# taz.de -- Versammlung trotz Hitzewelle in Ungarn: Zehntausende feiern bei Pride Parade
> Die Demonstration für LGBTQ-Rechte in Budapest ist gut besucht. Viele
> Teilnehmende hoffen auf mehr Rechte unter der neuen Regierung.
(IMG) Bild: Schirme gegen die Sonne: Bei der Pride Parade in Budapest am 27. Juni 2026
afp | Bunt, fröhlich und stolz: In Budapest haben zehntausende Menschen der
Hitze getrotzt und an der diesjährigen Pride Parade teilgenommen – der
ersten seit der Abwahl des rechtsnationalistischen Regierungschefs Viktor
Orbán. Viele der Teilnehmenden, darunter vor allem junge Menschen,
schwenkten am Samstag kleine Fähnchen oder große Regenbogenbanner. Viele
äußerten sich hoffnungsvoll, dass die LGBTQ-Rechte unter der neuen
Regierung von Péter Magyar gestärkt werden könnten.
Laut einem Fotografen der Nachrichtenagentur AFP vor Ort beteiligten sich
an der Demonstration mindestens 100.000 Menschen – weniger als im Vorjahr,
als trotz eines Verbots mehr als 200.000 Menschen teilgenommen hatten. Doch
sei die Menge größer als in den Jahren vor 2025 gewesen.
Die Veranstaltung für die Rechte sexueller Minderheiten fand [1][trotz der
hohen Temperaturen statt], die in der ungarischen Hauptstadt bei 40 Grad
Celsius lagen. Die Organisatoren hatten aber besonders gefährdete Menschen
aufgerufen, zu Hause zu bleiben und die Parade im Internet zu verfolgen.
„Wir sind stolz auf uns selbst und auf alle anderen, dass wir hier sind und
uns trotz der gefühlten 50 Grad Celsius auf dem Asphalt auf die Straße
gewagt haben“, sagte die 53 Jahre alte Lehrerin Zsuzsanna Naszalyi.
Zu den Teilnehmenden gehörte auch die 18-jährige Petra Toth, die mit ihrer
Freundin aus dem Süden Ungarns angereist war. Die Lage für die
LGBTQ-Community „verbessert sich vor allem aufgrund des Regierungswechsels
immer weiter“, sagte sie AFP. [2][Die englische Abkürzung LGBTQ] steht für
lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer.
## Regenbogenflagge im Budapest-Park
Orbáns Regierung hatte die Demonstration in Budapest im vergangenen Jahr
unter anderem mit Verweis auf ein [3][Anti-LGBTQ-Gesetz aus dem Jahr 2021]
untersagt. [4][2025 wurde das Gesetz verschärft.] Unter dem
Grünen-Bürgermeister Gergely Karácsony, einem Gegner Orbáns, wurde die
Demonstration dennoch ausgerichtet. Trotz Verbots nahmen daran mehr als
200.000 Menschen teil – deutlich mehr als in den Jahren zuvor, als sich
etwa 35.000 Menschen an der Demonstration beteiligt hatten.
Im Januar wurde deshalb Anklage gegen Karácsony erhoben. Anfang Juni ließ
die Staatsanwaltschaft die Anklage jedoch fallen. Im April hatte der
Europäische Gerichtshof geurteilt, dass die ungarischen Anti-LGBTQ-Gesetze
gegen die EU-Grundfreiheiten verstießen.
Im Budapest Park, dem größten Open-Air-Veranstaltungsort der Hauptstadt,
[5][weht erstmals während des gesamten Pride-Monats eine Regenbogenflagge.]
Zwar gab es am Samstag auch zwei Festnahmen, nachdem die Demonstranten mit
Gemüse beworfen worden waren.
Doch die Stimmung in der Bevölkerung habe sich „wirklich gewandelt“, sagte
der 60-jährige Teilnehmer Balazs Moczar-Boor. Er und sein Partner hätten
erwogen, Ungarn zu verlassen, falls Orban im Amt geblieben wäre.
## Forderung, LGBTQ-feindliche Gesetze aufzuheben
Ungarns neuer konservativer pro-europäischer Ministerpräsident Magyar, der
Orbán im Mai nach 16 Jahren als Regierungschef ablöste, hat sich zwar immer
wieder für Gleichberechtigung und Versammlungsfreiheit ausgesprochen.
Allerdings hat er bislang weder die Pride-Parade unterstützt noch Schritte
unternommen, um die unter Orbán in Kraft getretenen Anti-LGBTQ-Gesetze zu
streichen.
Während seines Wahlkampfs hatte Magyar es vermieden, das Thema LGBTQ-Rechte
anzusprechen. Seit seiner Wahl betont er jedoch, dass seine Regierung den
Menschen nicht vorschreiben werde, wie sie zu leben hätten.
„Wir haben deutlich gemacht, dass unserer Ansicht nach jeder frei ist zu
lieben, wen er will, und mit wem er will zu leben, solange er nicht gegen
das Gesetz verstößt“, erklärte Magyar Anfang Juni auf die Frage nach dem
Recht auf Eheschließung und Adoption für gleichgeschlechtliche Paare. „Wenn
der Wunsch besteht, dass wir diese gesellschaftlich und politisch sensiblen
Themen ansprechen, sind wir offen für eine Debatte darüber“, fügte er
hinzu.
Vergangene Woche veröffentlichten mehrere Menschenrechtsorganisationen eine
gemeinsame Erklärung, in der sie die Regierung dazu aufforderten,
LGBTQ-feindliche Gesetze aufzuheben. Amnesty International forderte Magyars
Regierung auf, gleiche Rechte für gleichgeschlechtliche Paare einzuführen.
Die Organisation verwies auf eine aktuelle Umfrage des Instituts Median –
demnach befürworten 68 Prozent der Ungarn sowohl die gleichgeschlechtliche
Ehe als auch die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare.
In Budapest seien die Menschen „ihrer Zeit voraus“ und akzeptierten
„jeden“, sagte Lidia, die aus dem Norden des Landes angereist war und ihren
vollständigen Namen nicht nennen wollte. Aber auf dem Land sehe die Welt
„ganz anders“ aus. Sie hoffe nun, „dass das Land wieder auf den richtigen
Weg kommt und [6][dass homosexuelle Menschen heiraten und Kinder adoptieren
können]“. Das aber werde „Zeit brauchen“.
28 Jun 2026
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