# taz.de -- Folgen für die Erdatmosphäre: Wieso Satelliten zum Klimaproblem werden
> Langsam wird es eng am Firmament: Nach Elon Musk eignet sich auch
> Amazon-Boss Jeff Bezos den Orbit an und schickt massenhaft Flugkörper ins
> All.
(IMG) Bild: Fast wie ein Sternenhimmel. Nur, der gehört niemandem. Satelliten mehren hingegen den Reichtum von Überreichen
Satelliten werden zunehmend zu einem Klimaproblem: Starts, die Emissionen
der Antriebe und ausgediente Raketenstufen verschmutzen die Erdatmosphäre
stärker als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des
University College London im Fachmagazin [1][Earth's Future].
Sie werteten Daten zu Raketenstarts der Jahre 2020 bis 2022 aus. Ergebnis:
Durch die Verbrennung des Treibstoffs entstehen Rußpartikel und andere
Schadstoffe, die deutlich länger in den Schichten der Erdatmosphäre
verbleiben als vergleichbare Verbrennungsrückstände in bodennahen
Luftschichten. Ihre Wirkung auf die Klimaerhitzung ist deshalb rund 500 Mal
stärker.
Das Team beklagt vor allem die [2][explosionsartige Entwicklung am
Firmament]: Umkreisten Anfang der 1990er Jahre etwa 2.000 Satelliten die
Erde, so sind es heute bereits 15.000. Während die Zahl staatlich
geförderter Raumkörper – etwa für Forschungszwecke – nur um 50 Prozent
zunahm, schoss der private US-Konzern SpaceX von Elon Musk für sein
weltraumgestütztes Internetsystem Starlink fast 12.000 Satelliten in eine
niedrige Umlaufbahn. Der Studie zufolge war Starlink 2022 allein für 35
Prozent der gesamten Klimawirkungen der Raumfahrt verantwortlich.
Und das ist nur ein Anfang: Um selbst in den entlegensten Winkeln der Erde
zuverlässiges Internet anbieten zu können, will [3][SpaceX] wenigstens
42.000 Satelliten in die Umlaufbahn bringen. Nach Branchenangaben hat
Starlink aktuell mehr als 10 Millionen Kunden, das Satelliteninternet ist
mittlerweile auch in Deutschland erhältlich.
## 10 Exemplare für die Bundeswehr
Musks Firma ist nicht die einzige, die in den Orbit drängt: Jeff Bezos
Amazon installiert gerade sein milliardenschweres Projekt „Leo“; nach
Einschätzung der Bank of America dürfte Amazon noch im dritten Quartal ein
kommerzielles Angebot auf den Markt bringen. Mehr als 300 Satelliten sind
dafür bereits unterwegs, Anfang des Jahres erhielt Amazon zusätzlich die
Genehmigung für eine Erweiterung auf insgesamt 7.727 Satelliten. Zum
Vergleich: Der Bundesrepublik lassen sich 73 Satelliten zuordnen, 10 davon
nutzt die Bundeswehr.
Die satellitenbedingten Rußpartikel reflektieren Sonnenlicht in der oberen
Atmosphäre, weshalb sie einen leicht kühlenden Effekt auslösen, wie die
Forscher erklären. Allerdings berge dieser Effekt viele Gefahren und sei
deutlich zu gering, um die Klimaerhitzung abzubremsen: „Die Verschmutzung
durch die Raumfahrtindustrie ist wie ein kleines, ungeregeltes
[4][Geoengineering-Experiment], das viele unbeabsichtigte und
schwerwiegende Umweltfolgen haben könnte“, warnen die Forscher. Derzeit
seien die Auswirkungen auf die Atmosphäre noch gering. Es müsse aber
gehandelt werden, „bevor daraus ein gravierendes Problem wird, das
schwieriger rückgängig zu machen oder zu beheben ist.“ Bislang habe es nur
begrenzte Bemühungen zur Regulierung gegeben.
## Selbstverstärkender Effekt
Der Klimawandel selbst begrenzt den Platz, in dem Satelliten kreisen
können, zeigte [5][eine Studie vor Jahresfrist]: Der [6][Low Earth Orbit],
in dem Satelliten kreisen, befindet sich in der [7][Thermosphäre]. Weil
Kohlendioxid die von der Erde abgestrahlte Infrarotstrahlung blockiert,
schrumpft diese aber.
Die Atmosphäre der Erde besteht aus einzelnen Schichten. Die erste ist die
Troposphäre, sie ist die dünnste, acht Kilometer über dem Äquator hoch.
Dann folgt die Stratosphäre, in der sich die Ozonschicht befindet und der
Großteil jener menschengemachten Treibhausgase, die unser Klima immer
weiter anheizen. Zwischen Höhenkilometer 50 und 80 kommt die Mesosphäre –
die kälteste Schicht mit Temperaturen von bis zu minus 100 Grad. Danach
beginnt die Thermosphäre mit dem Low Earth Orbit.
Durch die Erderwärmung heizen sich Troposphäre, Stratosphäre und Mesosphäre
weiter auf, so das Ergebnis der Arbeit unter Leitung des Massachusetts
Institute of Technology. Die Thermosphäre aber kühlt sich ab und schrumpft.
Dadurch ändert sich auch die Dichte der unteren Thermosphäre; es gibt
weniger Teilchen, die Weltraumschrott abbremsen können und zum Verglühen
bringen – ergo mehr Trümmerteile. Ohne Klimaschutz würde sich „die
Satelliten-Transportkapazität zwischen 200 und 1.000 Kilometern Höhe um 50
bis 66 Prozent“ verringern, schreiben die Forscher.
Im Herbst hatte die UNO versucht, ein international verbindliches Regelwerk
für den Weltraum zu verabschieden. Doch die [8][Outer Space Security
Conference] ging in Genf ohne Ergebnis zu Ende. „Wir haben wirklich keinen
Mangel an Lösungen“, konstatierte die französische Weltraumexpertin
Béatrice Hainaut vom Institut für strategische Studien der französischen
Streitkräfte: „Wir haben einen Mangel an politischem Willen.“
4 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1029/2025EF007229
(DIR) [2] /Geopolitik-im-Weltraum/!6166170
(DIR) [3] /Boersengang-von-SpaceX/!6180796
(DIR) [4] /Jahrestagung-des-UN-Umweltprogramms/!5991897
(DIR) [5] https://www.nature.com/articles/s41893-025-01512-0
(DIR) [6] https://platform.leolabs.space/visualization
(DIR) [7] https://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2020/11/6.html
(DIR) [8] https://unidir.org/event/outer-space-security-conference-2025/
## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
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