# taz.de -- Rückzug des Berliner Regierungschefs: Auch Berliner Linke brauchen eine CDU
> Klar ist jetzt die Schadenfreude groß wegen Kai Wegner. Doch die CDU
> repräsentiert Milieus, die für linke Parteien unerreichbar sind.
(IMG) Bild: Das mit Law und Order hat nicht ganz geklappt – Kai Wegner unterwegs mit dem Berliner Ordnungsamt
Der politische Betrieb im Land Berlin ist erleichtert. Der Regierende
Bürgermeister von der CDU, Kai Wegner, [1][tritt bei der nächsten Wahl im
Herbst nicht mehr an], weil er im Zusammenhang mit einem großflächigen
Stromausfall mehrfach gelogen hat. Die Erleichterung und auch die zu
vernehmende Schadenfreude gerade von links sollten dabei allerdings schnell
abgehakt sein.
Stattdessen sollte der Blick auf etwas anderes, tiefer Liegendes gerichtet
werden: Eine sich selbst zerlegende CDU ist nicht gut für die
3,7-Millionen-Metropole. Es gibt einen Anteil von rund 35 bis 40 Prozent
BerlinerInnen, die wohl niemals SPD, Linke oder Grüne wählen würden (bei
der für sie erfolgreichsten Wahl im Jahr 2001 erreichten sie knapp über 60
Prozent, von da an ging es bergab).
Es sind BerlinerInnen, die tendenziell nicht im Innenstadtring leben,
sondern in eher unbekannten Stadtteilen wie Hakenfelde, Lichtenrade oder
Kaulsdorf. Bei der vergangenen Wahl sah man die Teilung Berlins zwischen
innen und außen eindrücklich auf Karten: Der Berliner Kern ist rot und grün
eingefärbt, der – flächenmäßig viel größere – Rest schwarz und leider auch
AfD-blau.
## Crack und Matratzenberge
Es sind BerlinerInnen, die es nicht normal finden, dass nachts in
U-Bahn-Zügen schon mal Crack geraucht wird und öffentliche Parks zu
Verkaufsstellen von harten Drogen umgenutzt werden, während die Polizei
wegsieht. Es sind BerlinerInnen, die auch mit ihrem Steuergeld eine
Stadtreinigung finanzieren, die in den Straßen von Kreuzberg und Neukölln
mehrmals in der Woche ausrücken muss, um die Bürgersteige von
Elektroschrott-, Sofa- und Matratzenbergen zu befreien.
Die linke Antwort auf Regelverstöße und Kriminalität lautet dann immer:
Prävention geht vor, wir müssen die sozialen Ursachen bekämpfen – [2][so
steht es auch im Wahlprogramm der Berliner SPD]. Es ist immer gut, an
soziale Ursachen heranzugehen, aber es dauert, bis sich Ergebnisse zeigen.
In der Zwischenzeit wünschen sich – nicht nur – besagte 35 bis 40 Prozent
der BerlinerInnen einen Staat, der handelt. Erwartbare linke Floskeln wie
„gegen staatliche Repression“ sind dabei geradezu denkfaul: Es sind gerade
ärmere Schichten, die auch bei der öffentlichen Sicherheit einen
funktionierenden Staat brauchen, weil sie nicht die Mobilität und das Geld
haben, den Zumutungen auszuweichen, und die sich keine Wohnung in Berlins
Bullerbü, auch bekannt als Prenzlauer Berg, oder in Zehlendorf leisten
können.
Wegner hatte [3][seiner Klientel Law and Order versprochen] und ist damit
grandios gescheitert. Trotzdem bleibt seine CDU weiterhin die
Repräsentantin eines Milieus, das für die linken Parteien einfach nicht
erreichbar ist. Eine vitale, moderat konservative Berliner CDU ist auch im
Interesse der linken Parteien, allein schon als potenzieller
Koalitionspartner. Die Alternative steht ganz rechts, und die ist auf allen
Ebenen keine Alternative.
12 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /CDU-Spitzenkandidat-in-Berlin/!6195326
(DIR) [2] https://spd.berlin/wahlprogramm/
(DIR) [3] /Goerlitzer-Park-in-Berlin/!6178416
## AUTOREN
(DIR) Gunnar Hinck
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