# taz.de -- Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss: Die Merz-Regierung zementiert Armut, statt sie zu mildern
> Kinderschutzverbände warnen vor den geplanten Sozialkürzungen. Kanzler
> Friedrich Merz scheinen armutsgefährdete Familien aber egal zu sein.
(IMG) Bild: Sieht der Kanzler die Alleinerziehenden nicht, die auf den Unterhaltsvorschuss angewiesen sind, oder will er sie nicht sehen?
Auf wen Friedrich Merz und seine schwarz-rote Regierung Rücksicht nehmen
und auf wen nicht, wurde in der vergangenen Woche einmal mehr deutlich. So
wurde der Kanzler bei der [1][alljährlichen Sommerpressekonferenz] zu den
drastischen Kürzungsplänen befragt, die den Unterhaltsvorschuss für
Alleinerziehende, das Elterngeld und selbst den
25-Euro-Kindersofortzuschlag betreffen. Maßnahmen, die, wie auch die
fragende Journalistin anmerkte, vor allem Mütter mit geringem Einkommen und
Kinder belasten.
Merz schien sich daran nicht groß zu stören und konzentrierte sich in
seiner Antwort lieber auf die [2][fiskalpolitische Dimension] des
Unterhaltsvorschusses: Man müsse „Rücksicht nehmen auf die finanzielle
Situation der Städte und Gemeinden“. Sowieso sei der Unterhaltsvorschuss
eben nur ein Vorschuss. Er erwähnte noch die säumigen Väter und schloss mit
der „Ergänzung“, dass Eltern von Jugendlichen, konkret „die Mütter, die
alleinstehenden Elternteile, in der Lage sind, auch Arbeit aufzunehmen“.
Als ob Alleinerziehende – über 80 Prozent sind Mütter – das nicht schon
täten. Als ob nicht die Mehrheit in Voll- und Teilzeit arbeitete, während
sie für Schularbeiten, Abendessen, Betreuung, Arzttermine, Haushalt, Miete,
Behördengänge und nicht weniger als das Wohlergehen ihrer Kinder
verantwortlich sind. Knapp 30 Prozent [3][dieser Ein-Eltern-Familien sind
armutsgefährdet].
Über die Mehrfachbelastungen auf den Schultern der rund 1,7 Millionen
Alleinerziehenden verliert Friedrich Merz kein Wort. Hier zeigt er sich
nicht wie gegenüber den Kommunen rücksichtsvoll, sondern ahnungs- und
empathielos. Anstatt die Situation von Familien und Alleinerziehenden zu
verbessern, zementiert diese von der Union geführte und von der SPD
mitgetragene Familienpolitik derzeit Armutskreisläufe.
Es ist ein Skandal. Sollten [4][tatsächlich fast 400 Euro
Unterhaltsvorschuss monatlich für 16- und 17-Jährige wegfallen], müssten
viele von ihnen Schule oder Ausbildung vorzeitig beenden, um schneller
dazuzuverdienen, fürchten Kinderschutzverbände.
Familienrechtler:innen warnen, dass von Gewalt betroffene Frauen
ohne Vorschuss stärker vom Ex-Partner abhängig blieben. Kürzungen [5][beim
Elterngeld], [6][beim Wohngeld] und beim Kindersofortzuschlag belasten
[7][Paare und Alleinerziehende] weiter.
Dass es [8][Lösungen für die klammen Finanzen in Bund, Ländern und Kommunen
braucht], ist unbestritten. Doch dafür kann nicht die Zukunft von Kindern
und die finanzielle Unabhängigkeit ihrer Mütter herhalten. Der Fokus muss
auf Reformen liegen, die diesen Namen verdienen: Beim Unterhaltsvorschuss
kann strikter gegen säumige Väter vorgegangen, für Frauen oft nachteilige
Regelungen wie das Ehegattensplitting und [9][Minijobs können abgeschafft],
fossile Subventionen können gekürzt, [10][Erbschaften] [11][stärker
besteuert werden]. Die Merz-Regierung muss die Adressat:innen ihrer
Rücksichtnahme dringend neu definieren.
18 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Amelie Sittenauer
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