# taz.de -- Marc-Uwe Kling über Digitalkonzerne: „Zum Glück gibt es überall Alternativen“
> Autor Marc-Uwe Kling („Die Känguru-Chroniken“) hilft Menschen beim
> Abschied von Big Tech. Er findet: Hoffnung liegt im Machen – und im
> Lachen.
(IMG) Bild: Mensch ärgere dich nicht (nur) – gegen manche Missstände kann man doch auch selbst etwas tun
taz: Herr Kling, die meisten von uns verbringen viel Zeit in Apps und
Programmen, hinter denen oft große Tech-Konzerne stehen. Um unsere
Abhängigkeit von denen zu verringern, haben Sie den Digital Independence
Day ausgerufen. Was ist das?
Marc-Uwe Kling: Hoffnung liegt im Machen – und das ist zumindest ein
Versuch. Die Idee dahinter: Wir vollziehen alle zusammen jeden ersten
Sonntag im Monat einen Wechsel – von einem mächtigen digitalen Konzern zu
einem anderen Anbieter, der es etwas genauer nimmt mit Datenschutz und
Demokratie. Suchmaschine, Browser, Bezahlsystem, E-Mail, Streamer,
Messenger: Wenn wir uns mal vor Augen führen, wie abhängig wir uns jeden
Tag von digitalen Konzernen machen, wird es echt gruselig. Aber es gibt ja
zum Glück überall Alternativen.
taz: Ihr Projekt hat eine [1][Website] mit praktischen Anleitungen für den
Abschied von [2][Big Tech], in manchen Städten gibt es aber auch
persönliche Treffen und Veranstaltungen.
Kling: Und wenn du mal einen Monat keine Zeit hattest für einen Wechsel,
dann machst du halt im nächsten Monat wieder weiter – alles ganz entspannt.
taz: Bekommt man dann am Ende, wenn man alle Wechsel vollzogen hat, eine
Art Digital-Independence-Day-Abzeichen verliehen?
Kling: Lustige Idee, aber nein. Es geht nicht um ein digitales
Reinheitsgebot oder darum, mit dem Finger auf Leute zu zeigen, die
vielleicht noch nicht so weit sind oder manches für ihren Job brauchen. Das
Motto ist: Mach halt, was du kannst – und jede*r kann irgendwas machen.
taz: Also alle tragen etwas bei, aber nicht alleine die Verantwortung.
Kling: Genau, das ist uns schon beim [3][Klima] auf die Füße gefallen. Da
hat man sich zerstritten, weil der Nachbar einen Inlandsflug gemacht hat,
statt sich gemeinsam darüber zu beschweren, dass Kerosin steuerbefreit ist.
Genauso ist es bei der digitalen Unabhängigkeit, sie muss systemisch
angegangen werden. Als Individuen können wir uns dennoch engagieren und
jeden ersten Sonntag im Monat eine digitale Demonstration ausrufen. Das
Ganze muss in den medialen Diskurs, dann gibt es auch eine Rückwirkung auf
die Politik.
taz: Sie sind berühmt geworden durch das kommunistische Känguru, das
schnapspralinenfutternd durch Ihre Bücher, Podcasts und Comics hüpft. Wie
wichtig ist es bei der oft negativen Nachrichtenlage, auch mal abzuschalten
und zu lachen?
Kling: Lachen hat eine gewisse Macht. Das sollten wir auf keinen Fall
unterschätzen. Wenn du erstmal über etwas gelacht hast, verlierst du auch
die Angst davor, und genau das ist oft nötig, um ins Tun zu kommen. Am Ende
gibt es Hoffnung nur, wenn man sie sich macht.
taz: Angesichts all der Krisen scheint es aber gerade gar nicht so leicht,
zwischen Betroffenheit und Ausgelassenheit umzuschalten.
Kling: Ich glaube, das kann parallel existieren. Wir dürfen auch Spaß haben
beim Machen. Wenn wir nur dasitzen wie Trauerklöße, wie sollen wir dann die
Leute davon überzeugen, bei der guten Sache mitzumachen? Betroffenheit und
Ausgelassenheit schließen sich nicht aus. Du kannst dir Sorgen um die Welt
machen und trotzdem ein schönes Leben haben. Mit Spaß gelingt dir am Ende
wahrscheinlich sogar mehr. Aber natürlich ist nicht jeder Witz automatisch
auch ein guter. Es kommt immer auf die Tendenz an. Was genau will mir der
Witz sagen? Im Idealfall wird mir durch eine Pointe sogar etwas klar, das
ich vorher gar nicht wusste. Eine humoristische Metapher kann dir Sachen
manchmal besser erklären als eine Doku.
30 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Julien Gupta
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