# taz.de -- Neue Zahlen zu Armut: Frausein macht arm
       
       > Der Armutsbericht des Paritätischen zeigt: Die Regierung tut nichts, um
       > Menschen vor Armut zu schützen – im Gegenteil. Frauen trifft das
       > besonders hart.
       
 (IMG) Bild: Jede:r vierte 18- bis 25-Jährige und jede:r dritte Alleinlebende ist arm
       
       Wer nicht [1][von Armut betroffen ist], kann sich kaum vorstellen, wie es
       ist. Nicht genug zu essen zu haben ist eine Erfahrung, die eine:n das
       ganze Leben lang prägt. Noch heute esse ich viel zu schnell – ein
       Überbleibsel der Angst, dass sonst nicht genug für mich übrig bleibt, weil
       mein Bruder schon alles aufgefuttert hat. Aber auch die Scham, bei
       Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenken nur Selbstgebasteltes vorweisen zu
       können oder Klamotten aus Kleiderkammern tragen zu müssen, sitzt tief.
       Nicht nur bei Kindern: Auch die alleinerziehende Mutter, die kein Geld hat,
       ihrem Kind und dessen Freund:innen eine Kugel Eis oder Pommes im Freibad
       zu kaufen, ist von Scham und Schuld geplagt.
       
       Auch hier muss die Scham die Seiten wechseln. Dass Merz und auch sonst nur
       wenige in der Bundesregierung jemals von Armut betroffen war und je sein
       werden, ist keine Entschuldigung dafür, dass sie nichts tun, um Betroffenen
       zu helfen. [2][13,3 Millionen Menschen leiden hierzulande unter Armut],
       Obdachlose und Geflüchtete in Sammelunterkünften nicht mitgerechnet. Ein
       neuer Höchstwert.
       
       Die strukturelle Benachteiligung von Frauen in dieser Gesellschaft schlägt
       sich auch hier nieder. Zwar sind Frauen mit 16,7 Prozent nur etwas häufiger
       von Armut betroffen als Männer mit 15,6. Doch sowohl bei jungen Erwachsenen
       als auch bei älteren Menschen ist der Anteil von armen Frauen signifikant
       höher. Ganz zu schweigen von [3][Alleinerziehenden, von denen mehr als 80
       Prozent Mütter sind].
       
       Doch die Bundesregierung tut weder etwas für die Gleichberechtigung von
       Frauen noch für die Bekämpfung von Armut. 1,8 Millionen Menschen leben
       trotz Vollzeitstelle in Armut – hier würde eine [4][Anhebung des
       Mindestlohns helfen]. Jede:r vierte 18- bis 25-Jährige und jede:r dritte
       Alleinlebende ist arm – bezahlbares Wohnen ist eine Lösung. Fast jede
       dritte Alleinerziehende ist arm – hier braucht es bessere Kinderbetreuung
       und finanzielle Absicherung. Das würde auch aus der Teilzeitfalle helfen
       und damit Altersarmut von Frauen verringern.
       
       CDU und SPD tun jedoch genau das Gegenteil. Kaum ein Tag vergeht, an dem
       der Kanzler nicht gegen Arme und Geringverdiener:innen hetzt.
       Ausgerechnet das [5][Wohngeld soll gekürzt] und [6][der Unterhaltsvorschuss
       für Alleinerziehende eingeschränkt] werden.
       
       Die Zeiten, in denen ich auf Wohngeld oder meine Mutter auf den
       Unterhaltsvorschuss angewiesen war, sind zum Glück vorbei. Die Verachtung
       der Bundesregierung gegenüber großen Teilen der Bevölkerung finde ich
       jedoch nach wie vor bestürzend. Leider führt das jedoch nicht zu einer
       vereinten, progressiven Arbeiter:innenklasse, sondern treibt immer mehr
       Menschen in die Arme populistischer Parteien wie der rechtsextremen AfD.
       Und die hat [7][für kein Problem eine Lösung, auch nicht für Armut].
       
       2 Jun 2026
       
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