# taz.de -- Niederlage für Viktor Orbán: Endlich wieder queere Hoffnung?
> Meine innere Karte der Orte, an denen ich als nichtbinäre Person halbwegs
> sicher bin, wurde immer kleiner. Vielleicht ändert sich das jetzt wieder.
(IMG) Bild: Kommt nach und mit Pride auch wieder Hoffnung?
An Budapest erinnere ich mich noch gut. Vor genau einem Jahr war ich dort,
um meinen besten Freund zu besuchen, der ein Auslandssemester in Ungarns
Hauptstadt machte. Präsident Viktor Orbán hatte gerade [1][den CSD
verboten] und das Land war in den Schlagzeilen. Durch Budapest laufen
fühlte sich anders an als durch andere europäische Hauptstädte. Aber war es
wirklich so anders? Oder war das nur der Schatten einer Regierung, die so
entschieden gegen queere Existenzen zu kämpfen schien wie keine andere in
Europa?
Ich bemerkte vor allem, was fehlte: Regenbogenfahnen an Bars oder
Geschäften. Die einzige, die am Schaufenster eines Cafés klebte, war winzig
und in einer fast versteckten Ecke. Wie ein leises Geheimzeichen statt wie
ein lautes Statement. Orte, die sich als sicheren Raum für queere Menschen
verstanden? Fand ich nicht. Öffentliche queere Events? Fehlanzeige. Auch
ich habe mich anders verhalten, habe weniger offen sichtbar feminine
Outfits getragen. Alles wirkte ganz anders als Amsterdam, Wien, Tirana oder
Prag. Ungarn erschien mir wie ein Ort aus den feuchten Träumen der AfD.
[2][Als nichtbinärer Mensch zu reisen], fühlt sich in den letzten Jahren
zunehmend so an, als würde die Welt, in der man halbwegs sicher ist,
kleiner werden. Man legt sich eine innere Landkarte von Orten an, an die
man gehen kann, ohne vorher zu überlegen, wie man aussieht, wie man klingt,
wem man begegnet. Diese Landkarte hatte in letzter Zeit mehr graue Flecken
als früher. Budapest gehörte dazu.
Und plötzlich [3][leuchtet Budapest]. Es wird geravt, getanzt. In dem Land,
das lange wirkte wie das Lehrbuchbeispiel des Umbaus liberaler
Gesellschaften zu faschistischen Systemen im 21. Jahrhundert, scheint
Veränderung möglich. Mit Péter Magyar gewinnt kein Linker. Er verfolgt nach
wie vor eine rechte und repressive Migrationspolitik. Aber der Sieg ist ein
anderer. Der Rechtsstaat in Ungarn könnte wiederhergestellt werden und,
fast noch besser: Das organisierte rechtsextreme Europa verliert [4][sein
größtes Role Model], Washington und Moskau verlieren ein wichtiges Symbol.
Orbán war für die internationale Rechte nie nur ein Verbündeter, sondern
ein Beweis: Schaut nach Budapest, antiliberale, queerfeindliche Politik
funktioniert. Nun ist die Niederlage real.
## Erstmal den Rahmen verteidigen, in dem überhaupt gestritten werden kann
Ja, ich weiß, was jetzt kommt. [5][Magyar ist konservativ], nicht nur in
Migrationsfragen. Auch beim Thema queere Rechte wird er vermutlich nicht
der Verbündete, den wir uns wünschen. Trotzdem haben ihn unzählige Menschen
aus dem linksurbanen, queeren Budapest gewählt. Taktisch. Zähneknirschend.
Weil sie verstanden haben, was wir hier in Deutschland in unseren
Bündnisdebatten manchmal vergessen: Man muss manchmal zuerst den Rahmen
verteidigen, in dem überhaupt gestritten werden kann.
Vor einem Jahr lief ich durch ein Budapest, in dem sich kaum jemand traute,
eine Regenbogenfahne ins Fenster zu hängen. Heute leuchtet diese Stadt. Und
vielleicht gibt es bald auch mehr Raum für queere Menschen dort. Nicht,
weil der neue Staatschef das so will, sondern weil der Rechtsstaat
zurückkehren könnte – und damit die institutionelle Grundlage für jede Form
von Freiheit.
Die innere Landkarte der Länder, in denen ich mich halbwegs sicher bewege,
war lange nur kleiner geworden. Seit dem letzten Wochenende glaube ich zum
ersten Mal wieder, dass sie auch wieder wachsen kann. Und das ist ein
Unterschied, den man feiern darf. Und für einen Moment: mitleuchten.
18 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Elya Maurice Conrad
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