# taz.de -- Regierungserklärung von Merz: Ehrlich, aber falsch
> Entweder Sozialpolitik oder Verteidigungsfähigkeit – diese beiden
> Alternativen präsentiert Bundeskanzler Merz. Das sind für die Stabilität
> der Demokratie schlechte Nachrichten.
(IMG) Bild: Erklärt und urteilt gern und viel, leider meist an der Realität der meisten Menschen vorbei: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
Erklärung kommt von erklären. [1][Der Regierungserklärung des Kanzlers] war
das am Donnerstag aber nicht anzumerken. Auf die Fragen, die die
Koalitionspläne der vergangenen Wochen in der Bevölkerung ausgelöst haben,
hat Friedrich Merz im Bundestag keine Antworten präsentiert. Kein Wort
dazu, warum sich Arbeitnehmer*innen in Zukunft schon am ersten
Krankheitstag zum Arzt schleppen sollen. Keines dazu, warum Schwarz-Rot
jungen Familien das Elterngeld für zwei Monate streicht. Und auch keines
dazu, warum die Regierung keine zwei Wochen nach der Rekordhitze [2][die
Wärmepumpen-Förderung kappt.]
Nur einmal wandte sich Merz an „Bürgerinnen und Bürger, die Zweifel haben“
– allerdings auf allgemeiner Ebene und auf eine wenig gewinnende Weise. Ob
das viele Geld für die Rüstung nicht besser in Maßnahmen für den sozialen
Zusammenhalt aufgehoben wäre? „Meine Damen und Herren, das beste soziale
Sicherungssystem nützt nichts, wenn wir nicht in Freiheit und in Frieden
leben.“ Das stimmt zwar. Wer tot ist, bekommt keine Sozialleistungen mehr.
Der Satz ist aber nicht komplett. Was fehlt: Dass sich umgekehrt ohne ein
gutes Sozialsystem auch Freiheit und Frieden nicht sichern lassen.
Das gilt nach innen wie nach außen. Macht die Regierung das Leben der
Menschen mühsamer, wird der Rückhalt der Wähler*innen für demokratische
Parteien weiter sinken. Und empfinden sie ihren Staat nicht als hilfreich,
werden sie ihn auch nicht verteidigen. Der [3][neuen Jugendbewegung gegen
die Wehrpflicht] ist das schon anzumerken.
Entweder sozialer Zusammenhalt oder Verteidigungsfähigkeit: Mit dieser
Gegenüberstellung ist Merz immerhin ehrlich. Die Politik seiner Koalition
läuft nämlich darauf hinaus. Richtiger wäre es aber, die Regierung würde
beides miteinander austarieren – indem sie bei der Aufrüstung maßhält und
die Rechnung nicht der breiten Bevölkerung hinlegt, sondern erst mal den
Wenigen mit sehr hohen Vermögen.
9 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Schulze
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