusammenlebens angegriffen“, erklärte etwa [2][der Zentralrat der
       Muslime in Deutschland am Montag]. Sollte der Täter tatsächlich aus
       islamistischen Motiven gehandelt haben, „wäre dies ein weiterer Fall, in
       dem eine extremistische Ideologie religiöse Bezüge missbraucht, um Hass und
       Gewalt zu rechtfertigen sowie Menschen gegeneinander aufzubringen“.
       
       Gewalt gegen Unschuldige finde im Islam keine Rechtfertigung: Der Schutz
       des menschlichen Lebens gehöre zu seinen grundlegenden Prinzipien. Wer
       Religion dagegen instrumentalisiere, um Hass zu schüren oder Gewalt
       auszuüben, missbrauche den Glauben für menschenverachtende Ziele, erklärte
       der Zentralrat. Niemand dürfe aufgrund seiner sexuellen Orientierung,
       Religion oder Herkunft das Ziel von Gewalt werden: „Unsere Antwort auf Hass
       und Gewalt muss der gemeinsame Einsatz für Menschenwürde, Freiheit,
       Sicherheit und ein friedliches Zusammenleben sein.“
       
       Der DITIB-Bundesverband (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für
       Religion) mahnt den Schutz der Menschenwürde, den Einsatz für Frieden und
       die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhaltes an. „Der fürchterliche
       Anschlag in Berlin, bei dem eine Frau ihr Leben verlor und zahlreiche
       Menschen verletzt wurden, hat uns tief erschüttert. Unsere Gedanken sind
       bei den Angehörigen der Verstorbenen, den Verletzten sowie allen
       Betroffenen dieser abscheulichen Tat.“ Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer
       Identität, ihrer Überzeugungen oder Lebensführung stünde in unvereinbarem
       Widerspruch zu islamischen Grundwerten sowie zum
       freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat.
       
       Auch die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) verurteilte den
       „abscheulichen“ Angriff. „Wer Menschen angreift, ermordet oder in Angst
       versetzt, handelt nicht im Namen des Islams, sondern folgt einer
       menschenverachtenden Wahnideologie“, erklärte Generalsekretär Ali Mete am
       Sonntagabend. Den Islam und das Grundgesetz einten das Bekenntnis zur
       unantastbaren Menschenwürde. Für die Tat dürfe es weder religiöse noch
       politische Entschuldigungen geben.
       
       ## Keine einheitliche Stimme für Muslime in Deutschland
       
       Dem Zentralrat der Muslime in Deutschland gehören bundesweit etwa 300
       sunnitische wie schiitische Moscheevereine und Gemeinden an. In der
       Vergangenheit positionierte er sich wiederholt gegen die Diskriminierung
       und Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer Sexualität.
       
       DITIB vertritt [3][laut dem Mediendienst Integration] 960
       türkisch-sunnitische Moscheevereine und ist eng mit der türkischen
       Religionsbehörde „Diyanet“ verbunden. Eine Distanzierung zu [4][homophoben
       Äußerungen von deren obersten Islamgelehrten Ali Erbas im Jahr 2020] blieb
       bislang aus.
       
       Die ebenfalls türkisch-sunnitische Islamische Gemeinschaft Millî Görüş
       vertritt 518 Moscheegemeinden und Vereine europaweit, wird wegen ihrer
       Wurzeln in einer islamistischen Bewegung trotz ihrer öffentlichen
       Distanzierung teilweise vom Verfassungsschutz beobachtet.
       
       Keiner der Islamverbände beansprucht, in der Öffentlichkeit für alle
       Gläubigen zu sprechen. Die Moscheenlandschaft in Deutschland ist von unten
       gewachsen, teilweise konkurrieren die Verbände untereinander. Nur 70
       Prozent der islamischen Gebetsräume und Moscheen werden [5][durch die
       großen Dach- und Spitzenverbände vertreten oder sind in kleineren
       Zusammenschlüssen organisiert].
       
       27 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Anschlag-auf-den-Berliner-CSD/!6199275
 (DIR) [2] https://www.zentralrat.de/36017.php
 (DIR) [3] https://mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/informationspapier_islamverbaende.pdf
 (DIR) [4] https://www.deutschlandfunk.de/tuerkei-homophobie-im-namen-des-islam-100.html
 (DIR) [5] https://mediendienst-integration.de/fileadmin/Dateien/informationspapier_islamverbaende.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Raoul Spada
       
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