# taz.de -- Nach den Widersetzen-Protesten in Erfurt: Angriff auf Verfolgte des Naziregimes
       
       > Nach einer rechten Medienkampagne: Die Berliner Finanzverwaltung prüft
       > laut Medienberichten die Gemeinnützigkeit des Verbands VVN-BdA.
       
 (IMG) Bild: Die Fahne der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
       
       Seit den Massenprotesten gegen den AfD-Bundesparteitag in Erfurt lassen
       Apollo News, Nius und verschiedene Springer-Medien nicht von dem
       Protestbündnis Widersetzen ab. Allein das Rechts-außen-Medium Apollo News
       hat in den letzten Wochen in nicht weniger als 40 Artikeln versucht, einen
       Skandal um Widersetzen zu produzieren. Dabei hat das Medium unter anderem
       den Klarnamen und die Arbeitgeberin einer Sprecherin von Widersetzen
       publiziert. In anderen Artikeln versucht das Medium, Druck auf jede
       Organisation aufzubauen, die sich nicht von Widersetzen distanziert.
       
       Nun hat die Medienkampagne offenbar erste Erfolge erzielt. Laut der Welt
       soll die Berliner Finanzverwaltung unter der Schirmherrschaft von Stefan
       Evers (CDU), der Berlins kommender Bürgermeister werden will, eine Prüfung
       der Gemeinnützigkeit des VVN-BdA veranlasst haben, der Vereinigung der
       Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschist:innen. Grund dafür ist
       offenbar vor allem, dass der VVN-BdA das Spendenkonto von Widersetzen
       verwaltet.
       
       Die Finanzbehörde sei unter anderem von einem [1][Angriff auf Mitarbeiter
       von Apollo News] am Rande der – ansonsten friedlichen – Proteste gegen die
       AfD in Erfurt „aufgeschreckt“, schreibt die Welt. Die Verwaltung prüfe
       deshalb, inwiefern es sich beim VVN-BdA um eine „Tarnstruktur“ für
       Widersetzen handeln könnte. Wie konkret diese Prüfung ist, lässt sich
       schwer sagen. Die Berliner Finanzverwaltung wollte den Vorgang gegenüber
       der taz nicht bestätigen. Aufgrund des Steuergeheimnisses könne man sich
       grundsätzlich nicht zu Einzelfällen äußern.
       
       [2][Der VVN-BdA war bereits 2019 ins Visier der Berliner Behörden geraten,
       aufgrund einer damaligen Nennung im bayerischen Verfassungsschutzbericht.]
       Im Jahr 2021 wurde dem VVN-BdA, der vielerorts Bildungsarbeit betreibt und
       Stolpersteine verlegt, die Gemeinnützigkeit wieder zugesprochen. Eine
       Aberkennung könnte für den Verein existenzbedrohende steuerliche
       Rückzahlungen bedeuten.
       
       ## Morddrohungen gegen Pressesprecher:innen
       
       Man wisse, dass rechte Medienakteure derzeit die Finanzbehörden mit
       Anfragen zur Gemeinnützigkeit des VVN-BdA bombardieren, sagte Florian
       Gutsche zur taz, einer der zwei Bundesvorsitzenden des VVN-BdA. Dass eine
       solche Prüfung Erfolg hat, glaubt er nicht. Die Unterstützung für
       Widersetzen sei kein Geheimnis, der Verein mache auch transparent, dass er
       das Spendenkonto des Bündnisses betreibt. Ansonsten gebe es keine
       Begründung für einen Entzug der Gemeinnützigkeit: „Das Berliner Finanzamt
       hat die Behauptung, wir seien ‚extremistisch‘, als widerlegt beschieden.
       Die Frage ist eigentlich geklärt“, so Gutsche.
       
       Die Welt raunt, dass der VVN-BdA nicht parteipolitisch neutral sei –
       [3][weil Widersetzen zum Widerstand gegen die AfD, aber auch gegen CDU und
       BSW aufruft, sollten diese Parteien nach den Landtagswahlen in
       Sachsen-Anhalt mit der AfD koalieren]. Gutsche empört dieser Vorwurf. „Wir
       haben aus den Erfahrungen unserer Gründer:innen den Auftrag, gegen die
       Erstarkung des Faschismus zu kämpfen, deshalb bekämpfen wir die AfD“, sagt
       er. Der VVN-BdA dürfe sich nicht von einer Partei vereinnahmen lassen,
       müsse aber keineswegs neutral gegenüber einzelnen Parteien sein.
       
       Nach dem Angriff auf die Mitarbeiter von Apollo News hatte es einen breiten
       medialen Aufschrei gegeben – insbesondere, da sich Widersetzen zunächst
       nicht von dem Angriff distanziert hatte. Inzwischen hat das Bündnis
       mitgeteilt, dass der Angriff nicht dem Aktionskonsens entsprochen habe. Das
       Bündnis verweigert jedoch weiterhin die Zusammenarbeit mit rechten Medien.
       Die Sprecher:innen der Gruppe seien inzwischen einem „koordinierten
       rechten Angriff“ ausgesetzt, teilte Widersetzen kürzlich mit. Tatsächlich
       liegen auch der taz zahlreiche E-Mails mit Morddrohungen gegen die
       Aktivist:innen vor.
       
       14 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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