# taz.de -- CDU-Fördergeldaffäre in Berlin: Ermittlungen gegen Wedl-Wilson, Klage gegen Chialo
> Der Berliner Ex-Kultursenatorin droht wegen schwerer Untreue in der
> Fördergeldaffäre eine Haftstrafe. Gegen Joe Chialo will der
> Untersuchungsausschuss Klage einreichen.
(IMG) Bild: Sarah Wedl-Wilson droht neues Ungemach
Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen die im April
zurückgetretene ehemalige Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, für
die CDU) wegen des Anfangsverdachts der Untreue in einem besonders schweren
Fall aufgenommen, wie ein Sprecher auf Anfrage der taz bestätigte.
Hintergrund ist die rechtswidrige [1][Vergabe von 2,6 Millionen Euro
Fördergeldern an Antisemitismusprojekte]. Im Falle einer Verurteilung
drohen der Ex-Senatorin bei diesem Straftatbestand zwischen 6 Monaten und
10 Jahren Haft – dabei gilt die Unschuldsvermutung. Zunächst hatte der
Spiegel berichtet.
Wedl-Wilson hatte die Förderbescheide für 13 teils fragwürdige Projekte
entgegen aller Warnungen aus der Verwaltung persönlich unterschrieben. Der
Landesrechnungshof beurteilte in einem Bericht das gesamte Vergabeverfahren
aus einem Sondertopf für Antisemitismusprävention ohne fachliche Prüfung
und unter Missachtung gängiger Regeln wie der Leistung eines Eigenanteils
als [2][„evident rechtswidrig“]. Es hieß: „Die betreffenden
Zuwendungsbescheide hätten auf dieser Grundlage nicht erlassen werden
dürfen.“
Eine strafrechtlich relevante Untreue steht im Raum, wenn der Zweck der
Förderung nicht erfüllt ist. Die Schwere ergibt sich daraus, dass
Wedl-Wilson in ihrer Funktion als Amtsträgerin gehandelt hat, sowie
aufgrund der hohen Geldsumme. Angezeigt wurde Frau Wedl-Wilson vom
Rechtsanwalt Moheb Shafaqyar bereits im November 2025. Zu den nun
aufgenommen Ermittlungen sagte er der taz: „Wer Millionen der Allgemeinheit
nach sachfremdem politischem Gutdünken bewegt, muss wissen: Am Ende fragt
nicht nur der Rechnungshof, sondern womöglich die Staatsanwaltschaft. Gut,
dass die aktuelle Regierung diese Lektion jetzt lernt.“
Wedl-Wilson war nach der Prüfung des Rechnungshofes zurückgetreten.
Initiatorin dieser Förderpraxis war sie gleichwohl nicht. Es waren die
CDU-Abgeordneten Christian Goiny und Dirk Stettner, die dem vormaligen
Kultursenator Joe Chialo (CDU) eine Liste von zu fördernden Projekten
vorgelegt hatten, für die sich Chialo bis zu seinem Rücktritt starkgemacht
hatte. Chialo hatte im Nachhinein mithilfe eines Rechtsgutachtens jede
Verantwortung von sich gewiesen.
## Die glücklichen drei
Gegen Chialo, Stettner und Goiny ermittelt die Staatsanwaltschaft nach
eigener Aussage nicht, obwohl Shafaqyar auch sie angezeigt hatte. Der
Anwalt kritisiert, dass die strafrechtliche Antwort auf diesen Komplex in
einem einzigen Untersuchungsverfahren liegen soll: „Die Staatsanwaltschaft
hat die Verantwortung dort abgeschnitten, wo sie politisch beginnt.“
Ähnlich sieht es auch der Grünen-Abgeordnete Daniel Wesener, der die Affäre
ins Rollen gebracht hatte. Auf Bluesky schrieb er: „Die Ermittlungen gegen
die Senatorin a. D. sind folgerichtig. Aber dass die Frau rechtlich den
Kopf für etwas herhalten muss, das maßgeblich drei (CDU)-Männer zu
verantworten haben, finde ich unerträglich.“
Chialo droht derweil anderes Ungemach: Weil er [3][vor dem
Untersuchungsausschuss zur Fördergeldaffäre jede Aussage verweigerte], will
der Ausschuss gegen ihn Klage beim Landgericht auf ein Ordnungsgeld
einreichen. Die Ausschussvorsitzende Manuela Schmidt (Linke) sagte der taz:
„Der Ausschuss hat dieses Vorgehen in seiner letzten Sitzung einvernehmlich
festgelegt und beschlossen.“ Chialo habe bei seiner Vernehmung „noch nicht
einmal begründet, warum er von seinem Recht auf Auskunftsverweigerung
Gebrauch macht“, so Schmidt. Auch teile man seine Rechtsauffassung nicht,
dass ihm ein vollumfängliches Auskunftsverweigerungsrecht zustehe.
Chialo und seine Anwälte, die während der Befragung mehrfach unbefugt das
Wort ergriffen, hätten „grob die Würde des Parlaments missachtet“, so
Schmidt. Anders habe der Ausschuss den Auftritt von Wedl-Wilson bewertet,
die sich zumindest in einem Eingangsstatement geäußert hatte. Weitere
Fragen hatte sie indes mit Verweis auf mögliche staatsanwaltschaftliche
Ermittlungen nicht beantwortet. Ob sie dies durfte, klär derzeit der
wissenschaftliche Parlamentsdienst in einem Gutachten.
Falls das Gericht schnell genug entscheidet, könnte Chialo noch einmal zu
einer Sondersitzung des Ausschusses vorgeladen werden. Dies müsste aber vor
der nächsten Plenarsitzung am 27. August geschehen. Dort soll das
Abgeordnetenhaus den Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses beraten.
Ein einhelliges Votum wird es dabei nicht geben. SPD und CDU haben mit
ihrer Mehrheit einen Abschlussbericht durchgesetzt, der die Verantwortung
für die Fördergeldaffäre vor allem in Fehlern der Verwaltung sieht. Schmidt
sagt: „Das wird dem Ganzen nicht gerecht.“ Grüne und Linke werden in einem
Sondervotum ihre Sicht der Dinge darstellen: „Da sollte drinstehen, dass es
hier Grenzüberschreitungen gegeben hat“, so Schmidt, „und man nicht nur mit
dem Finger auf die Verwaltung zeigen kann.“
9 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Erik Peter
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