# taz.de -- Nach CSD-Attentat: Mehr Überwachung geht immer
> Nach dem Anschlag auf den Berliner CSD fordern Konservative mehr
> Überwachung. Dabei hat die Bundesregierung zuletzt schon Verschärfungen
> beschlossen.
(IMG) Bild: Sicherheit hochhängen: Überwachungskameras am Humboldt-Forum in Berlin-Mitte
Während sich die öffentliche Debatte zum [1][Anschlag auf den Berliner CSD]
bislang auf das Jugendstrafrecht konzentriert, fordern konservative
Politiker gleichzeitig auch mehr Überwachung und mehr Kompetenzen für die
Behörden. Allerdings hat die Bundesregierung hier zuletzt bereits
zahlreiche Verschärfungen auf den Weg gebracht. Und neue Details zur
Tatnacht legen nahe, dass die Behörden mit ganz anderen Problemen zu
kämpfen hatten.
Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, hatte
schon am Sonntag vorgeschlagen, die digitale Durchsuchung von Smartphones
und Computern auch in der Gefahrenabwehr zu erlauben. Bislang sind solche
Aktivitäten weitgehend auf Ermittlungen beschränkt, also den Zeitraum,
nachdem eine Tat bereits stattgefunden hat. Teggatz forderte außerdem noch
mehr Videoüberwachung an öffentlichen Orten.
Der Vorsitzende des Geheimdienst-Kontrollgremiums des Bundestages,
CDU-Politiker Marc Henrichmann, legte am Montag nach und forderte mehr
Datenaustausch zwischen Sicherheitsbehörden sowie „angemessene
Datenbevorratung“. Und der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im
Bundestag, Alexander Throm, forderte, gleich nach der Sommerpause einfach
alle Sicherheitsgesetze sofort zu verabschieden, die sich derzeit im
legislativen Verfahren befinden.
Tatsächlich haben Union und SPD in den letzten Monaten bereits zahlreiche
Verschärfungen auf den Weg gebracht. Im April beschloss das Kabinett etwa
einen neuen Anlauf für die seit Jahrzehnten umstrittene
Vorratsdatenspeicherung. Laut dem Gesetzentwurf sollen Internetanbieter die
IP-Adressen von Nutzern künftig drei Monate lang speichern.
## Automatische Gesichtserkennung
[2][Und das vom Bundestag im Juni beschlossene Bundespolizeigesetz sieht
vor, dass an Bahnhöfen und anderen öffentlichen Orten Überwachungskameras
zur automatischen Gesichtserkennung eingesetzt werden können.] Die
Technologie soll insbesondere in Gefahrensituationen erlaubt sein. Gut
möglich, dass die Fahndung nach dem Tatverdächtigen am Samstag ein
geeigneter Einsatzfall gewesen wäre. Noch steht aber die Zustimmung des
Bundesrats aus.
[3][Gleichzeitig arbeitet das Bundesinnenministerium an einer großen Reform
der Geheimdienste, die auch dem im Inland tätigen Bundesamt für
Verfassungsschutz neue Kompetenzen geben soll.] Zwar zielt das Vorhaben vor
allem auf die Abwehr von ausländischen Geheimdiensten, vornehmlich denen
von Russland, China und Iran.
Doch neue Kompetenzen, etwa aktives Hacken, Gesichtserkennung und
Datenauswertung per künstlicher Intelligenz würden auch das Vorgehen gegen
Terroristen verändern. Weil diese Möglichkeiten aber rechtlich besonders
heikel sind, gibt es von Datenschützern und Linken viel Kritik an den
Plänen. Der Anschlag vom Samstag dürfte den Befürwortern aber nun neue
Argumente liefern.
Daran wird wohl auch nichts ändern, dass der Anschlag vom Samstagabend
offenbar auch durch Probleme möglich wurde, die mit mehr Überwachung und
Kompetenzen nicht zu lösen gewesen wären. So berichtet die Bild-Zeitung
etwa, dass die Polizei am Samstagabend schon mit dem Abbau von Absperrungen
begonnen hatte, als der Tatverdächtige B. mit seinem Wagen in die
Besucher*innen des CSD raste.
Außerdem ist weiterhin unklar, wie der entsprechende Zugang zum Gelände am
Samstagabend überhaupt gesichert war. Betonblöcke, wie sie etwa an
Weihnachtsmärkten üblich sind, waren am morgen nach der Tat dort jedenfalls
nicht zu sehen.
27 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Trauermarsch-nach-CSD-Anschlag-in-Berlin/!6199348
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## AUTOREN
(DIR) Frederik Eikmanns
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