# taz.de -- Supreme-Court-Entscheidung: Recht auf US-Staatsbürgerschaft bei Geburt bleibt bestehen
       
       > Der oberste Gerichtshof der USA hat geurteilt: Auch Kinder von illegalen
       > Einwanderern haben ein Recht auf die US-Staatsbürgerschaft.
       
 (IMG) Bild: Aktivisten feiern die Entscheidung des Supreme Courts in Washington
       
       Der [1][oberste Gerichtshof der USA] hat eines der grundlegenden Rechte im
       Land aufrechterhalten. In einer 6:3-Entscheidung urteilte das neunköpfige
       Gericht, dass die automatische Staatsbürgerschaft bei Geburt nicht nur für
       Kinder von Menschen gilt, die sich legal und mit permanenter
       Aufenthaltsgenehmigung im Land befinden. Auch Kinder von illegalen
       Einwanderern oder Menschen, die sich nur temporär im Land aufhalten, haben
       ein Recht auf die US-Staatsbürgerschaft.
       
       Der Versuch von [2][US-Präsident Donald Trump] und seiner Regierung, den
       automatischen Erwerb der Staatsbürger einzuschränken, ist somit vor dem
       Supreme Court am Dienstag gescheitert.
       
       Die Richter:innen erklärten ihre Entscheidung mit einem Blick auf die
       Geschichte der Vereinigten Staaten als Einwanderungsland. Der 14.
       Verfassungszusatz, der die Staatsbürgerschaft bei Geburt garantiert und
       nach dem Bürgerkrieg durch den Kongress verabschiedet wurde, unterscheidet
       nicht, ob die Eltern bei der Geburt ihres Kindes US-Staatsbürger oder
       Ausländer sind.
       
       Der 14. Verfassungszusatz besagt: „Alle Personen, die in den Vereinigten
       Staaten geboren oder eingebürgert wurden und ihrer Hoheitsgewalt
       unterstehen, sind Staatsbürger der Vereinigten Staaten.“ Der vorsitzende
       Richter, Chief Justice John Roberts, der die Meinung der Mehrheit vertrat,
       erklärte, dass mit der Entscheidung des Gerichts, das Versprechen, dass von
       den Verfassern des 14. Zusatzartikels zur US-Verfassung ausgehe,
       „aufrechterhalten wurde“.
       
       ## Trump will Recht auf Staatsbürgerschaft einschränken
       
       US-Präsident Trump, der seit seiner ersten Amtszeit versucht, die
       allgemeingültige Regelung zum Erhalt der US-Staatsbürgerschaft zu
       beschränken, bezeichnete das Gerichtsurteil als „schlecht für unser Land“.
       
       Trump unterschrieb bereits am ersten Tag seiner zweiten Amtszeit ein
       Dekret, mit dem er das sogenannte Geburtsortsprinzip einschränken wollte.
       Das Dekret besagte, dass in den USA geborene Kinder nicht automatisch die
       amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten, wenn nicht mindestens ein
       Elternteil US-Staatsbürger ist oder einen permanenten Aufenthaltsstatus
       besitzt.
       
       Der Supreme Court wies dies nun als verfassungswidrig zurück.
       Bürgerrechtsorganisationen wie die Aclu feiern das Urteil.
       
       „Die Entscheidung des Gerichts bekräftigt ein grundlegendes amerikanisches
       Versprechen: Wer hier geboren wird, ist Staatsbürger“, sagte Cecillia Wang,
       die als leitende Juristin der Aclu den Fall vor dem Obersten Gerichtshof
       vertreten hatte.
       
       Im Gegensatz dazu beschrieb der Präsident des konservativen Thinktanks
       Heritage Foundation, Kevin Roberts, das Urteil als einen „Verrat an der
       Republik“. Nach seinen Worten hätten die Richter:innen den Angriff auf
       Amerikas Souveränität „weiter angeheizt und den Wert der amerikanischen
       Staatsbürgerschaft herabgewürdigt“.
       
       ## Trump Regierung macht weiter
       
       Auch wenn der Supreme Court am Dienstag gegen Trump entschied, so war die
       Niederlage nur ein Tropfen auf den heißen Stein. „Trotz dieser scheinbar
       historischen Niederlage gewinnt die Trump-Regierung ihren Krieg gegen
       Einwanderer“, sagte Stephen Yale-Loehr, Experte für Einwanderungsrecht an
       der Cornell University.
       
       Denn die Regierung hat seit Januar 2025 [3][mehr als 700 Einwanderungs- und
       Asylbeschränkungen eingeführt.] Diese Beschränkungen haben zwangsläufig
       dazu beigetragen, dass die Nettomigration in den USA zum ersten Mal seit
       über 50 Jahren rückläufig ist.
       
       Trump kritisiert auch immer wieder den sogenannten Geburtentourismus.
       Gemeint sind damit ausländische Mütter, die schwanger in die USA einreisen,
       nur um dort ihr Kind auf die Welt zu bringen. Laut Statistiken könnte sich
       die Zahl der „Anchor Babies“ pro Jahr auf etwa 250.000 belaufen.
       
       ## Trump fordert Kongress zum Handeln auf
       
       Präsident Trump will nach der Niederlage vor Gericht nun den US-Kongress
       dazu bewegen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. „Der Kongress sollte
       heute damit beginnen, die für unser Land kostspielige und ungerechte
       Geburtsstaatsbürgerschaft abzuschaffen. Er wird dabei meine
       uneingeschränkte Unterstützung haben“, erklärte Trump in einem Post auf
       Social Media.
       
       Da der Kongress einen Verfassungszusatz jedoch nicht ohne Weiteres abändern
       oder ganz abschaffen kann, scheint diese Forderung von Trump unrealistisch
       zu sein. Versuche gibt es aber immer wieder. Im vergangenen Jahr legte der
       republikanische Senator Lindsey Graham beispielsweise einen Gesetzesentwurf
       vor, der die von Trump im Dekret genannten Punkte widerspiegelt.
       
       Ein neuer Zusatzartikel bräuchte eine Zweitdrittelmehrheit im Kongress.
       Bisher wurde nur ein einziges Mal in der US-Geschichte ein Amendment
       zurückgenommen, der 21. Zusatzartikel, der den Verkauf und Konsum von
       Alkohol verboten hatte.
       
       1 Jul 2026
       
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