# taz.de -- Grüne über digitale Unabhängikeit: „Wir sind spät dran, mehr Eigenständigkeit herzustellen“
       
       > US-Firmen wie Microsoft dominieren, der Digital Independence Day zeigt
       > Alternativen. Wie der Wechsel klappt, weiß Eva Botzenhart von Hamburgs
       > Grünen.
       
 (IMG) Bild: Technologie-Riese Microsoft: aus der deutschen Verwaltung und dem Alltag vieler kaum wegzudenken
       
       taz: Frau Botzenhart, sind wir zu bequem für digitale Unabhängigkeit? 
       
       Eva Botzenhart: Das denke ich nicht. Ich glaube aber, dass wir einfach an
       unsere Apple-Geräte, die Microsoft-Office-Produkte und ChatGPT gewöhnt sind
       und eine große Unsicherheit besteht im Umgang mit den Alternativen, wenn
       sie denn überhaupt bekannt sind. Am Digital Independece Day zeigen wir
       Alternativen und bieten Möglichkeiten, Programme wie [1][Linux] oder
       alternative Suchmaschinen erst mal auszuprobieren.
       
       taz: Warum brauchen wir denn überhaupt Alternativen? 
       
       Botzenhart: Bei den geopolitischen Verwerfungen, die uns allen bekannt
       sind, ist es unglaublich wichtig, dass Europa eine Eigenständigkeit bewahrt
       im digitalen Raum. Der [2][Cloud-Act] berechtigt den Präsidenten der
       Vereinigten Staaten, jederzeit Daten einzufordern, die Deutschland bei
       US-amerikanischen Unternehmen speichert. Und deswegen ist es umso
       wichtiger, dass wir uns jetzt endlich auf den Weg machen. Wir sind spät
       dran, mehr Eigenständigkeit herzustellen.
       
       taz: Die genannten Alternativen haben auch ihre Kritiker. [3][Duck-Duck-Go]
       greift auf Microsofts Bing zurück und Linux wird von Datenschützern
       kritisiert und scheint vielen kompliziert. Werden die Alternativen manchmal
       verklärt? 
       
       Botzenhart: Ich gebe Ihnen recht, dass es manchmal komplizierter ist, als
       es sein müsste, gerade bei Linux. Und dass die Alternativen deshalb noch
       nicht von vielen genutzt werden. Wenn deswegen aber keiner mitmacht, kommen
       wir auch nicht von den US-Konzernen los.
       
       taz: Der Digital Independance Day setzt bei den Bürger:innen an. Aber
       auch die deutsche Verwaltung ist in hohem Maße abhängig von US-Konzernen.
       Die Bundesregierung überweist jedes Jahr etwa eine [4][halbe Milliarde
       Euro] an Microsoft Lizenzen. Lässt sich das noch ändern? 
       
       Botzenhart: Ich hoffe, dass sich das ändern lässt. Ich habe in der
       Bürgerschaft mit unserem Koalitionspartner SPD gemeinsam einen Antrag
       eingebracht, der eben genau das aufspießt und sagt: Lasst uns mal die
       Abhängigkeit ein bisschen reduzieren und gucken, ob wir nicht zumindest aus
       den Microsoft-Office-Produkten Schritt für Schritt rauskommen.
       
       taz: Auch die EU-Kommission hat sich Anfang des Monats mit dem Thema
       befasst und plant, dass besonders sensible Verwaltungsbereiche ihre Daten
       künftig in Europa speichern sollen. Ist das umsetzbar? 
       
       Botzenhart: Das halte ich für einen unglaublich wichtigen ersten Schritt,
       um mehr digitale Unabhängigkeit besonders von US-Konzernen zu erlangen.
       Dadurch könnte der US-Präsident nicht einfach sensible europäische Daten
       mithilfe des Cloud-Acts abfragen.
       
       taz: Für dieses Vorhaben braucht es Rechenzentren, die viel Strom
       benötigen. Frankreich, Schweden und acht weitere Mitgliedsstaaten haben
       gefordert, dass hierfür Atomstrom wieder als grün bewertet werden soll. Ist
       das ein notwendiges Übel? 
       
       Botzenhart: Das ist so ein bisschen die Wahl zwischen Pest und Cholera. Es
       ist eine Tatsache, dass die Rechenzentren unglaublich viel Strom brauchen,
       der irgendwo herkommen muss. Dass dann die Mitgliedsstaaten auf die Idee
       kommen, zu sagen: [5][Jetzt brauchen wir den Atomstrom wieder], ist
       naheliegend, aber falsch. Das wäre eine Rückwärtsrolle. Und da ist für mich
       als Grüne eine Grenze erreicht. Dann dauert es mit der [6][digitalen
       Unabhängigkeit] halt vielleicht ein bisschen länger.
       
       2 Jul 2026
       
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