# taz.de -- Vorstoß zur Rente mit 63: Die Scheindebatte des Jahres
       
       > Drei Ost-CDU-Politiker fordern, die Rente mit 63 beizubehalten. Die
       > Diskussion wird noch drei Runden drehen – dann wird die Frührente doch
       > abgeschafft.
       
 (IMG) Bild: Drei CDUler vereint gegen die Rentenpläne: die Ministerpräsidenten Voigt, Schulze und Kretschmer
       
       Der Preis für die Scheindebatte des Jahres geht an die
       Ost-Ministerpräsidenten Kretschmer, Schulze und Voigt: Die drei
       CDU-Politiker fordern, die sogenannte [1][Rente mit 63 beizubehalten]. Die
       SPD hätte nichts dagegen, sofern das Unions-Trio den Rest seiner Partei
       überzeugt. Die Bundes-CDU blockt den Vorstoß aber ab.
       
       Angesichts des Sommerlochs wird die Diskussion voraussichtlich noch drei
       Runden drehen – und am Ende wird die abschlagsfreie Frührente doch
       abgeschafft. Allein schon, weil auf sie eines der größten Einsparpotenziale
       in der geplanten Rentenreform entfällt und die drei keinen Vorschlag zur
       Gegenfinanzierung liefern.
       
       Das Aus für die derzeitige Regelung ist sozialpolitisch auch kein Drama.
       Kretschmer und Co haben ihr Hauptargument von SPD und Gewerkschaften
       abgeschrieben: Das Rentensystem müsse die Lebensleistung von Arbeitnehmern
       honorieren, die 45 Jahre einbezahlt haben.
       
       Das stimmt zwar, geschieht aber schon dadurch, dass solche Menschen nach
       dem Erreichen der Regelaltersgrenze mehr Rente erhalten als Kollegen, die
       bei gleichem Gehalt kürzer gearbeitet haben. Die besonders langjährig
       Versicherten bleiben also auch dann bessergestellt, wenn sie nicht mehr
       zwei Jahre vor dem Rest abschlagsfrei in Rente gehen.
       
       ## Es kann nicht alles beim Alten bleiben
       
       Die wirkliche Gerechtigkeitsfrage stellt sich stattdessen im Detail: Was
       ist mit denen, die schon lange einzahlen, aber körperlich nicht bis 67
       durchhalten? Die Rentenkommission der Regierung hat für sie eine
       Härtefallregelung in Aussicht gestellt.
       
       Wer ärztlich attestiert bekommt, seinen Beruf nicht mehr ausüben zu können,
       soll weiterhin zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze eine Rente ohne
       Abschläge bekommen. Anders als bisher sollen dafür nicht 45 Beitragsjahre
       nötig sein, sondern nur noch 35. Für viele Versicherte, die sich krank
       arbeiten, könnte sich die Situation an der Stelle also sogar verbessern.
       
       Wenn die Regelung denn großzügig ausgestaltet wird und Betroffene für einen
       positiven Bescheid nicht erst im Rollstuhl sitzen müssen. Die
       Rentenkommission hat diese Ausgestaltung dem Gesetzgebungsprozess
       überlassen. Hier lässt sich in den nächsten Monaten etwas erreichen, ohne
       dafür das Rentenpaket an sich aufzuschnüren. Das wissen eigentlich auch die
       Ost-Ministerpräsidenten der CDU.
       
       In ihrem Rentenpapier schreiben sie selbst, dass es eine gute
       Härtefallregelung brauche – aber nur im Kleingedruckten. Öffentlich werden
       sie es daher kaum als Erfolg verkaufen können, wenn am Ende die Details
       stimmen. Mit der Scheindebatte für die Schlagzeilen ist nämlich die falsche
       Erwartung in der Welt, dass alles beim Alten bleiben könnte und nach der
       Reform kein einziger Versicherter schlechter gestellt ist als zuvor.
       
       3 Aug 2026
       
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