# taz.de -- Proteste gegen AfD-Parteitag: Fascho sein heißt früh aufstehen
> Der Bundesparteitag der AfD konnte rechtzeitig starten – trotzdem waren
> die Proteste kein Misserfolg. Der Widerstand ist groß, vielfältig und
> gesellschaftlich verankert.
(IMG) Bild: Nötigung mit Körpereinsatz oder friedlich-ziviler Ungehorsam? Eine Sitzblockade am Tag des AfD-Bundesparteitages in Erfurt
Der AfD ist ohne Frage ein Clou gelungen. Die rechtsextreme Partei hat es
geschafft, dass [1][ihr Bundesparteitag] trotz [2][der groß angekündigten
Blockaden] ohne Verzögerung beginnen konnte. Zwar hatten Tausende
Protestierende seit den frühen Morgenstunden alle Zufahrtsstraßen
blockiert. Doch die Parteispitze und andere Delegierte übernachteten direkt
im Légère-Hotel an der Messe, andere Delegierte reisten bereits mitten in
der Nacht an, als die über 230 Busse aus ganz Deutschland und Österreich
noch unterwegs waren. Das Ziel von Widersetzen, den Parteitag durch
Blockaden möglichst lange hinauszuzögern, ist in diesem Sinne also
gescheitert.
Und trotzdem greift es viel zu kurz, jetzt von einer Niederlage zu reden.
31.000 Menschen haben sich laut Polizei an den Protesten in Erfurt
beteiligt, laut Widersetzen sollen es sogar über 50.000 Menschen gewesen
sein, davon 17.000, die sich Blockadeaktionen angeschlossen haben. Der
Protesttag war damit einer der größten, die es bisher gegen einen
AfD-Parteitag gegeben hat. Zum Vergleich: In Gießen sprach die Polizei von
25.000 Teilnehmer:innen, in Riesa von 10.000 Protestierenden.
Was stimmt, ist, dass die Blockaden in diesem Jahr durch die fehlende
Verzögerung überwiegend symbolisch waren. Doch symbolisch sind
Massenaktionen des zivilen Ungehorsams immer. Auch bei den bisherigen
Widersetzen-Blockaden in Gießen, Riesa und Essen hat niemand ernsthaft
damit gerechnet, den Parteitag gänzlich zu verhindern. Es ging immer um die
Inszenierung von Widerstand und die Zurschaustellung davon, dass sich im
Kampf gegen den Faschismus Zehntausende auch über geltendes Recht
hinwegsetzen und Polizeigewalt aushalten – um so ein breiteres
gesellschaftliches Umdenken zu bewirken.
Und hier waren die Proteste ein voller Erfolg. Trafen die
Aktivist:innen in Riesa noch auf hochgeklappte Bürgersteige und viel
Angst vor marodierenden Antifa-Horden, hat Widersetzen in Erfurt im Vorfeld
an Zehntausende Haustüren geklingelt. Das gewerkschaftlich geprägte Bündnis
Zusammenstehen hat über 70 Veranstaltungen in der Stadt organisiert – vom
antifaschistischen Schminken bis zu Stadttouren. Ein Erfolgsrezept: Von den
Straßenrändern und Balkonen schlug den Antifaschist:innen viel
Sympathie entgegen, nicht wenige Regenbogenflaggen hingen die Fenster
herunter. Wer sich mit Passant:innen unterhielt, erlebte überwiegend
positive Reaktionen.
Das liegt auch an der Selbstdisziplin der Protestierenden. Von vereinzelten
Übergriffen auf Rechte abgesehen, hielten sich die Zehntausenden
Teilnehmer:innen strikt an den Kodex, AfDler:innen zu blockieren,
aber nicht zu attackieren. Die Polizei sprach am frühen Samstagnachmittag
von null Festnahmen. Die Aktivist:innen haben damit gezeigt, dass
antifaschistischer ziviler Ungehorsam massentauglich, legitim und selbst in
Ostdeutschland tief in der Zivilgesellschaft verankert ist. Das macht
Hoffnung, gerade mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt.
4 Jul 2026
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(DIR) Timm Kühn
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