# taz.de -- Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus: Parlamentarische Kettenreaktion
       
       > Weil ein Spandauer Direktmandat per Nachzählung an die AfD geht und nicht
       > an die CDU, schrumpft das Abgeordnetenhaus – und die linke Mehrheit
       > gleich mit.
       
 (IMG) Bild: Dürfte von den jüngsten Entwicklungen nicht begeistert sein: Landeswahlleiter Stephan Bröchler (Archivbild)
       
       Eine Panne im eigentlichen Sinne ist es nicht, wenn sich Stimmenanteile
       nach der ersten Auszählung noch einmal leicht verändern. Weil hier immer
       Ungenauigkeiten vorkommen können, [1][gibt es ja ein vorläufiges
       Wahlergebnis] und einige Wochen später ein endgültiges. Aber im Fall der
       Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September löst nun eine solche
       Korrektur eine beträchtliche Kettenreaktion aus.
       
       Eine Neuauszählung im Wahlkreis Spandau hat nämlich ergeben, dass der
       AfD-Kandidat Tommy Tabor dort das Direktmandat geholt hat und nicht die
       CDU-Kandidatin Bettina Meißner. Einen Bericht des Tagesspiegels hat
       Landeswahlleiter Stephan Bröchler gegenüber der dpa bestätigt. Bröchler
       zufolge war die Nachzählung nötig geworden, weil die telefonisch
       übermittelte Schnellmeldung des Ergebnisses nicht mit dem – korrekten –
       Ergebnis in der Niederschrift des Wahlvorstands übereinstimmte.
       
       „Woran das lag, kann ich im Augenblick nicht sagen“, so Bröchler am
       Freitag. In jedem Fall liegt nun AfD-Mann Tabor mit 34 Stimmen vorn und
       nicht Meißner mit 80 Stimmen. Weil die CDU nur mit dem falschen Ergebnis
       für die Direktkandidatin Anspruch auf ein Überhangmandat hatte, fällt
       dieses nun weg – und reißt vier sogenannte Ausgleichskandidaten für andere
       Fraktionen mit sich. „Es werden 153 Kandidaten einen Sitz im
       Abgeordnetenhaus erhalten, nicht 158“, erklärte Bröchler den vorläufigen
       Stand der Dinge.
       
       ## Parlamentsmehrheit schrumpft
       
       Welche Abgeordneten das betrifft, müssen die recht komplizierten
       Berechnungen noch zeigen. Dem Tagesspiegel zufolge sollen Martin Matz
       (SPD), Oda Hassepaß (Grüne) sowie Coco Aglibut und Bettina Günter von der
       Linken betroffen sein. Das endgültige Ergebnis wird am 12. Oktober vom
       Landeswahlausschuss unter Bröchlers Leitung verkündet werden.
       
       Im Falle einer rot-grün-roten Koalition würde sich deren parlamentarische
       Mehrheit beim Wegfall der fünf Sitze verringern: Sie käme dann auf 91 von
       153, was einer Mehrheit von 14 Stimmen entspricht. Bislang wären es 95 von
       158 Sitzen gewesen – eine Mehrheit von 16 Sitzen.
       
       Tabors knapper Sieg beschert der AfD im Übrigen das dritte Direktmandat in
       einem Wahlkreis des ehemaligen West-Berlin. Im Osten sind es 10
       Direktmandate.
       
       2 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://wahlen-berlin.de/wahlen/BE2026/Afspraes/AGH/ergebnisse.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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