# taz.de -- AfD-Parteitag in Erfurt: Weidels Wahlverein
> Tino Chrupalla ist der große Verlierer des AfD-Parteitages. Seine
> Co-Vorsitzende Alice Weidel kann ihre Machtbasis festigen.
(IMG) Bild: Alice Weidel scheint die AfD im Griff zu haben
Oberflächlich betrachtet [1][ergänzen sich Tino Chrupalla und Alice Weidel]
gut – und diese Erzählung hat die AfD auch lange bespielt. Er, der
Malermeister aus Sachsen, galt dabei als Mann der Basis, eng verbunden mit
den Landesverbänden in Ostdeutschland. Sie, die promovierte Ökonomin, die
für die Investmentbank Goldman Sachs gearbeitet hat und in der Schweiz mit
ihrer aus Sri Lanka stammenden Partnerin zwei Kinder großzieht, stand für
Wirtschaftskompetenz, Westdeutschland und scharfe Rhetorik.
Das sollte unterschiedliche Wähler*innen ansprechen und die Basis der
AfD verbreitern, was durchaus gelungen ist. So siegesgewiss wie in Erfurt
hat sich die Partei noch nie präsentiert, ganz so, als hätte Ulrich
Siegmund in Sachsen-Anhalt die Wahl zum Ministerpräsidenten schon gewonnen.
Mit Blick auf die beiden Vorsitzenden stimmt aber auch: Die beiden beäugen
sich seit langem misstrauisch und stehen in scharfer Konkurrenz.
Nach der Wahl der neuen Bundesspitze ist klar: Weidels Netzwerk, das
maßgeblich von Sebastian Münzenmaier aus Rheinland-Pfalz organisiert wird
und mit dem auch der Thüringer Rechtsextremist Björn Höcke verbunden ist,
hat sich auf ganzer Linie durchgesetzt. Weidel hat bei der Wahl zur
Parteivorsitzenden leicht zugelegt, Chrupalla deutlich verloren. Wen die
biegsame Weidel zur Wahl vorschlug, der wurde gewählt – und Höcke hat im
Parteivorstand nun mehr Einfluss denn je: Mit seinem Thüringer
Co-Landeschef Stefan Möller und der bayerischen Fraktionsvorsitzenden Karin
Ebner-Steiner sind zwei der drei stellvertretenden Vorsitzenden enge
Vertraute.
Diese hatte ihre Kandidatur erst kurzfristig bekannt gegeben, der
Bundestagsabgeordnete Peter Boehringer, den Chrupalla gern als Vize
behalten hätte, zog danach seine Kandidatur zurück. Das Ganze lief – trotz
einiger Kampfkandidaturen – schnell und strukturiert ab, vor den wichtigen
Landtagswahlen wollte die AfD sich geschlossen und professionell
präsentieren. Auch das: gelungen.
Weidel und Chrupalla werden noch eine Weile gemeinsam an der Spitze der AfD
weitermachen. Mittelfristig aber spricht viel dafür, dass Weidel alleinige
Vorsitzende wird und möglicherweise Münzenmaier ihr Generalsekretär.
Chrupalla könnte der Abgang mit einer Spitzenkandidatur bei der sächsischen
Landtagswahl versüßt werden – wenn sich Landeschef Jörg Urban zur Seite
schieben lässt.
Chrupalla ist der große Verlierer dieses Parteitags. Interessant dabei: Als
der Sachse 2019 neben Jörg Meuthen zum ersten Mal zum Parteichef gewählt
wurde, galt er als der Radikale, als Kandidat des völkischen Flügels. Jetzt
ist Chrupalla im Vergleich eher der, der mahnend auftritt und vor einer zu
scharfen Rhetorik mahnt. Bräuchte es noch einen Beleg dafür, dass sich die
extrem rechte Partei immer weiter radikalisiert: Hier ist er.
4 Jul 2026
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(DIR) Sabine am Orde
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