# taz.de -- Koalition uneins bei Rentenreform: SPD-Generalsekretär Klüssendorf will doch „Rente mit 63“
> Die Renten-Vorschläge sollten vollständig umgesetzt werden, so Kanzler
> Merz. Doch am Aus der abschlagsfreien Frührente gibt es Kritik aus CDU
> und SPD. Was nun?
(IMG) Bild: Die CDU-Führung besteht auf Abschaffung der „Rente mit 63“
afp/dpa | SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf stellt das von den
Koalitionsspitzen im Grundsatz bereits verabredete Aus für die
abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte wieder infrage.
In der Bild-Zeitung vom Samstag betonte er, deren Abschaffung sei „immer
eine zentrale Forderung der CDU“ gewesen. Für die SPD wäre dies hingegen
allenfalls „ein schmerzhafter Bestandteil eines Gesamtpakets zur
Rentenreform“.
„Für uns bleibt unsere Position in dieser Frage klar. Menschen, die sehr
lange gearbeitet und ihre Beiträge gezahlt haben, sollten die Möglichkeit
haben, früher abschlagsfrei in Rente zu gehen“, sagte Klüssendorf weiter.
„Das ist kein Geschenk und keine Sonderbehandlung. Sie haben sich das
verdient.“ Wenn daher die CDU „ihre Position in dieser wichtigen Frage
jetzt ändert und sich unserer Sicht annähert, wäre das ein richtiges
Signal“.
Klüssendorf bezog sich dabei auf Einwände ostdeutscher Ministerpräsidenten
gegen das von der [1][Reformkommission zur gesetzlichen Rentenversicherung]
empfohlene Aus für die „Rente mit 63“. Die abschlagsfreie Rente können
derzeit Menschen in Anspruch nehmen, die mindestens 45 Versicherungsjahre
nachweisen können. Dies galt ursprünglich ab einer Altersgrenze von 63
Jahren, diese steigt jedoch schrittweise auf 65 Jahre an. Aktuell beträgt
der Grenzwert etwa 64,5 Jahre.
## CDU-Ministerpräsidenten intervenieren
Die drei CDU-Ministerpräsidenten in Ostdeutschland – Michael Kretschmer
(Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) –
hatten am Donnerstag gemeinsam gefordert, die abschlagsfreie Rente nach 45
Versicherungsjahren doch zu erhalten. Sie begründeten dies damit, dass eine
Abschaffung die Menschen in Ostdeutschland besonders hart treffen würde, wo
viele im Alter ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind.
Ähnlich äußerten sich auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke
und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (beide
SPD). Hingegen dringt auch die CSU auf das Aus für die abschlagsfreie Rente
für besonders langjährig Versicherte. Nach [2][Bekanntgabe der
Kommissionsvorschläge] hatten auch führende SPD-Politikerinnen und
-Politiker sich für deren Umsetzung ausgesprochen.
## CDU-Führung besteht auf Abschaffung der „Rente mit 63“
Im parteiinternen Streit um die Abschaffung der „Rente mit 63“ stellt die
CDU-Führung ihren Kurs klar. Unionsfraktionschef Thorsten Frei und die neue
Generalsekretärin Franziska Hoppermann machten deutlich, dass die CDU an
der Abschaffung der abschlagsfreien Frührente („Rente mit 63“) als [3][Teil
eines Reformpakets bei der Rente] festhält.
„Die Reform ist als ausgewogenes Gesamtpaket angelegt“, sagte Hoppermann
der Deutschen Presse-Agentur. Wer einzelne, politische Punkte wie die
„Rente mit 63“ herauslöse, gefährde die Tragfähigkeit des Kompromisses.
„Das muss richtungsweisend für beide Koalitionspartner sein. Unser Ziel
bleibt eine verlässliche Rente, die Lebensleistung anerkennt und zugleich
auch für die jüngeren Generationen finanzierbar ist.“
Frei sagte der Bild-Zeitung, der Vorschlag der Rentenkommission zur „Rente
mit 63“ sei „vollkommen richtig“ und „ein wirklich kluger Vorschlag“. Mit
Blick auf die Vorschläge der Rentenkommission sagte er: „Wir haben uns in
der Koalition darauf verständigt, dass wir dieses Gesamtkunstwerk, das es
ist, auch in seinen Grundzügen so umsetzen möchten. Und dazu stehe ich auch
ganz persönlich.“
## CSU mahnt CDU zur Koalitionsdisziplin
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD)
hatten bekundet, alle Empfehlungen der Rentenkommission vollständig
umsetzen zu wollen. Bas hatte von einem „Gesamtkunstwerk“ gesprochen.
Die CSU mahnte ihre Schwesterpartei CDU zur Koalitionsdisziplin. Wenn die
Chance einer Rentenreform verpasst werde, hinterließen Union und SPD der
jungen Generation leere Sozialkassen und enorme Verpflichtungen, sagte
CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann der Augsburger Allgemeinen
(Samstagausgabe). „Diese Reform verfolgt ein klares Ziel: Wir wollen die
Rente verlässlich und generationengerecht ausgestalten.“ Dafür brauche es
„tragfähige Kompromisse von jeder Seite“.
Die Junge Union warnt vor einem „leichtfertigen Spiel“ mit den
schwarz-roten Rentenreformplänen. „Bei allem Verständnis für Wahlkampf- und
Parteiprofilierung: Bitte bleibt verantwortungsvoll und seriös“, sagte ihr
Vorsitzender, der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Winkel, dem
Tagesspiegel (Online- und Sonntag-Ausgabe): „Mit der Zukunft und der
erzielten Renteneinigung sollte man nicht so leichtfertig spielen.“
## Vorschlag der Rentenkommission
Die „Rente mit 63“ ist ein gebräuchliches, aber nicht mehr ganz korrektes
Schlagwort: Aktuell ist der frühere Renteneintritt ohne Abschläge bei
ausreichend Versicherungszeit ab einem Alter von 64,5 Jahren möglich. Im
Bericht der Expertenkommission heißt es, vom abschlagsfreien früheren
Rentenzugang profitierten vor allem Besserverdienende, Gesündere und Männer
– während Geringverdienende, Personen mit weniger stabilen Erwerbsverläufen
und Frauen sie nicht in Anspruch nehmen könnten. „Die Abschlagsfreiheit
führt faktisch zu höheren Renten zu Lasten der Versichertengemeinschaft.“
Die Abschaffung des abschlagsfreien vorgezogenen Rentenzugangs könne die
Finanzen der gesetzlichen Rentenversicherung dauerhaft entlasten, heißt es
im Bericht der Alterssicherungskommission weiter. Würden alle Versicherten
ihren Renteneintritt um ein Jahr aufschieben, ergäben sich Einsparungen für
die Rentenversicherung von rund 6,5 Milliarden Euro pro
Rentenzugangsjahrgang. Zudem sei mit zusätzlichen Beitragseinnahmen zu
rechnen, da zumindest ein Teil der Betroffenen den Renteneintritt
aufschiebe, dem Arbeitsmarkt länger zur Verfügung stehe und länger
erwerbstätig sein dürfte.
1 Aug 2026
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