# taz.de -- Unionsfraktionschef tritt zurück: Der Fall des Jens Spahn
> In der CDU mehrte sich die Kritik an Spahn, der sich seinen Kinderwunsch
> mithilfe einer Leihmutter erfüllt hat. Nun hat sich wohl auch Merz gegen
> ihn gewandt.
(IMG) Bild: Tritt als Unionsfraktionschef zurück: Jens Spahn
Als Unionsfraktionsvorsitzender ist Jens Spahn, [1][der nun seinen
Rücktritt erklärt hat,] neben Bundeskanzler Friedrich Merz der mächtigste
CDU-Politiker des Landes. Als er und sein Partner die Geburt ihres
Nachwuchses mit einem glücklichen Selfie verkündet haben, dürften sie zwar
mit Kritik und Gegenwind gerechnet haben, vermutlich aber nicht in diesem
Ausmaß. Das Kind wurde von einer Leihmutter in den USA geboren, in
Deutschland ist ein solches Vorgehen verboten. [2][Spahns Partei ist selbst
erklärte Gegnerin von Leihmutterschaft, auch er selbst äußerte sich in der
Vergangenheit mehrmals ablehnend].
Es folgte Kritik in den sozialen Medien, vonseiten der anderen Parteien und
der für die Union so wichtigen Kirche. Auch die ausländische Presse
berichtet über den Fall. [3][Dann meldeten sich auch immer mehr
Parteikolleg:innen zu Wort und forderten Spahns Rücktritt]. Dem ist er
nun gefolgt. Am Samstagmittag wurde ein Schreiben von Spahn an die
Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion bekannt, das der Deutschen Presse-Agentur
vorlag, in dem er seinen Rückzug bekannt gab. Am Vortag hatte Bundeskanzler
Merz bereits angekündigt, am Montag im Präsidium über die Causa Spahn reden
zu wollen. Spahn ist kein Mitglied des Präsidiums, als
Fraktionsvorsitzender nimmt er dennoch gewöhnlich daran teil. Diesmal
sollte das jedoch nicht der Fall sein. Das zeigte schon: Es wird brenzlig
für Spahn.
In der Vergangenheit hätte es bereits zahlreiche Gründe gegeben, dass der
kanzlerambitionierte Spahn politisch erledigt ist. In politischen Kreisen
hieß es, die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihm nur das
Gesundheitsministerium anvertraut – einen schwierigen, undankbaren Job –,
um ihn zu düpieren und ihn in seiner Selbstüberschätzung vorzuführen.
Einen guten Job machte Spahn auch in der Tat nicht, sondern zeigte
zahlreiches politisches Fehlverhalten, das er auf wundersame Weise
unbeschadet durchstand: Der Kauf von völlig überteuerten und letztlich
nicht benötigten Coronamasken. Ein Spendendinner mit Unternehmern während
des Lockdowns, wonach er anschließend positiv auf Covid getestet wurde. Ein
undurchsichtiger Hauskredit für eine Millionenvilla in Berlin. Die
Verhinderung der Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf als Verfassungsrichterin.
Er saß alles einfach aus, zu fest verankert in Unionskreisen, zu mächtig
durch die Unterstützung seines Landesverbands, zu vielversprechend für den
rechtskonservativen Flügel, der sich nach Merkels Abgang schließlich
durchsetzte.
Und diesmal? Die CDU-internen Forderungen nach seinem Rücktritt, die zum
Teil auch aus seinem Landesverband kamen, waren nicht der einzige Grund für
Spahns heikle Situation.
Denn da ist die Unbeliebtheit des Bundeskanzlers. Der sammelt nicht nur in
Bevölkerungsumfragen Niedrigrekorde, sondern verliert auch den Rückhalt
seiner eigenen Parteikollegen. Spahn, der aus seinen Kanzlerambitionen
keinen Hehl machte, wurde ihm daher immer gefährlicher. In der Politik
gilt: Wer einem gefährlich werden könnte, den sollte man lieber beseitigen.
Noch hatte Merz die Macht dazu. Und die Gelegenheit war gerade wirklich
günstig.
18 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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