# taz.de -- Kultur für alle: Strömende Scharen
       
       > Kultur kann Häuser füllen, das zeigt sich gerade im Kölner Museum Ludwig
       > bei der Yayoi-Kusama-Ausstellung und im Kino mit dem neuesten Nolan-Film.
       
 (IMG) Bild: Viele Menschen wollen sich in in den Pünktchenmeeren von Yayoi Kusama verlieren. Großer Andrang im Kölner Museum Ludwig
       
       Kann sich noch jemand daran erinnern, wie das war, als 2020 auf einmal
       alles geschlossen war? Als die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie
       dazu zwangen, daheim zu bleiben, und an den Besuch einer
       Theatervorstellung, eines Kinos oder Museums gar nicht zu denken war?
       
       Damals wurde befürchtet, Menschen könnten verlernen, dass es Spaß macht,
       Kultur zu erleben und langfristig wegbleiben. Weil es zu Hause schön
       gemütlich ist, Filme ja sowieso irgendwann gestreamt werden können und es
       eh viel zu anstrengend ist, sich irgendwo physisch unter die Leute zu
       begeben.
       
       Dass dem nicht so ist, beweist dieser Tage unter anderem der kürzlich
       angelaufene Film [1][„The Odyssee“ von Christopher Nolan]. Weltweit hat das
       Heldenepos an seinem Eröffnungswochenende geschätzte 264 Millionen
       US-Dollar eingespielt, ein durchaus kontrovers diskutiertes und immerhin
       fast dreistündiges Machwerk, das muss man schon wollen. Viele wollen das
       offenbar.
       
       So wie sich ebenfalls sehr viele Menschen, längst nicht nur aus
       Nordrhein-Westfalen und ganz gewiss auch nicht nur solche, für die der
       Besuch einer Kunstausstellung zum üblichen Zeitvertreib gehört, derzeit im
       Kölner Museum Ludwig in den Pünktchenmeeren von [2][Yayoi Kusama] verlieren
       und auf ihrer Smartphonekamera wiederfinden wollen. 100.000 Besucher:innen
       zählte die Ausstellung der japanischen Künstlerin schon nach vier Wochen.
       
       ## Yayoi Kusama erfolgreicher als Edward Hopper
       
       Zeitfenster schrumpften in sich zusammen, sodass das Museum zwei
       Yayoi-Kusama-Nächte Anfang August einberaumte mit Öffnungszeiten bis 2 Uhr
       morgens. Auch die sind längst ausgebucht und die Schau offiziell
       erfolgreicher als der Allzeitrekordhalter des Museums, eine
       Edward-Hopper-Ausstellung die 2004/05 rund 380.000 Menschen besuchten.
       Annähernd mithalten kann auch [3][die Brancusi-Ausstellung in der Berliner
       Neuen Nationalgalerie], die wie am Donnerstag gemeldet wurde, bis zum Ende
       ihrer Laufzeit mehr als 300.000 Besucher:innen angelockt haben wird.
       
       Kultur bewegt eben, große Geschichten, von Menschen erdachte Kunst,
       bestimmt nicht nur im Mainstream. Woran hiermit vor allem diejenigen
       erinnert seien, die ihr gerade die Förderung entziehen.
       
       28 Jul 2026
       
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 (DIR) Beate Scheder
       
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